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Jülicher Winterlinden werden noch nicht gefällt

Von: Volker Uerlings
Letzte Aktualisierung:
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Der Jülicher Baumexperte Wilfried Krieger deutet auf den irreversiblen Befall mit dem Brandkrustenpilz.
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Ein Sicherungsfall: Die Kronen der Winterlinden im Zitadellen-Innenhof sind seit Jahren mit Seilen diagonal entlastet. Fotos (2): Uerlings Foto: Uerlings

Jülich. Das dürfte sich auch im neuen Jahr nicht ändern: Die Jülicher Bürgerschaft ist baumverliebt und kämpft um jedes einzelne Exemplar. Das gilt in besonderem Maße für die drei Winterlinden im Innenhof der Zitadelle. Nach eingehenden Untersuchungen der Baumexperten des Jülicher Bauhofes war klar.

Das imposante hölzerne Trio, das dem Hof eine ganz besondere Atmosphäre verleiht, stellt ein Sicherheitsrisiko dar – sie müssen gefällt werden. Nach unserem Bericht vorige Woche aber bekundeten nicht nur Bürger ihre Trauer, auch die Politik schaltete sich ein und wollte Genaueres wissen. Nun gibt es zumindest einen Monat Aufschub, bis die Kettensägen anrücken.

In Bauhof und Verwaltung war allen Beteiligten klar, dass die Fällung der Winterlinden – geschätzt mindestens 120 Jahre alt – viele Menschen schmerzt. Daher haben Wilfried Krieger und Kollegen alle Register gezogen, um ganz sicher zu gehen. „Die Bäume haben früher dem Land gehört, wir sind seit 15 Jahren zuständig und kontrollieren zweimal jährlich den Zustand.“

Seit dieser Zeit ist der Befall mit dem Brandkrustenpilz bekannt. Neu aber war, dass sich auch der Austernseitling im Holz ausgebreitet hat. Beide Pilze sind holzzersetzend und der Befall irreversibel. Dagegen konnte also laut Krieger nichts getan werden. „Gegen Moderfäule im Stamm gibt es kein Hilfsmittel. Aber der Pilz richtet ja nicht sofort großen Schaden an, das ist ein schleichender Prozess“, erklärte er beim Ortstermin diese Woche an der Seite des Jülicher Beigeordneten Martin Schulz und gegenüber Ortsvorsteher Peter Schmitz. Von daher blieb nichts anderes, als zu sichern und abzuwarten.

Viermal in 15 Jahren wurden die Kronen zurückgeschnitten. Außerdem entlasteten die Bauhof-Mitarbeiter durch Seil-Abspannungen. Die Ergebnisse der jüngsten Kontrolle vom 10. Dezember aber haben selbst die Fachleute überrascht. Krieger: „Wir hatten nicht erwartet, dass die Fäule so weit fortgeschritten ist.“

Eine Schalltomografie zeigt das ernüchternde Ergebnis (siehe Foto unten links): Nur die schwarzen und braunen Stellen sind noch gesund. Die blauen Bereiche sind in höchstem Maße faul, die weißen sind „leer“ – da ist kein Holz mehr. „Die Aufnahmen zeigen bei allen Bäumen das gleiche Ergebnis“, so Krieger weiter. Um die Tomografie abzusichern, wurde per Resistographenmessung der Holzwiderstand kontrolliert. Fazit: Alle Tomografie-Resultate haben sich – leider – bestätigt.

Die Bäume könnten jederzeit einfach umkippen, oder aber größeres Astwerk bricht ab. Das stellt ein Sicherheitsrisiko dar. Ortsvorsteher Peter Schmitz sagte, dass er sich schon früher einen Hinweis auf dieses absehbare Ende gewünscht hätte, dann wären nun nicht so viele Menschen überrascht gewesen.

Fünf Wochen Absperrung

Es ist aber wohl unumstößlich: Die Winterlinden müssen gefällt werden. Um den Ratsfraktionen noch Zeit zu gewähren, die Unterlagen zu prüfen, wird die für den 7. Januar vorgesehene Fällung auf Mitte Februar verschoben. Das aber bedeutet, dass der Baumbereich im Zitadellen-Innenhof so lange mit Zäunen abgesperrt werden muss. Frei bleiben nur die gepflasterten Wege. Wie Beigeordneter Martin Schulz beim Ortstermin erläuterte, führen nämlich mehrere Fluchtwege aus der Zitadelle in den Hof mit den Winterlinden. Das habe die Stadtverwaltung natürlich auch zu beachten.

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