Jülichs größter FH-Hörsaal: die Stadthalle!

Von: Volker Uerlings
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Die altehrwürdige Stadthalle
Die altehrwürdige Stadthalle ist derzeit Jülichs größter Hörsaal. Sie dient der mit zahlreichen Studierenden gesegneten Fachhochschule als Ausweichquartier - hier eine Vorlesung des Fachbereichs Energietechnik mit Prof. Isabel Kuperjans. Foto: Uerlings

Jülich. Da sage noch einer, die Studierenden des Fachhochschul-Campus Jülich machen um die Innenstadt einen großen Bogen. Das ist ein gepflegtes Vorurteil mit einem gewissen Wahrheitsgehalt. Derzeit stimmt es nicht so ganz, denn aus purer Raumnot ist die FH gezwungen, Vorlesungen auszulagern.

Und so wurde aus dem Feiertempel der Herzogstadt kurzerhand Jülichs größter Hörsaal: die Stadthalle. Mehrmals in der Woche büffeln hier junge Leute und haben auch die anfängliche Skepsis gegenüber dieser sonst bildungsfernen Umgebung aufgegeben. „Das ist richtig gut hier, wir fühlen uns wohl”, sagte diese Woche Prof. Isabel Kuperjans, die angehende Maschinenbauer (und -innen) in Energietechnik unterrichtete. Die geschätzte Notlösung mitten in der City wird aber binnen Jahresfrist einem Neubau weichen, wie FH-Rektor Prof. Marcus Baumann auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte.

Zwei Millionen Euro in etwa will die Hochschule aus eigenen Mitteln aufbringen, um einen neuen großen Hörsaal in Nachbarschaft zum Gerling-Pavillon zu errichten. Das ist in groben Zügen mit dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes schon besprochen. Das Geld nimmt die FH aus Mitteln des NRW-Hochschulpaktes, der jeder Einrichtung einmalig 20.000 Euro pro Kopf im ersten Semester bringt. Doch: Moment mal - ist die „neue FH” nicht erst vor ziemlich genau zwei Jahren in Betrieb genommen worden? So ist es, doch schon mit der Eröffnung war klar: Die 78-Millionen-Euro-Investition von Land und Bund ist zu klein.

Rektor Baumann erklärt: „Als die neue FH geplant wurde, war zwar klar, dass es mehr Studierende geben würde, aber die dramatischen Zahlen, die wir jetzt kennen, waren nicht absehbar.” Die Verkürzung der Schulzeit (G 8-Abitur) und die Aussetzung der Wehrpflicht seien bei der Konzeption nicht bekannt gewesen. Verstärkt werde dieser Effekt durch „die Attraktivität der Fachhochschule Aachen in Wirtschaft und Industrie”. Vor allem Personalchefs empfehlen laut Baumann verschiedene Fachbereiche der FH.

Davon profitiert auch der Standort Jülich. Die Hochschule insgesamt hatte 2009 noch 9000 Studierende, in diesem Jahr sind es schon 11.000. Ein Drittel davon entfallen konstant auf Jülich. Prof. Baumann: „Der Standort Jülich bleibt also gleich attraktiv.”

Und so kam es zu einer Verabredung zwischen der renommierten Bildungseinrichtung und der Stadt, von der beide profitieren. FH-Rektor Marcus Baumann lobt das Entgegenkommen der Jülicher Verwaltung in hohen Tönen. „Das war wirklich eine super Zusammenarbeit”, die auf der Basis von „persönlichen Gesprächen mit Bürgermeister Stommel” auf den Weg gebracht wurde. Die Stadt kassiert für die Hallennutzung nun Miete, während die FH ihren Hörsaal-Stau in den Griff bekommt. Und gleichzeitig - siehe oben - bevölkern viele junge Leute nach den Vorlesungen die City. Das freut auch Prof. Isabel Kuperjans: „Jetzt kommen die Studierenden endlich auch mal mitten in die Stadt.”

Der geplante Neubau hilft vor allem, wenn er kurzfristig realisiert werden kann. Diesen Ehrgeiz haben laut Rektor Baumann alle Beteiligten. Er soll Platz bieten für bis zu 250 Personen und mithin den dann größten Hörsaal darstellen, den die FH langfristig nutzen kann. Marcus Baumann: „Wir sind mit dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb im Gespräch. Es soll die Möglichkeit geben, das neue Gebäude schon im Wintersemester 2013/14 zu beziehen. Wenn das klappt, wäre das großartig. Ich bin verhalten optimistisch.”

Bis dahin ist die Stadthalle temporär ein Bildungstempel - und könnte vielleicht auch den Geschäften in der Innenstadt sowie demnächst dem Jülicher Weihnachtsmarkt ein überraschendes Umsatzhoch bescheren.
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