Jülicher Kleingärtner stehen vor einem Wandel

Von: Laura Broderius
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Erika Hoffmann (links) und Petra Kiesewetter (2.v.l.) präsentieren mit Vereinsmitgliedern ein selbstgenähtes Kinder-Karnevalskostüm. Sie werden verkauft, die Tradition endet. Foto: Laura Broderius

Jülich. Es ist ein vielleicht nur kleines Indiz für einen großen Wandel bei den Jülicher Kleingärtnern am „Nordpolder“. Eine Tradition, die über 30 Jahre lang aufrecht erhalten wurde, nimmt ihr Ende. Karneval in alter Form geht nicht mehr.

Der Kleingärtnerverein hat am Wochenende begonnen, seine selbstgenähten Karnevalsgruppenkostüme zu verkaufen. Der Erlös soll in eine gemeinsame Karnevalsfeier investiert werden.

„Die letzten 30 Jahre waren eine sehr schöne Zeit. Wir waren immer eine Gruppe von Frauen, die zusammen die Kostüme für den Karnevalsumzug genäht haben. Das hat meistens mehrere Monate gedauert“, erzählt die Vorsitzende des Vereins Erika Hoffmann. Jedes Jahr habe man sich an das Motto der Stadt Jülich angepasst und neue Kostüme dafür genäht. Irgendwann seien sie dann nur noch drei bis vier Frauen gewesen, der Aufwand wurde zu groß und die Nachfrage zu gering.

Engagement nicht mehr gleich

Einen Grund dafür sieht Hoffmann in einem generellen Wandel in der Gemeinschaft: „Wir haben einfach eine Altersfluktuation. Viele der Mitglieder, die seit den 80ern das Vereinsleben mitbegründet und gestaltet haben, sind nicht mehr so aktiv. Unser ältestes Pärchen ist mittlerweile 90“, sagt Hoffmann. In der jüngeren Generation gäbe es nicht mehr das gleiche Interesse und das gleiche Engagement für die Kleingärten.

1983 ist dem Verein das Gelände „Nordpolder“, ein ehemaliges Staubecken der Zuckerfabrik, übergeben worden. In den Jahren darauf bauten sich die Kleingärtner eine große Gartenanlage und ein neues Vereinshaus auf. Die Gesamtfläche beläuft sich auf ca. 90.000 Quadratmeter mit 167 Einzelgärten von je ca. 300 Quadratmetern Fläche.

Der Stadt Jülich dient die Anlage auch als Naherholungsgebiet. Fünf Kleingärten stehen im Moment noch zur Verpachtung frei.

„Es ist aber auch so, dass es heute sehr viele Möglichkeiten gibt. Früher war diese Kleingartenkolonie das Highlight, heute haben viele neben Familie und Beruf noch gefühlt 25 andere Vereine, da fehlt dann einfach die Zeit“, fügt Jürgen Nelles, ein Mitglied des Vereins, hinzu. „Dabei ist diese Kleingartenkolonie unglaublich toll für Kinder“, sagt Stephanie Plum, die selbst in den Gärten aufgewachsen ist und jetzt ihren eigenen Sohn mitnimmt. „Es waren einfach noch so viele andere Kinder da, mit denen man spielen konnte.“ Sehr optimistisch für die Zukunft zeigt sie sich allerdings nicht: „Ich glaube nicht, dass die Gemeinschaft noch mal so wird wie früher. Die meisten kaufen sich mittlerweile eher ein Haus mit Garten als einen Kleingarten. Ich selbst würde mir auch keinen zulegen.“

Auch sei die jüngere Generation geprägt von kultureller Vielfalt. Da sei es nicht immer so einfach, auf einen Nenner zu kommen. „Wenn wir zum Beispiel grillen wollen, dann gibt’s das erste Problem beim Schweinefleisch. Auf der anderen Seite haben viele Familien auf dem Sommerfest ihr eigenes Essen gekocht, und wir hatten ganz unterschiedliche Essenskulturen vereint“, erzählt Petra Kiesewetter, Mitglied des Vereins und der ehemaligen Näherinnen-Gruppe. Da Karneval aber eine Tradition sei, mit der viele andere Kulturen nichts zu tun hätten, hätte hier das Interesse besonders abgenommen.

Der Hauptgrund sei aber, dass auch die meisten derer, die Karneval feiern, die Verantwortung für die Kostüme oder die Organisation nicht übernehmen wollen. „Man braucht in so einer Gemeinschaft einfach ein Zugpferd“, stellt Kiesewetter fest.

Der mittlerweile verstorbene Mann von Erika Hoffmann, Horst Hoffmann, habe damals viel in die Hand genommen und die Dinge initiiert und organisiert. „Dann ziehen andere mit. Wenn aber so jemand fehlt, fühlt sich keiner verantwortlich.“ Das Vereinshaus werde auch viel zu selten benutzt, obwohl die Möglichkeit immer da sei. Wer Ideen habe, könne die jederzeit umsetzen.

Verantwortlich fühlten sich viele mittlerweile eher für sich selbst. „Jeder kehrt vor seiner eigenen Haustür. Viele nutzen die Gärten mit ihrer Familie oder feiern in ihrem Garten, aber die Verbindung zwischen den Gärten und Gärtnern ist nicht mehr so richtig da“, sagt Hoffmann.

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