Jülicher Propstei-Kirche wird bald von ihrem Gerüst befreit

Von: Guido Jansen
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Jülich, Blickrichtung Nord-Nord-West: Hinter dem Marktplatz und dem alten Rathaus ragt in Weiß der Turm der Christuskirche hervor. Fotos (6): Guido Jansen Foto: Guido Jansen
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Thema Sicherheit: Um eine Kirche wie St. Mariä Himmelfahrt gegen Blitzeinschlag zu schützen, müssen die Gemeinden rund 10000 Euro in die Hand nehmen. Foto: Guido Jansen

Jülich. Es ist nicht so, dass Josef Wolff die Aussicht nicht genießt. Im Gegenteil, der oberste Hirte der Jülicher Katholiken steigt der größten Kirche der Innenstadt gerne aufs Dach. Höhenangst kennt er nicht. Der Ausblick aus 35 Metern Höhe hinterlässt seine Eindrücke.

Das Jülicher Land erschließt sich mit einer 360-Grad-Drehung. Nur das Spitzdach des Turms ist im Weg. Da das Gerüst den gesamten Turm umfasst, bedarf es nur weniger Schritte bis zur anderen Seite.

Von Zeit zu Zeit bietet Wolff sogar Führungen auf den eingerüsteten Turm an. Dann erzählt er, warum die Kirche St. Mariä Himmelfahrt Jülichs bekannteste Baustelle ist. „Aber jetzt ist es eigentlich genug“, sagt der leitende Pfarrer für 16 Jülicher Gemeinden. Seit Oktober 2014 ist der Turm, dessen Fundament aus dem 12. Jahrhundert stammt, eine Dauerbaustelle. Zuerst, weil verhindert werden sollte, dass den Jülichern Steine auf die Köpfe fallen, dann der Arbeiten halber. Der Schaden war größer als erwartet, die Reparaturen haben länger gedauert als erhofft. Jetzt hofft Wolff auf den Februar. So Gott will – könnte man sagen – ist der Turm dann fertig. Bis vor ein paar Tagen war es zu kalt. Fünf Grad – drunter geht nichts.

250.000 Euro

Der Turm ist in gewisser Weise aus den Fugen geraten ist. Das haben Experten damals festgestellt, als sie die Fassade mit Hilfe des Gerüsts von oben bis unten inspizieren konnten. Die Steinfassade, die vor der tragenden Ziegelmauer gebaut wurde, hat einen Wasserschaden. Das war ein Schock für die Kirchengemeinde, als absehbar war, dass die Arbeiten rund 250.000 Euro kosten würden. 60 Prozent trägt das Bistum Aachen, 40 muss die Pfarre selbst aufbringen.

Wasser hat den Mörtel aus den Fugen gespült oder gesprengt, wenn es gefroren war, die Kalksandsteine selbst sind deswegen in Bewegung geraten, teilweise auch beschädigt, 20 Stück mussten komplett ersetzt werden, andere wurden mit neuen Steinen verstärkt. Eine der Gründe, warum das Wasser Angriffsfläche hatte: Die Fugen zwischen den Steinquadern waren zu klein, so dass der Mörtel keine stabilisierende Wirkung entwickeln konnte. Von oben bis unten haben die Facharbeiter die Fugen geweitet. Dann haben sie angefangen, den Mörtel neu einzubringen.

Winterpause

Als der Winter das Weiterarbeiten unmöglich machte, waren sie bis zu einer Höhe von zwölf Metern gekommen, genau an die Stelle, wo beim Wiederaufbau des Turms 1951 neue Steine auf die Ruine aufgesetzt wurden. St. Mariä Himmelfahrt war am 16. November 1944 bei einem britischen Luftangriff zerstört worden, wie so ziemlich alles in der Innenstadt. Der Turm war bis auf etwa zwölf Meter Höhe eingestürzt. Das sei noch einmal passiert, berichtet Wolff, nämlich als das zerstörte Kirchenschiff abgerissen wurde, weil es komplett neu gebaut werden sollte. Die Turmruine verlor eine Stütze.

Im Gegensatz zum Schiff wurde der Turm soweit möglich neu aufgebaut und stellt lauf Wolff „den ältesten Raum Jülichs“ dar. In Teilen ist er sogar älter. Denn im Gemäuer nahe am Boden sind – im Moment vom Baugerüst verdeckt – einige Steine aus römischer Zeit verbaut. „Beim Bau des Schiffs wollten die Menschen damals etwas Neues, es war ein anderer Zeitgeist. An Denkmalschutz hat damals niemand gedacht“, sagt Wolff über den klar erkennbaren Unterschied von Alt zu Neu.

Ein letzter Aufstieg auf die Propsteikirche ist für den kommenden Sonntag geplant. Dann führen Wolff und Architekt Prof. Joachim Loseck alle Interessierten nach der Messe zwischen 12 und 13 Uhr über die Dächer der Stadt.

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