Jülicher Rat: „Plan B“ bei Flüchtlingsunterbringung

Von: Volker Uerlings
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Multicolor-Fenster für multikulturelle Bewohner? Ob ins alte Kreiswehrersatzamt Jülich Flüchtlinge einziehen, ist seit Montag fraglich. Foto: Uerlings

Jülich. Der „strategische Wechsel“ bei der Unterbringung von Flüchtlingen in Jülich ist vorerst noch nicht möglich. Der Jülicher Stadtrat wollte eigentlich eine zen­trumsnahe Unterbringung und hatte dazu den Beschluss gefasst, das frühere Kreiswehrersatzamt anzumieten.

In einer nichtöffentlichen Sondersitzung trat der Stadtrat am Montag von diesem Beschluss zurück, weil der Vermieter auf einem Vertrag mit zehn Jahren Laufzeit beharrt. Die Kommunalpolitiker wollen aber nur fünf Jahre – auch weil die Entwicklungen in der Flüchtlingszuweisung nicht abzusehen sind.

Was aber soll nun passieren, zumal monatlich weitere Asylbewerber zugewiesen werden? Der Stadtrat hat die Verwaltung beauftragt, noch einmal mit dem Vermieter des Kreiswehrersatzamtes, in dem gut 90 Menschen Platz gefunden hätten, zu sprechen, aber auch einen „Plan B“ aufzustellen. Darüber informierte Martin Schulz als Vertreter des Bürgermeisters am Dienstag.

Untersucht werden sollen Alternativen, die kurzfristig umgesetzt werden könnten. Benannt hat der Stadtrat am Montagabend alte Schulen, Turnhallen, Bürgerhallen. Gleichzeitig rufen die Stadtverordneten die Bürgerschaft, die über freien Wohnraum verfügt, dazu auf, diesen zur Verfügung zu stellen. Zudem tagt noch diese Woche eine Kommission, die über kurz- und langfristige Konzepte nachdenkt.

Die Verwaltung soll nun auch „um Verständnis werben, dass demnächst Räume in Anspruch genommen werden müssen, die jetzt noch von anderen genutzt werden“, zitiert Martin Schulz den Beschluss. Er fasst die Unterbringungssituation zusammen: „Wir leben von der Hand in den Mund. Es scheint im Moment noch zu klappen, wird aber immer enger.“

Die Dimensionen der „Enge“ wurden in einem Gespräch mit Sozialamtsleiterin Doris Vogel deutlich, denn sie hält die Untersuchung von „Plan B“ in jedem Fall für richtig: „Das Kreiswehrersatzamt würde zunächst mal zu einer Beruhigung der Lage führen. Aber ich weiß nicht, ob und wie lange das reicht.“ Inzwischen erfolgten die Zuweisungen an sieben Tagen die Woche, also auch an Wochenenden. Dann müssen die örtlichen Behörden sofort tätig werden.

Aktuell sind laut Doris Vogel 260 Flüchtlinge in der Stadt untergebracht – doppelt so viele wie im vergangenen Jahr. 21 kamen im Juni hinzu und 16 bislang im Juli. Vogel: „Ich rechne bis zum Jahresende mit 120 weiteren. Es kann sein, dass wir die 400er Marke übertreffen.“ Bislang funktioniert das Miteinander laut Sozialamtsleiterin sehr gut. „Wir haben keine Probleme mit Vermietern.“ Es liegen auch keine Beschwerden über die untergebrachten Menschen vor. Doris Vogel nimmt einen Satz, den sie oft und zuletzt auch im Stadtrat gehört hat, als Kompliment: „In Jülich merkt man nicht, dass hier viele Flüchtlinge leben.“

Das funktioniere nur, weil eben doch vereinzelt noch Wohnungen angeboten wurden. Grundsätzlich ist der Markt leer gefegt, was auch an der Nachfrage durch Studierende liegt. Der größte Mangel herrscht an Appartements, deren Miethöhe von höheren Stellen auf 235 Euro für 50 Quadratmeter (zuzüglich Neben- und Heizkosten) festgelegt wurde. Doris Vogel: „So was findet man in Jülich nicht.“

Sie sucht nach allem: „Gern auch ein freies Zimmer für einen Flüchtling.“

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