Jülicher Solarturm erhält bald einen Bruder

Von: hfs.
Letzte Aktualisierung:
7295610.jpg
Werden auch beim Bau des zweiten Jülicher Solarturms den Dialog suchen: Bernhard Hoffschmidt und Dr. Walther Pelzer (r.) vom NRW- Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung.
7295609.jpg
„Jülich wird zum Mekka der Solarforschung“, lautet ein Zitat des Parlamentarischen Staatssekretärs Thomas Rachel (r.) bei der Einweihung des Solarturms im Jahre 2009. Dieses sehen Bernhard Hoffschmidt (l.) und Prof. Dr. Ulf Herrmann, sein Nachfolger als SIJ-Direktor, inzwischen bestätigt. Foto: hfs.

Jülich. Der sonnige Frühlingstag schien einfach gemacht zu sein für einen Mann, der sich seit über zwei Jahrzehnten der „Solarforschung“ verschrieben hat. So lächelte denn Professor Dr.-Ing. Bernhard Hoffschmidt mit seinen Gästen, die sich zur Abschiedsfeier des scheidenden Direktors des Jülicher Solarinstituts (SIJ) im Auditorium der FH Aachen am Standort Jülich eingefunden hatten.

Dass der gebürtige Kölner dabei auf alte Weggefährten gemeinsamer Forschungstätigkeit traf, war klar. Dass bei dem fast vier Stunden dauernden Festakt auch Verstorbener gedacht wurde, war ebenfalls selbstverständlich, denn ein Wissenschaftler wie der im Jahre 2000 verstorbene Prof. Dr. Mike Meliß legte den Grundstein und ebnete den Weg für die in aller Welt anerkannte Solarforschung Made in Jülich.

Bürgermeister Heinrich Stommel sah den Weggang Hoffschmidts „mit einem weinenden und einem lachenden Auge.“ An Hoffschmidt gewandt stellte er fest, dass dieser sehr viel bewegt habe. „Wir können uns zukünftig auch daran erfreuen, was Sie initiiert haben“, kam Stommel auf den Solarturm zu sprechen, der seit der Inbetriebnahme im Verbund mit dem Solarthermischen Versuchskraftwerk zu „einem Leuchtturm für unsere Stadt“ geworden sei.

Zweite Forschungsplattform

Ein Leuchtturm, dem schon in Kürze ein weiterer folgen wird: So wurde während der Verabschiedung bekannt, dass dem Land NRW bereits ein Antrag von Betreiber DLR vorliegt, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, dem 60 Meter hohen Solarturm einen zweiten zur Seite zu stellen. „Diesen aber mit zwei Forschungsplattformen zu bestücken“, wie Hoffschmidt verriet.

Dass dem Antrag auch die Genehmigung folgen wird, daran ließen Vertreter des NRW-Innovationsministeriums aus Düsseldorf am Rande der Veranstaltung keinen Zweifel. Damit wird Jülich nicht nur um eine Attraktion reicher, sondern auch schon bald die größte künstlichste Sonne der Welt beheimaten. Unter Mitverantwortung von Bernhard Hoffschmidt. Der verlässt zwar das SIJ, bleibt der Herzogstadt aber treu.

„Ich wechsele nur den Schreibtisch“, meinte er bei seinen Dankesworten. Künftig sitzt der „Vater“ des Solarturms als Vorstandsmitglied beim DLR, Außenstelle Jülich. Ein Dankeschön in Richtung Land, Bund, Stadt Jülich und den Kraftanlagen München – das Land Bayern ist am Betrieb des Solarkraftwerkes beteiligt – war für Hoffschmidt selbstverständlich.

Besonders erwähnt wurde allerdings das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das dem SIJ seit 2003 rund sechs Millionen Euro bewilligt hat. „Davon alleine drei Millionen Euro für Projekte, die Prof. Hoffschmidt initiierte“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Rachel. „Mit dem hiesigen Versuchskraftwerk haben Sie ein Alleinstellungsmerkmal in der Forschungslandschaft in Deutschland geschaffen“, ergänzte er unter dem Beifall der Festversammlung.

Bürokratie in der Kritik

Die hörte beim Festakt aber auch kritische Töne. So von Prof. Dr. Gisela Engeln-Müllges – Mitglied des Hochschulrates – die die Novellierung des Hochschulrahmengesetzes kritisierte und von NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft eine dringende Überarbeitung einforderte. An Hoffschmidt gewandt, attestierte sie diesem, durch sprichwörtliche Hartnäckigkeit viele bürokratische Hürden genommen zu haben, damit sein Traum vom Solarturm Wirklichkeit wurde.

Auch dieser forderte die anwesenden Bundes- und Landespolitiker auf, die bürokratischen Hürden – zum Beispiel bei Drittmittelförderungen – zu überarbeiten. „Mindestens 50 Prozent einer Fördersumme gehen für die Bürokratie drauf, viele Betriebe winken ab, wenn sie auf Drittmittelförderung angesprochen werden“, bemängelte Bernhard Hoffschmidt.

In die gleiche Kerbe hieb auch FH-Rektor Prof. Marcus Baumann. Der würdigte in seiner Laudatio Wirken und Schaffen des scheidenden Professors. „Für mich war schnell klar, dass ich den nicht halten konnte“, meinte er, zählte dann die zahlreichen Arbeiten und Projekte auf, die Hoffschmidt in seiner zehnjährigen Zeit als geschäftsführender Direktor bewältigte. Das wird durch neun Patente und über 100 Veröffentlichungen eindrucksvoll unter Beweis gestellt. „Und er hat es auch geschafft, die Drittmittel-Einwerbung von 821 000 Euro bei seinem Amtsantritt auf nun 2,9 Millionen Euro zu steigern. Dies bei allem Bürokratismus“, frohlockte Rektor Baumann.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert