Jülich - Jülicher Tafel: Viel mehr Kunden, immer weniger zu essen

Jülicher Tafel: Viel mehr Kunden, immer weniger zu essen

Von: Volker Uerlings
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Eine unkomplizierte Neuanmeldung bei der Jülicher Tafel: Die syrische Familie Khduj freute sich, nachdem der Ausweis ausgehändigt wurde – und die stellvertretende Vorsitzende Edelgard Heidelberg nicht minder. Foto: Uerlings
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Vorsitzende Maria Güldenberg und ihr Team arbeiten vor und hinter den Kulissen der Tafel an vielen „Baustellen“.

Jülich. Die Räume der Jülicher Tafel in der Lorsbecker Straße wirken am Freitag Morgen wie ein Taubenschlag. Überall wuseln Menschen herum. Im Vorstandsbüro klingelt das Telefon, parallel klopft jemand an die Tür. Vor den Räumen warten etliche Menschen, obwohl gerade keine Ausgabezeiten sind.

„Heute ist Anmeldetag“, erklärt Maria Güldenberg, Vorsitzende der Tafel. Die Wartenden sind neue Bezugsberechtigte. Es werden immer mehr, auch durch die in Jülich lebenden Asylbewerber. Die ehrenamtlich geführte Hilfseinrichtung ist notwendiger denn je, steckt aber in einem Dilemma. Die Zahl der Abnehmer wächst, aber die der gespendeten Lebensmittel nicht. Auf einen kurzen Nenner gebracht: Es gibt viel mehr Kunden, aber pro Kopf dann immer weniger zu essen und zu kaufen.

Auch bei der anstehenden Weihnachtskisten-Aktion, unterstützt von unserer Zeitung und dem WDR, braucht die Tafel mehr als im Vorjahr. Da waren es rund 380 Pakete, die im KuBa abgegeben wurden. Güldenberg: „Wir brauchen nun etwa 100 mehr.“ Sie ist zuversichtlich, dass auch bei der neunten Sammlung auf die Menschen im Jülicher Land zu zählen ist.

Nach der aktuellen Statistik werden rund 600 Bedarfsgemeinschaften bedient, die ein bis zehn Personen groß sind, im Durchschnitt sind es drei. Damit hilft die Tafel rund 1800 Menschen. Die Tafel versorgt und sammelt in den Städten Jülich und Linnich sowie den Gemeinden Titz und Niederzier plus Schophoven. Der Annahmetermin ist am Mittwoch, 16. Dezember, zwischen 9 und 18 Uhr im Kulturbahnhof Jülich, wo tags darauf die Ausgabe erfolgt. Was in eine Kiste sollte und was nicht, ist in der Infobox rechts zu lesen.

Das Tafel-Team nimmt jeden Tag als sportliche Herausforderung, anders geht es nicht. Um das Mengenproblem zu lösen, kommt ein Zukauf von Lebensmitteln nicht in Frage. Das verstößt gegen die bundesweit geltenden Richtlinien aller Tafeln. „Wir fahren ja zweigleisig. Wir wollen einerseits Lebensmittel retten und sie gleichzeitig einem guten Zweck zuführen“, sagt Maria Güldenberg.

Also sind Vertreter des gemeinnützigen Vereins häufiger unterwegs und akquirieren bei Firmen gleich vor Ort, nicht selten erfolgreich. „Dann aber sind unsere Autos unterwegs, die wir gleichzeitig auch hier brauchen. Das ist schon eine logistische Herausforderung“, sagt die Jülicher Tafel-Vorsitzende. An der Auto-Front ist es auch nie ruhig. Von den drei Kühltransportern sei eines ein „Groschengrab“ und müsse ständig repariert werden. Bis zum Ende des nächsten Jahres soll ein neues her. Und was macht der Tafel-Vorstand? Er versucht, diese teure Anschaffung über Spenden zu finanzieren, denn auch auf etliche Firmen ist Verlass, die diese bürgerschaftliche Hilfseinrichtung nie hängen lassen. Aber es ist natürlich deutlich mühsamer, wenn es um höhere Summen geht.

Gebessert hat sich nach Aussagen der Vorsitzenden die Personalsituation. Nach neun Jahren waren etliche Ehrenamtler in die Jahre gekommen. Durch den „Tafeltag“ dieses Jahr in der Innenstadt gab es buchstäblich Nachwuchs, auch wenn immer noch Mitstreiter (wichtig: mit Führerschein) gebraucht werden.

Die Anforderungen ändern sich häufig. Weil sich aktuell viele Flüchtlinge anmelden, gibt es ein Sprachproblem, wenn die neuen Kunden weder Englisch, Französisch oder Deutsch sprechen. Das Team kann auch gedruckte Informationen in anderen Sprachen aushändigen, aber gelegentlich können die Hilfesuchenden nicht lesen und schreiben. Dann malt die stellvertretende Vorsitzende Edelgard Heidelberg auch schon mal Bilder. Das war nicht nötig, als die syrische Familie Khduj vorstellig wurde. Die Formalitäten waren schnell erledigt. Mutter Huri und ihre Söhne freuten sich über den Ausweis, den sie in Händen hielten. Edelgard Heidelberg freute sich nicht minder. Weil sie wie alle im Tafelteam vor allem einen Grundsatz beherzigt – denen zu gern hilft.

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