Jülicher Mundartfreunde haben die Lacher auf ihrer Seite

Von: ptj
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Treffen sich zwei Engel im Himmel: Ein umjubelter Beitrag der „Heimatbühne Eifeler Mundartfreunde“ in der Stadthalle. Foto: Jagodzinska

Jülich. Rheinischer Frohsinn an einem trüben Novembertag: Gut gefüllt waren die Stuhlreihen in der Stadthalle bei der traditionellen Veranstaltungsreihe in Kooperation der Mundartfreunde im Jülicher Geschichtsverein und der VHS Jülicher Land – in der nunmehr 18. Auflage.

Aufgeteilt in Nachmittags- und Abendveranstaltung wurde „jesonge, verzallt on jespellt“, so dass kein Auge trocken blieb.

Auf eine Neuerung wies Dezernent Günter Vogel in seiner Begrüßung sogleich hin. Ein Sicherheitsgeländer rund um die Bühne sorgt nun dafür, dass kein Darsteller von der Bühne fällt, „egal, ob Sie da unten verbrennen“. Für den erforderlichen Brandschutz sei dann im nächsten Jahr gesorgt.

„Mir fange andersch aan. Mir singe üsch jett“, betonte Heino Bücher das Offensichtliche: Während in den letzten Jahren Nachwuchstalent Matthias Elsen den Eisbrecher gespielt hatte, übernahmen „Die Drei“ (Organisatoren) nun diese Rolle: Neben Bücher besangen Dieter Bun-tenbruch und Heinz Thull in heiterer Manier „De Kölsche Lohengrin“. Beim Refrain klatschte das Publikum bereits kräftig mit.

Nacheinander nahmen anschließend neben den bereits erwähnten Mundartlern Ursel Schütte, „Schorsch“ Thevessen, Maria Nepomuk und Else Schumacher – die beiden letzteren zählen in Kürze 91. Lenze! – zum „Vürdrage“ auf der Bühne Platz. Es ging um „Dat Meddel helep emme“ von Josef Heinrichs. Hier ist der eigene Urin das einzig wahre Heilmittel. Oder um den „dauve Pastur“, der als Beichtvater besonders beliebt ist, weil er zu taub ist, den Inhalt der Beichte zu verstehen.

Weitere Beispiele sind „Dä neue Hot“, der mehr zählt als gebotene Schamhaftigkeit. Oder die „Kirmes em Dörp“, die so ausgiebig gefeiert wird, dass der Dorfarzt sich am nächsten Tag unzähliger Patienten erfreut. Stets gerne gehört werden Beiträge um etliche „Messverständnis“ und rund um „Dä Söndefall“, letzterer stammt aus der Feder von Wilhelm Tilgenkamp.

Die vorgetragenen Mundartgeschichten und -gedichte reizen mindestens zum Schmunzeln, meistens sogar zu wahren Lachsalven und sind nicht nur etwas für 70- bis 90-Jährige, sofern der Zuhörer Mundart versteht.

Fünf nagelneue Sketche im Gepäck

Ein Glanzpunkt inmitten der vielen sitzend präsentierten Vorlesebeiträge war erneut die „Heimatbühne der Eifeler Mundartfreunde“ aus Bad Münstereifel, die fünf nagelneue Sketche im Gepäck hatten. Bereits der erste mit dem Titel „Himmliche Wöet“ war ein Brüller: Zwei ausgewachsene Engel mit goldenen Flügeln und Fernglas erschienen im Publikum.

Erich, der eine „Eigentumswolke im Himmel“ sein Eigen nennen darf, und Hannes, der noch Punkte sammeln und auf einer „Gemeinschaftswolke“ sein himmlisches Dasein fristen muss. Es gab kein Halten mehr bei der Auflösung der Todesursachen: Hannes ist im Sommer erforen, und zwar in Erichs Kühltruhe, wo er sich nach dem Fremdgehen mit Erichs Frau versteckt hatte.

Heiter ging es weiter im Zwiegespräch mit Opa Robert (Karl Roberz) und Edith Lessenich über dessen Erlebnisse beim Theaterbesuch, und beim vermeintlichen „Hotkauf“, und zwar eines „Mannslückshoots“. Die Ruhe wurde gestört im nachfolgenden „Dä Angler“. Der nicht minder lustige Sketch „Lävewuesch“ beendete den vielbeklatschten Beitrag der Eifeler Mundartfreunde, die in Jülich bereits eine zweite Heimat gefunden haben.

Mit zwei weiteren Auftritten glänzten „die Drei“. Zu ihrem Repertoire zählte das kölsche Volks- und Karnevalslied „De Jeiß woll ne lange Stätz han“ zur „Adelheidche-Schnoor-Melodie“. Am Ende wandelte sich Thulls anfängliche Heiterkeit wieder in die ihm eigene melancholische Besinnlichkeit mit dem Berzau-Lied „Wann der Wind janz höösch“. „Dat janze Trüppche“ verabschiedete sich traditionell mit „Kutt jot heim“, eines der bekanntesten Lieder aus der Feder von Heiner Berzau. Bis zum nächsten Mal, denn: „Das Ende der Veranstaltungsreihe ist nicht abzusehen“, wie Vogel einfangs betont hatte.

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