Jülicher Publikum erlebt Kabarettisten Beikircher in Hochform

Von: René Blanche
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Konrad Beikircher in Jülich: Der Kabarettist unterhielt seine gut 400 Gäste bestens. Foto: Blanche

Jülich. Vor 50 Jahren, also im Jahr 1965 war es, als Konrad Johann Aloysia Beikircher ins rheinische Bonn zog, um Musikwissenschaft, Psychologie und Philosophie zu studieren. Schon anhand seines Namens ließ sich damals seine Herkunft erahnen.

Wenn man ihn jedoch zehn Jahre später an der Theke eines Kölner Wirtshauses erlebt hätte, so wird oft kolportiert, so hätte man den gebürtigen Südtiroler nicht mehr von einem waschechten Rheinländer unterscheiden können. Das Rheinland, seine eigentümliche Sprache sowie das Wesen seiner Einwohner wurden schnell zum Mittelpunkt des künstlerischen Schaffens von Konrad Beikircher als Kabarettist. Davon konnten sich die zahlreichen Zuschauer bei seinem Gastspiel in Jülich am Freitag überzeugen.

Heute ist er 69 Jahre alt und blickt auf eine außerordentliche Karriere mit vielen Ehrungen zurück, darunter unter anderem der „Kulturpreis der Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland“ sowie das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Mit der Begründung: „Mit hoher Einfühlung in die Gedankenwelt, Mentalität und Sprache des Rheinländers und ganz speziell des ‚Kölnischen Menschen‘ hat er sein Wesen beobachtet und analysiert. Seine Aussagen trägt er mit Witz und psychologischem Geschick so klar und einsichtig vor, dass immer wieder überraschende Effekte zu Tage treten“, verlieh ihm die Jury im Jahr 2006 den „KölnLiteraturPreis“.

Doch wer mutmaßte, Konrad Beikircher sei mit den Jahren vielleicht ein wenig leiser geworden, wurde am Freitag im PZ der Zitadelle eines Besseren belehrt, als der Ausnahmekabarettist sein neues Programm „Bin völlig meiner Meinung“ präsentierte. Rund 400 Gäste erlebten Beikircher in absoluter Hochform. Was passiert, wenn so einer wie er auf die Sonnenbank geht oder bei „Mäckes“ die Raubtierfütterung beobachtet?

Oder, wenn er sich nach Holland aufmacht, um einem Freund „etwas“ aus einem Coffee Shop mitzubringen, so etwas vorher aber noch nie getan hat? Ein zweieinhalbstündiger Streifzug, der die ach so menschlichen Seiten des Lebens beleuchtet, natürlich aus dem rheinischen Blickwinkel betrachtet, brachte die vielen Gäste ein ums andere Mal herzlich zum Lachen.

Anders als so mancher moderner Comedian, nimmt Beikircher sich immer wieder auch selbst auf den Arm, und seine Erzählweise hat daher so gar nichts vom erhobenen Zeigefinger, dem man derzeit allzu häufig begegnet.

„Mir gefällt der Beikircher noch besser als vor 25 Jahren“ entfuhr es einer begeisterten Zuschauerin, die sich sicher auch noch an Beikirchers Figur „Frau Roleber“ erinnert, mit der der Wahlrheinländer bereits von 1984-1992 den WDR unsicher gemacht hat.

Mit stürmischem Applaus forderte man am Ende eines rundum gelungenen Abends einer Zugabe ein, die Beikircher gerne gewährte. „Wenn man keinen Sinn fürs Absurde hat, darf man im Rheinland nicht leben!“, lautet seine schönste Liebeserklärung an seine Wahlheimat. Auf ein Wiedersehen mit ihm freut man sich in Jülich ganz bestimmt.

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