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Jülicher Tafel: Mehr Bedürftige, weniger Lebensmittel

Von: hfs.
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Hatten in diesen Tagen viel zu tun, um die Regale der Jülicher Tafel aufzufüllen: Wolfgang Flücken (v.l.) mit seinen Vorstandskolleginnen Brigitte Zimmermann, Edelgard Heidelberg und Maria Güldenberg. Foto: hfs
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Fühlt sich vom Papierkram fast erdrückt: Tafel-Kassiererin Maria Güldenberg. Foto: hfs

Jülich. „Wir erleben den Ansturm der Armut“, sagt Wolfgang Flücken, Vorsitzender der Jülicher Tafel. Er bestätigt damit eine Feststellung, mit der der Bundesverband Deutsche Tafel e.V. vor wenigen Tagen die Öffentlichkeit alarmierte. Danach hat sich die Zahl der Leute, die regelmäßig kostenlos oder gegen ein geringes Entgelt versorgt werden, in den letzten fünf Jahren verdoppelt.

Sie ist auf knapp 1,5 Millionen Menschen angestiegen. Ein Besorgnis erregender Trend, der auch in Jülich verzeichnet wird.

„Ja, so langsam stoßen wir an unsere Grenzen“, sagt Maria Güldenberg, Kassiererin der Jülicher Tafel. Auch sie bestätigt, dass sich der bundesweite Trend auch in Jülich drastisch bemerkbar gemacht hat. So habe der Verein früher noch rund 40 Bedarfsgemeinschaften versorgt. „Heute sind es rund 90, im Dezember lag die Zahl sogar bei 97 Familien.“

In nackten Zahlen werden somit pro Ausgabetag – die Jülicher Tafel ist montags, mittwochs und freitags geöffnet – rund 270 Personen mit Nahrungsmitteln versorgt. Nahrungsmittel, die in Spitzenzeiten von rund 45 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern in Bäckereien, Lebensmittelläden und Discountern abgeholt werden.

Doch gleichzeitig wird in der Lorsbecker Straße, dem Sitz der Tafel, betont: „Die großen Discounter, von denen wir auch unsere Lebensmittel bekommen, oder auch die kleineren Lebensmittelgeschäfte, planen ihre Einkäufe jetzt genauer, müssen somit weniger aussortieren, oder verkaufen Waren, die bald ablaufen, zu einem niedrigeren Preis.“

Maria Güldenberg hat mit ihren anderen ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern festgestellt, dass sich gerade die Grundnahrungsmittel wie Nudeln, Konserven, Mehl, Reis oder Öl verknappen. „Ende Dezember war es sehr eng“, hebt Flücken hervor. Er weist zudem darauf hin, „dass die Jülicher Tafel von Spendengeldern keine Lebensmittel zukauft. Dies widerspräche der Satzung, denn die Institution habe nicht den Auftrag, für die Grundversorgung der Menschen zu sorgen. „Wir sind als Tafel sozusagen ein Zubrot.“

Damit steht die Jülicher Tafel, im Gegensatz zu vielen anderen der über 900 Tafeln in Deutschland, weiterhin zu ihrem Grundsatz, nur das zu verteilen, was Lebensmittelgeschäfte, Supermärkte oder Obst- und Gemüsehändler nicht mehr verkaufen wollen oder können.

Was den Tafel-Verantwortlichen in Jülich aber immer größere Sorge bereitet, ist der bürokratische Aufwand, der betrieben werden muss, um die soziale Einrichtung weiter betreiben zu können. Ob es das Gesundheits- oder Finanzamt, das Ordnungsamt, Sozialamt oder Jugendamt oder gar andere Bundesbehörden sind: „Alle verlangen Auskunft, wollen etwas wissen, und dies mit Fristsetzung – da stößt man als Ehrenamtler an die Grenzen.“

Dieser Papierkram ist unter anderem auch der Tatsache geschuldet, dass zurzeit 18 Frauen und Männer bei der Tafel beschäftigt sind. Zum Beispiel als Brückenjober, als Zivildienstleistende oder aber mit Leuten, die zur Ableistung von Sozialstunden verurteilt wurden. „Irgendwer will immer etwas wissen“, lacht Güldenberg. Sie bringt dann meist Edelgard Heidelberg, die stellvertretende Vorsitzende, ins Spiel.

Bei der Rechtsanwältin seien „solche Schreiben bestens aufgehoben“. Eines steht fest, und das betont Güldenberg ausdrücklich: Ohne die zahlreichen freiwilligen Helfer sowie die kleinen und großen Sponsoren hätte die Jülicher Tafel schon längst schließen müssen. Schließlich fallen jeden Monat rund 5000 Euro an Fixkosten an.

Zum Beispiel für den Betrieb und die Unterhaltung der drei Kühlfahrzeuge, mit denen die Lebensmittel täglich geholt werden. „Deshalb ein dickes und herzliches Dankeschön an alle, die uns unterstützen“, sagt Flücken. Er hofft, dass die Tafel weiterhin das Essen noch lange dahin liefern kann „wo es hingehört“.

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