Jülich - Jülicher Pilz-AG sieht Sterne am Boden

Jülicher Pilz-AG sieht Sterne am Boden

Von: Daniela Mengel-Driefert
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Robert Mohl sammelt Pilze schon seit seiner Kindheit. Hier findet er Erdsterne im Waldboden. Foto: Mengel-Driefert
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Eine ausgesprochene Rarität in unserer Gegend: der Strubbelkopfröhrling.
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Ein geöffneter Erdstern: Hier fliegen die Sporen.

Jülich. Champignons und Pfifferlinge gibt es im Supermarkt. Doch ein weitaus größeres Angebot halten unsere Wälder bereit. Knollenblätterpilz, Semmelstoppelpilz und Trompetenpfifferlinge sind nur einige Arten der riesigen heimischen Pilzvielfalt.

Sachkundige Unterstützung beim Sammeln bietet die Pilz-Arbeitsgemeinschaft der Volkshochschule Jülicher Land an. Die Gruppe trifft sich entweder in der Schirmerschule oder zur Exkursion zur Sophienhöhe, entlang der Inde oder Rur, also auch zur Laufenburg bei Langerwehe. Mit Körbchen an der Hand geht es dann los, immer den Blick auf den Boden gerichtet.

Schon nach wenigen Minuten verstreut sich die Gruppe im Unterholz und wird fündig. Robert Mohl hält zwei Wimpernerdsterne auf der flach ausgestreckten Hand. Sein Blick ist geschult, mit einer Lupe sind Haare zu erkennen. Es sind prächtige Exemplare. Ein Erdstern ist so groß wie ein Golfball, er öffnet sich nach einiger Zeit sternförmig. Andere Arten tragen lustige Namen: Wohlriechender Gürtelfuß, Strubbelkopfröhrling, Stachelbeertäubling, Lila Dickfuß. An der Hut-Unterseite lässt sich erkennen, ob es sich um einen Lamellenpilz oder Röhrling handelt.

Beruhigend: Zwei Sachverständige

Zwei Pilzsachverständige, geprüft von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM), sind mit dabei. Das ist beruhigend. Gerade die interessant aussehenden Pilze sind oft giftig, wie der Lila Lacktrichterling oder der Grünblättrige Schwefelkopf, den die Gruppe gerade betrachtet. Ein Sachverständiger ist nach einer Vergiftung in der Lage, den verzehrten Pilz am Erbrochenen zu erkennen. Das sei eine wichtige Info für Gegenmaßnahmen, erklärt Kursleiter Christoph Keßler. Einige Teilnehmer tragen Block und Stift bei sich, dokumentieren die gefundenen Pilze. Ein Messer gehört zur Ausrüstung, natürlich auch eine Lupe. Wer einen Pilz bestimmen möchte, muss den Hut betrachten, die Ober- und Unterseite, die Manschette, die Knolle und ganz wichtig: Er muss ihn riechen.

Der Geruch ist ein wichtiges Merkmal, aber nicht immer eindeutig. Das trägt im Wald zur Heiterkeit bei. Da ist der tödlich giftige Kegelhütige Risspilz. Er soll, laut Lehrbuch, „unangenehm nach Sperma“ riechen. Die Gruppe lacht, ist sich nicht einig. Ebenfalls speziell ist der Geruch des gelben Knollenblätterpilzes. Er erinnert an rohe Kartoffeln, da stimmen alle zu. Weiter geht es, und schon werden Trompetenpfifferlinge gesichtet, die sind natürlich essbar und gehören in die Körbe. Claire Weiermüller ist das erste Mal mit der AG unterwegs. Mit ihrer Familie sammelt sie schon lange Pilze. Weiermüller kommt aus Frankreich, bereitet gerne Pilze zu, auch Maia und Zoe, die beiden Töchter, mögen das.

Dr. Uwe Koch, einer der zwei Sachverständigen, kann zur Pilz-Beratung kontaktiert werden. Sein Name ist in einer Liste der Deutschen Gesellschaft für Mykologie aufgeführt. Wer sich nicht sicher ist, ob die gesammelten Pilze wirklich essbar sind, sollte sein Körbchen bei Koch prüfen lassen. Er macht das ehrenamtlich, seine Verantwortung ist enorm. Denn: Ungenießbare Pilze können Erbrechen, Durchfall, Atemstillstand oder Herzrhythmusstörungen hervorrufen. Einige Gifte sind gar zellzersetzend, zerstören Leber und Nieren. Wer Pilze nicht genau kennt, sollte sie nicht einfach abschneiden, sondern die Knolle zur Bestimmung dranlassen und bei der Zubereitung einen Teil des Hutes im Kühlschrank aufzubewahren. Bei Unverträglichkeit kann der Pilz dann auch noch nach dem Verzehr bestimmt werden.

Christiane Schade ist die zweite Sachverständige, sie ist Ansprechpartnerin bei der Giftnotrufzentrale und gehört mit Herbert Bär und Eberhard Holzappel zu den Gründungsmitgliedern der Gruppe, die seit 2009 existiert. Auch Schade ist begeisterte Pilzköchin. Neben gebratenen Pilzen, dem Klassiker, kocht sie Suppen oder bereitet Pasteten zu. Sie betont, dass es das ganze Jahr lohne, Pilze zu sammeln: „Auch im Frühjahr gibt es leckere Speisepilze.“ Wer mit auf Exkursion möchte, sollte gut zu Fuß sein.

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