Jülich - Jülicher Sarghandel: Die Möbel für den letzten Weg eines Menschen

Jülicher Sarghandel: Die Möbel für den letzten Weg eines Menschen

Von: Antonius Wolters
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Mehr als 120 verschiedene Modelle hat der Jülicher Sarghandel auf Lager, der Anfang des Jahres in eine größere Halle umgezogen ist. Die hier aufgereihten hölzernen Erdmöbel stellen sozusagen das „tote Kapital“ des Unternehmens dar. Foto: Wolters
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Mehdi Murati bereitet das Innenleben eines Sargs vor, der an einen Bestatter ausgeliefert werden soll. Foto: Wolters

Jülich. „Zu tun ist immer“, sagt Mehdi Murati, der mit seinem Jülicher Sarghandel in einer einigermaßen krisensicheren Branche tätig ist, denn gestorben wird bekanntlich auch immer.

Der 46-jährige Familienvater stammt aus der Nähe von Pristina, der Hauptstadt des Kosovo, und flüchtete als 19-Jähriger kurz vor Ausbruch der Jugoslawien-Kriege nach Deutschland. „Genscher hat uns damals sehr geholfen“, ist er dem kürzlich verstorbenen ehemaligen Außenminister sehr dankbar.

Der frischgebackene Abiturient, der eigentlich Maschinenbautechnik studieren wollte, arbeitete zunächst in der Nähe von Münster in einer Möbelfabrik, bevor er seine spätere Frau aus Jülich kennenlernte und in die Herzogstadt zog. Er blieb den Möbeln treu, auch wenn er nun für die Dürener Sargfabrik arbeitete. Als die 2008 pleite ging, stand der Familienvater auf der Straße und wusste erst nicht, was er anfangen sollte.

Murati machte aus der Not eine Tugend und wählte 2009 mit der Gründung des Jülicher Sarghandel die Selbstständigkeit, wobei ihm die alten Kontakte zu Lieferanten und Kunden halfen. Zunächst verfügte er an der Dürener Straße nur über ein kleines Lager, doch Anfang des Jahres hat er die ehemaligen Hallen der Walki Wisa GmbH an der Alten Dürener Straße bezogen, wo er mit seinen Mitarbeitern kräftig expandiert ist.

Im oberen Teil der Halle ist eine Ausstellung für die mehr als 120 Sargmodelle entstanden, die beim Jülicher Sarghandel bestellbar und zu einem großen Teil auch vorrätig sind. Sie unterscheiden sich in Größe, Farbe der Beizung, Holzart, Lackierung, Größe oder Schnitz-Applikationen. Zur Individualisierung tragen zudem das Kreuz auf dem Sargdeckel und die teilweise aufwändig gestalteten Griffe für die Sargträger bei, die aus Holz oder Metall gefertigt sind.

Wurden in der Dürener Sargfabrik die Behältnisse noch selbst gefertigt, hat es inzwischen einen tiefgreifenden Umbruch gegeben: Es existieren zwar noch wenige deutsche Hersteller, doch das Gros der Erdmöbel stammt aus osteuropäischer Produktion. So bezieht Mehdi Murati seine Särge unter anderem auch aus Polen, Kroatien, Rumänien und Ungarn. Spezielle Exemplare gibt es auch in Italien, wo Ferrari-Särge in der entsprechenden Farbe produziert werden.

Bestatter-Bedarf, den das Unternehmen im Umkreis von 200 bis 300 Kilometern ausliefert, umfasst nicht allein Särge der verschiedenen Macharten, sondern auch und vor allem Urnen, die beim letzten Weg vieler Menschen längst der Erdbestattung den Rang abgelaufen haben.

Doch auch zu Einäscherungen gehört ein Sarg dazu: Murati nennt die entsprechenden Särge „Verbrenner“, die meist ganz einfache und unbehandelte Exemplare aus Kiefer oder Pappel sind, die ohne Beschläge auskommen und dazu dienen, den Toten in den Ofen des Krematoriums zu schieben. Solche Einfach-Särge stapeln sich förmlich im Lager des Händlers, der bei den aufwändigeren selbst noch Hand anlegen muss.

Zunächst wird der untere Teil mit Folie ausgekleidet, damit Körperflüssigkeiten des Toten nicht heraustropfen können. Mit viel Liebe zum Detail befestigt Murati sodann feinen weißen Stoff an den Seiten, bevor Matraze, Kissen und Decke in den Sarg gelangen – ganz so, als würde darin ein Lebender gebettet. Zudem bohrt er Löcher ins Holz, um stabile Griffe anzubringen.

Am Schluss, wenn ein Kreuz auf dem Deckel angebracht worden ist – oder auch nicht – verschließt er den Sarg mit Zierschrauben. „Mit der Leiche haben wir nicht zu tun“, sagt der Jülicher Sarghändler und klingt dabei erleichtert. Allerdings könnte er neben Ehefrau Selvi und zwei weiteren Helfern noch Mitarbeiter brauchen, doch Interessenten halten es in der morbiden Umgebung nicht lange aus.

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