Jülicher Märchenfiguren feiern Geburtstag im Schweriner Schloss

Von: Christina Diels
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Den Plan für die Ausstattung von Schloss Schwerin zur 850-Jahrfeier der Stadt auf dem Schoß: Katrin Geilenkirchen schmückt das Anwesen mit ihren Märchenfiguren. Foto: Christina Diels

Jülich/Schwerin. Beinlose Geister in den grünen Baumkronen im Park des Schweriner Schlosses. Hans Christian Andersen als lebensgroße Puppe, die im Treppenhaus des Schlosses die Gäste begrüßt. Unter der Decke Schlossgeist Petermännchen. „Und im Café plaudern überdrehte Kaffeetanten.” So stellt sich die Jülicher Künstlerin Katrin Geilenkirchen die Feierlichkeiten zum 850. Geburtstag der Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern vor.

Als sie im Sommer 2009 mit ihrer Mutter in ihre alte Heimat Mecklenburg reist, stoppen sie auf der Rückfahrt am Schloss. Katrin Geilenkirchen, 52 Jahre alt, die seit einem Vierteljahrhundert in Jülich lebt, gerät ins Schwärmen. Die goldene Kuppel vor blauem Himmel hat sie noch genau vor Augen. Ein wahres Märchenschloss eben. Fehlen nur ihre Märchenfiguren, die in einer Dauerausstellung auf Schloss Eyneburg stehen, sitzen und liegen.

Inspiriert von der Sage vom Petermännchen, dem kleinen Kobold, der in den Kellergewölben des Schweriner Schlosses wohnt, bastelt Katrin Geilenkirchen kurz entschlossen eine Puppe von dem Schlossgeist. Hände, Füße und Gesicht formt sie aus Ton.

Sie brennt nicht selber. „Das macht ein Profi in Langerwehe in einem Ofen bei 1300 Grad”, sagt sie. Den Körper biegt sie aus Draht zurecht, und darüber zieht sie die Kleider. Mal sind es alte Kostüme aus einem Lager in Langerwehe. Mal stöbert sie in der Schatzkiste einer Theatergruppe oder auf dem Flohmarkt.

Das fertige Männchen schickte Katrin Geilenkirchen nach Schwerin. Ein Geschenk an die Stadt. Weil sie sich mit ihrer früheren Heimat verbunden fühlt. „Daraufhin habe ich eine Einladung in den Landtag bekommen. Ich soll das Schloss ausstatten!”, erinnert sich Geilenkirchen. Zur 850-Jahr-Feier Schwerins.

46 Gärtner am Werk

Wenn Katrin Geilenkirchen von der Einladung erzählt, schaut sie so, als könnte sie es immer noch nicht glauben. „Da sind 46 Gärtner, die den Park bestücken. Und die besorgen mir jede Requisite, die ich mir wünsche”, sagt die Künstlerin.

Die Vorbereitungen für ihre bislang größte und prominenteste Ausstellung laufen. Auch in ihrem Jülicher Wohnzimmer stehen ein Dutzend Märchenfiguren. Am Esszimmertisch sitzt ein Kammerdiener, auf dem Sofa liegen die Baumgeister, deren Körper aus Kopf und Haaren bestehen.

Das Drahtgerüst, das vor dem Wohnzimmerschrank steht, gehört der Prinzessin auf der Erbse. In Schwerin wird sie in ein feines Nachthemd gekleidet und im Himmelbett liegen.

Zig Begehungen habe sie auf dem Schloss gemacht. Geilenkirchen hat die Pläne der Anlage in Schwerin vor sich liegen. Darin vermerkt, wo jede der 200 Märchenfiguren ihren Platz bekommt. Mitte Juni treten die Puppen die sechsstündige Fahrt auf der Autobahn 1 von Nordrhein-Westfalen nach Mecklenburg-Vorpommern an. Drei 7,5-Tonner werden sie füllen, sagt die Künstlerin.

Der Aufwand lohnt sich. Mit dem Auftrag, das Schweriner Schloss für das Jubiläum zu schmücken, nähert sich Katrin Geilenkirchen ein stückweit ihrem Traum. Dem von einem Märchenmuseum. „Ich will das Kulturgut Märchen erhalten und beleben”, erklärt die Künstlerin. Und zwar nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen.
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