Jülicher Klimaforscher: Vom Ozonloch lernen

Von: Guido Jansen
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Dr. Rolf Müller ist einer der führenden Experten in Sachen Ozonloch. Wäre Anfang der 1990er Jahre kein Umdenken erfolgt, würde die Welt seiner Meinung nach heute auf ein großes Problem zusteuern. Foto: Jansen

Jülich. Am Anfang des Kampfs gegen das Ozonloch war das Montrealer Protokoll im Jahr 1987. Weltweit sollte der Ausstoß des Treibgases FCKW reduziert werden, damit das Ozonloch über dem Südpol nicht wächst. „Viele Wissenschaftler waren damals nicht einverstanden.

Für sie waren 50 Prozent Reduktion zu wenig“, sagt Dr. Rolf Müller vom Forschungszentrum Jülich. „Aber das Montrealer Protokoll war ein wichtiger Anfang“, erklärt der Mann vom Institut für Energie- und Klimaforschung, der Experte auf dem Gebiet Ozonloch ist. Das Montrealer Protokoll ist später mehrfach verändert und verschärft worden, 1992 einigten sich 197 Staaten weltweit darauf, den Ausstoß auf null zu reduzieren. „Als Wissenschaftler denkt man oft, dass notwendige Prozesse in der Politik zu langsam gehen“, sagt Müller. Aber mit Blick auf das Montrealer Protokoll werde deutlich, dass die Stimme der Forschung gehört wird, wenn auch nicht immer unmittelbar.

Eine ähnliche Wirkung erhofft sich Müller auch von der Weltklimakonferenz, die noch bis Freitag in Paris läuft. „Es wäre sinnvoll, den CO2-Ausstoß zu reduzieren, beispielsweise, indem die Zertifikate verteuert werden, mit denen man sich das Recht zum Ausstoß erkaufen kann.“ Müller weiß, dass CO2 und FCKW in vielerlei Hinsicht zwei Paar Schuhe sind. FCKW war nur für bestimmte Zweige der Industrie relevant, beispielsweise für die Hersteller von Kühlschränken. Und es gibt Alternativen. Ein CO2-Ausstoß dagegen kommt direkt oder indirekt überall vor.

Das Ozonloch und alle damit verbundenen Probleme könnten im kleinen Maßstab ein Modell für die CO2-Thematik sein. Wobei klein relativ ist. Im Spätherbst bei uns, also im antarktischen Frühjahr, ist das Loch, das jedes Jahr wiederkehrt, größer als Nordamerika. „Und wenn wir noch 50 Jahre so weitergemacht hätten mit dem FCKW-Ausstoß wie vor 30 Jahren, dann wäre die Ozonschicht bald sicher ganz weg. Das hätte dramatische Folgen gehabt.“ Nicht nur für die Zuckerrüben im Jülicher Land, die schon im Frühjahr einer Belastung mit ultraviolettem Licht ausgesetzt gewesen wären wie sonst nur im Sommer.

Vom Beginn der 80er Jahre bis zur Mitte der 90er Jahre hat die Ozonschicht über der Antarktis nachweislich Schaden genommen und das Ozonloch ist größer geworden. Seitdem stagniert es. Eingedämmt oder unter Kontrolle ist es deswegen nicht. Denn FCKW-Gase werden nur sehr langsam abgebaut, 50 bis 100 Jahre oder länger dauert das.

Die weltweite Erwärmung und das Ozonloch stehen auch in einem unmittelbaren Zusammenhang. Der CO2-Ausstoß sorgt für eine Erwärmung, die im Umkehrschluss ein Abkühlen der darüber befindlichen Stratosphäre bewirkt, in der sich die Ozonschicht befindet. Diese Abkühlung beeinflusst Größe und Position des Ozonlochs auf komplizierte Weise. Die Wechselwirkung: Das Ozonloch seinerseits hat indirekt Einfluss auf die Winde und damit auf das Klima der Südhalbkugel.

Das Problem FCKW ist erkannt, das Ozonloch wird perspektivisch nicht mehr wachsen und sich mutmaßlich verkleinern, wenn das Treibgas in der Stratosphäre abgebaut ist. Das wird lange dauern. CO2 hält sich aber noch deutlich länger, bis zu 1000 Jahre. „Wenn ich alle Möglichkeiten der Welt hätte, würde ich vielleicht große Netze aufstellen, die das CO2 filtern“, sagt Müller. „Und ich würde dafür sorgen, dass der CO2-Ausstoß sofort auf null gesetzt wird.“ Aber das sind utopische Ideen.

Realistischer sei ein generelles Umdenken, das bei jedem Einzelnen anfangen müsse. „Heute ist es oft günstiger und bequemer, mit dem Flugzeug nach Berlin zu reisen statt mit der Bahn“, sagt Müller. Dabei wäre die Fahrt mit der Bahn in Sachen CO2-Ausstoß wesentlich umweltfreundlicher. „Aus freien Stücken wird niemand auf den CO2-Ausstoß verzichten. Das passiert erst, wenn es teurer wird, CO2 zu produzieren.“ Und deswegen wartet Rolf Müller gespannt auf die Ergebnisse der Weltklimakonferenz.

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