Jülichs rätselhafte Lungeninfekte

Von: Volker Uerlings
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Im Krankenhaus Jülich wurden in vier Wochen 40 Fälle von Lungenentzündung behandelt. Foto: -vpu-

Jülich. Zu einem ungewöhnlichen Zeitpunkt im Jahr sind ausschließlich in Jülich und seinen Stadtteilen auffallend viele Menschen an Lungenentzündung erkrankt. Auf Anfrage unserer Zeitung hat das Kreisgesundheitsamt diese Information bestätigt.

Ein Grund zur Panik bestehe keinesfalls, zumal die Zahl der Erkrankungen deutlich abklinge, sagte Dr. Norbert Schnitzler als Leiter des Amtes im Gespräch mit der Redaktion. In Summe halten die medizinischen Kontrolleure im Kreishaus über 40 Fälle, die im Jülicher Krankenhaus im Zeitraum von vier Wochen behandelt werden mussten, für „ein bisschen ungewöhnlich“. Allein am Wochenende 30./31. August seien 25 Betroffene eingeliefert worden.

Die Krankheit zeige sich nicht etwa auch durch starken Husten, wie man annehmen könnte, sondern vor allem durch deutliches Fieber und ein Schlappheitsgefühl. Die bekannten Fälle betreffen vor allem Menschen, die älter als 65 Jahre sind und in einem eingegrenzten Bereich wohnen. Dr. Schnitzler: „Von Mitte August bis jetzt stammten die Patienten aus dem Jülicher Osten und Stetternich.“ Obwohl die Zahl der Neuerkrankungen stark zurückgegangen sei, gab es jüngst je einen Betroffenen aus Broich und Mersch.

„Die Patienten haben die Erkrankung außerhalb des Krankenhauses erworben. Das Jülicher Krankenhaus hat breite Untersuchungen anstellen lassen, aber wir kennen den Erreger noch nicht“, sagte der Leiter des Kreisgesundheitsamtes. Die Bemühungen würden nun ausgeweitet. Am Freitag wurden laut Dr. Schnitzler „mit den Kollegen in Jülich“ die Akten noch einmal angeschaut.

Nach der Anfrage unserer Zeitung und der Bestätigung aus dem St.-Elisabeth-Krankenhaus Jülich wurden auch niedergelassenen Ärzte in Jülich befragt, die einen Trend von Erkältungskrankheiten bestätigten, der für die Jahreszeit eben ungewöhnlich ist. Dr. Schnitzler: „Es erkranken auch jüngere Menschen, aber nicht so gravierend wie die älteren. Hier zeigt sich das Krankheitsbild eher als schwere Erkältung.“ In der klassischen „Grippe-Saison“ ab November wären diese Fallzahlen keine Überraschung, im August schon.

Die gute Nachricht ist, dass laut Kreisgesundheitsamt bislang fast alle Patienten erfolgreich behandelt worden sind – ein Erkrankter sei noch „intensivpflichtig“. Es habe auch einen Todesfall im Kreis der an Lungenentzündung Erkrankten gegeben, allerdings habe es sich um einen betagten Menschen mit vielen weiteren Erkrankungen gehandelt, so dass ein Zusammenhang zur Lungenentzündung nicht zu belegen sei.

Wie kann man sich anstecken? Dr. Schnitzler: „Ohne den Erreger zu kennen, ist das reine Spekulation.“ Die Experten im Gesundheitsamt halten eine Virus-Erkrankung, die von Mensch zu Mensch übertragen wird „und auf die sich eine bakterielle Infektion draufsetzt“, für wahrscheinlich. Schnitzler: „Ich wäre weit davon entfernt, dies als sichere Erkenntnis zu bezeichnen.“ Er empfiehlt ein Verhalten wie in der Grippesaison: Beim Nachhausekommen „immer die Hände gründlich waschen“ und bei Fieber ab 38,5 Grad den Arzt aufsuchen.

Fragen beantwortet das Kreisgesundheitsamt, Telefon 02421/ 22-2410.

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