Jülicher Klima-Experten: Die Hoffnung stirbt zuletzt

Von: Volker Uerlings
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Prof. Andreas Wahner
Prof. Andreas Wahner hofft auf ein gutes und verbindliches Ergebnis beim Klimagipfel. Foto: FZJ

Jülich. Stündlich vermeldeten am Freitag die Medien die „Wasserstände” vom Klimagipfel in Kopenhagen. Diese Vorhersagen sind ein Kinderspiel im Vergleich zu den unkalkulierbaren Pegelständen der Weltmeere in 20, 30 oder 40 Jahren. Sicher scheint nur: Tendenz steigend. Und deshalb wünschen sich viele Menschen, dass aus Kopen- ein Hopenhagen wird - auch auf den letzten Drücker an diesem Wochenende.

Was bislang aber aus der dänischen Hauptstadt berichtet wurde, bietet keinen Grund für Freudentänze. Zwei Experten aus Jülich, von unserer Zeitung befragt, zeigen sich eher skeptisch.

Mann vom Fach ist zum Beispiel Prof. Andreas Wahner, Leiter des Troposphären-Institutes am Forschungszentrum Jülich. Mit seinem Team gab er den Verantwortlichen in Peking 2008 nach sorgfältiger Analyse einen Maßnahmenkatalog an die Hand, um während der Spiele die Luft buchstäblich reiner zu machen. Das ist gelungen.

Für Wahner nimmt China neben den USA auch in der globalen Klimadebatte eine Schlüsselrolle ein. „Laut Wachstumskurve” werde China seinen Kohlendioxid-Ausstoß in den nächsten 30 Jahren mehr als verdoppeln. „Und die Chinesen unternehmen schon starke Anstrengungen, sonst wären die Werte dreimal so hoch!”

Die Position der künftigen Wirtschaftsmacht Nr. 1 deckt sich nach Wahners Worten mit der vieler ehemaliger Schwellenländer: „Wir haben kaum CO2 in die Atmosphäre getan.” Der Jülicher Klimaforscher sieht die Fakten auf dem Tisch: „Um das 2-Grad-Ziel zu erreichen, ist es notwendig, bis 2050 die globalen Emissionen um 80 bis 85 Prozent zu reduzieren. Wenn man bis 2020 etwa 30 bis 40 Prozent schafft, ist das der richtige Weg. Diese Daten liefert die Wissenschaft.” Wahner weiter: „Ich hoffe auf ein gutes und verbindliches Ergebnis. Ich kann mir aber schwer vorstellen, überhaupt bis 2050 die 80 Prozent zu erreichen.”

Professor Bernhard Hoffschmidt, Leiter des Solarinstitutes Jülich, ist gleichermaßen skeptisch: „Zu einem großen Abkommen werden wir wohl nicht kommen. Ich hoffe aber, dass es wenigstens zu einer weichen Vereinbarung zwischen den Industrie- und den Entwicklungsländern reicht - unter Einbeziehung von China und den USA.” Diesen beiden größten CO2-„Erzeuger” zu fangen, wäre „ein Riesenschritt.” Im Kontext der Weltwirtschaftskrise sei mehr wohl nicht zu erwarten, meint Hoffschmidt.
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