Jülicher „Nachbau“ des Adenauer-Brotes

Von: Antonius Wolters
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Einige Scheiben Adenauer-Brot, das aus Mais-, Gersten- und Reismehl besteht. Foto: Wolters, dpa

Jülich. Am 19. April wird nicht nur im Rheinland der 50. Jahrestag des Todes von Konrad Adenauer begangen, der von 1949 bis 1963 als erster deutscher Bundeskanzler in Bonn amtierte. Adenauers politische Karriere begann aber nicht erst nach dem Zweiten Weltkrieg, sondern bereits 1906, als er in seiner Heimatstadt Köln zum städtischen Beigeordneten gewählt wurde.

Während des Ersten Weltkriegs war der am 5. Januar 1876 geborene spätere Jurist für die Versorgung der Kölner Stadtbevölkerung mit Lebensmitteln zuständig, die nach der britischen Seeblockade zunehmend schwieriger wurde. Doch der „zupackende Realist“, wie der spätere Kölner Oberbürgermeister (ab 1917) von einem Biografen charakterisiert wird, war nicht nur ein gewiefter Politiker, sondern auch ein pfiffiger Tüftler, der sogar ein Brot für schlechte Zeiten entwickelte, das jetzt in Jülich von einem Fachmann nachgebacken wurde.

Adenauer, Enkel und Urenkel einer Bonner Bäckerfamilie, entwickelte mit der Rheinischen Brotfabrik ein Brot aus Mais-, Gersten- und Reismehl, das völlig ohne das übliche Brotgetreide Weizen und Roggen auskam, die zu der Zeit jeweils rationiert waren und nur sehr beschränkt zur Verfügung standen. Das so genannte „Kölner Brot“ konnte bis zum Herbst 1916 ohne Brotmarken ausgegeben werden. Adenauer hatte die Rezeptur (siehe unten) bereits im Mai 1915 beim Königlichen Patentamt in München unter der Nr. 296648 patentieren lassen.

Bäckermeister Manfred Schauff aus Jülich, der von 1964 bis 2006 einen eigenen Betrieb in Welldorf mit bis zum 35 Beschäftigten geführt hat, interessierte sich schon aus beruflicher Neugier für Adenauers „Erfindung“ und hatte zunächst Zweifel, dass mit diesen Zutaten überhaupt ein Brot herzustellen ist. Die Rezeptur hatte er sich bei den Kollegen der Bäckerinnung Köln besorgt.

Der 77-jährige Schauff, der das Backen nur noch als Hobby betreibt – „Nachbarn und Freunde profitieren von meiner Überproduktion“ –, machte die Probe aufs Exempel und stellte fest: Es funktioniert und schmeckt besser als befürchtet, denn von Zeitgenossen wurde das Schrotbrot ob seiner Zusammensetzung auch als „Viehfutter“ gescholten.

„Das Adenauer-Brot ist mit herkömmlichem Brot nicht zu vergleichen“, sagt Manfred Schauff, der hochgerechnet hat, dass die Kosten für die Zutaten eines Drei-Pfund-Brotes 2 bis 2,50 Euro betragen. Außerdem hat ihm das Experimentieren in der eigenen Küche mit dem mehr als 100 Jahre alten Rezept großen Spaß bereitet.

Ehrung als „Freund des Brotes“

Ehedem gehörte Schauff bei der Bäckerinnung Jülich zu den Machern, die beispielsweise in den 1980er Jahren die Verleihung der Auszeichnung „Freund des Brotes“ aus der Taufe gehoben haben. Im Rahmen der Ausstellung beim Erntedankfest 1983 wurde diese Auszeichnung erstmals dem damaligen Landrat Johannes Kaptain verliehen. Weitere Freundinnen und Freunde des Brotes waren in späteren Jahren unter anderem der Landtagsabgeordnete Willi Lieven, Bundesministerin Rita Süßmuth und Prof. Häfele, der damalige Vorstandsvorsitzende der Kernforschungsanlage Jülich.

Über mehrere Jahre hat Manfred Schauff – in der Bäckerinnung damals für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig – die aufwendige Verleihungsveranstaltung im Gebäude der Sparkasse am Schwanenteich organisiert. Als die Innungen später zusammengelegt wurden, ist die öffentlichkeitswirksame Preisverleihung relativ rasch wieder in der Versenkung verschwunden, so wie inzwischen viele handwerkliche Bäckereibetriebe leider auch.

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