Jülicher Studie: Lob hilft bei ADHS

Von: Daniela Mengel-Driefert
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Studie am Forschungszentrum Jülich: Kinder unterschiedlicher Gruppen werden im Magnetresonanz-Tomografen (MRT) untersucht. Das Ergebnis hat die Wissenschaftler verblüfft. Foto: Astrid Pütz-Ebert
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Gregor Kohls forscht am Institut für Neurowissenschaften und Medizin Jülich und der Uniklinik Aachen. Foto: Astrid Pütz-Ebert

Jülich. Das Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) gehört zu den häufigsten psychischen Störungen im Kindesalter. Jetzt haben Wissenschaftler am Forschungszentrum Jülich in einer Studie neue Erkenntnisse im Umgang mit der Erkrankung gewonnen.

Ihre Ergebnisse könnten entscheidenden Einfluss auf die Motivation der Kinder nehmen. Untersuchungen der Neuropsychologin Professor Kerstin Konrad, die am Institut für Neurowissenschaften und Medizin in Jülich und an der Uniklinik der RWTH Aachen forscht, stellten fest, dass Kinder mit ADHS viel deutlicher als ihre nicht erkrankten Altersgenossen auf Belobigungen reagieren.

„In der Studie wurden Kinder unterschiedlicher Gruppen in einem Magnetresonanz-Tomografen (MRT) untersucht“, erklärt Projektleiter Dr. Gregor Kohls. Die Studie fand im Rahmen seiner Doktorarbeit statt. Getestet wurden 16 Kinder mit ADHS, 17 typisch entwickelte Kinder und 15 Kinder mit einer sogenannten Autismus-Spek-trum-Störung. Die Wissenschaftler stellten einfache Aufgaben, während sie Aufnahmen im MRT fertigten. Wichtig war: „Wir haben den Kindern Belobigungen in Aussicht gestellt“, erklärt Kohls. Das konnte ein Lächeln, Geld oder auch keine Belohnung sein.

Nun ging es darum, wie sich die Kinder verhalten. Welche Unterschiede sind in der Gehirnaktivität festzustellen? Welche Aktivitäten im ventralen Striatum, dem Kerngebiet der Motivation, erkennbar?

Das Ergebnis hat die Forscher verblüfft: Auf der Verhaltensebene verhielten sich alle Kinder gleich. Doch auf der neurobiologischen Ebene traten Unterschiede auf. Die ADHS-Kinder reagierten auf Belobigungen wie auf Geldgeschenke gleich gut. Die typisch entwickelten Kinder dagegen besonders stark auf Geld. Die an Autismus Erkrankten wiederum waren weder mit Geld noch mit sozialen Anreizen zu gewinnen. „Diese Kinder haben oft Spezialinteressen“, erklärt Kohls. Hier gelte es herauszufinden, was das für Interessen sind.

Was sich im Ergebnis so einfach anhört, war für die Kinder in der Testphase sehr schwierig. Gerade Autisten leiden häufig unter einer Angststörung, sagt Kohls. Und wer schon einmal im MRT untersucht wurde, weiß, wie laut das Gerät sein kann. Daher befragten die Wissenschaftler die Eltern, ob sich das Kind konzentrieren, längere Zeit liegen könne oder Platzangst habe. In einem Vorbereitungstermin lernten die Kinder das Gerät kennen. ADHS-Kinder fallen gerade mit Unruhe auf. Im MRT mussten sie still liegen, sonst verwackelten die Bilder. Die Wissenschaftler lösten das Problem, in dem sie kurze Aufgaben stellten.

Das Lob muss sofort erfolgen

Der Aufwand hat sich gelohnt. Nun ist gesichert, Lob steigert die Motivation, kann als therapeutisches Mittel bei ADHS-Kindern eingesetzt werden. Wichtig sei aber, dass die Belohnung sofort erfolgen müsse. Ein Belohnungsaufschub funktioniere nicht.

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