Jülich - Jülicher Kandidatenkür landesweit einzigartig

Jülicher Kandidatenkür landesweit einzigartig

Von: Volker Uerlings
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Gratulationen auch bei der CDU: Frank Peter Ullrich, Bürgermeisterkandidat von Schwarz-Rot. Foto: G. Jansen
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Architekten der großen Koalition und Köpfe der Findungskommission: CDU-Stadtchef Elmar Fuchs (l.) und SPD-Pendant Marco Maria Emunds. Foto: G. Jansen

Jülich. Gleich mit dem zweiten Satz wurde die große Spannung noch ein wenig verstärkt: „Das hat es in Nordrhein-Westfalen noch nicht gegeben.“ CDU-Stadtverbandschef Elmar Fuchs meinte damit nicht die Kandidatur eines gemeinsamen schwarz-roten Bürgermeister-Kandidaten, die zu diesem Zeitpunkt in der Overbacher Aula noch gar nicht feststand.

Es war mehr die Art und Weise der Aufstellung: Sowohl Union als auch SPD kamen an einem Ort zusammen, um sich nach der Begrüßung gleich wieder zu trennen, damit alles seine Ordnung hatte.

Immerhin: Wer weiß, wie oft Fuchs neben den eigenen Leuten noch einmal die „lieben Genossinnen und Genossen“ willkommen heißen darf? Das war jedenfalls der Startschuss eines Abends, der aus Sicht der „Drehbuchautoren“ gut ausging, da beide Parteien am Ende Frank Peter Ullrich den Auftrag gaben, sich für CDU und SPD um das Jülicher Bürgermeisteramt zu bewerben. Das war erklärtes Ziel der Parteichefs Marco Maria Emunds für die Sozialdemokraten und eben Elmar Fuchs.

Auch Emunds hatte eine Premiere zu bestreiten. Der „Obergenosse“ sprach als Gast bei der CDU ein Grußwort. Emunds‘ Aussagen waren eindeutig: Von diesem Abend solle ein „wichtiges Signal“ ausgesendet werden: „Wir wollen gemeinsam den Wechsel an der Spitze der Verwaltung dieser Stadt voranbringen.“ Der achtköpfigen Findungskommission sei es auf die fachliche Qualifikation angekommen, auf den „besten und geeignetsten Kandidaten für die Stadt Jülich“ – und nicht auf Parteibücher. Die acht Frauen und Männer sind einstimmig zu der Entscheidung gekommen, dass sie diesen Kandidaten mit Frank Peter Ullrich gefunden haben.

Der 45-Jährige aus Düren-Arnoldsweiler hielt am Freitag zweimal die selbe Rede, damit bloß kein falscher Eindruck entstehen konnte. Ullrich nahm einem möglichen Kritikpunkt – als Dürener in Jülich – gleich den Wind aus den Segeln: „Ich bin ein Kandidat, der die Region versteht.“ Jülich brauche einen neuen Bürgermeister, weil sich die starke Stadt weiterentwickeln müsse.

Der 45-Jährige ist Diplom-Verwaltungsfachwirt mit Zusatzqualifikationen als Fachjurist und Betriebswirt. Er blickt auf eine reiche Verwaltungserfahrung in mehreren Behörden: Bundeskriminalamt, Verfassungsschutz, Landesverwaltung der Polizei und schließlich beim Bundesrechnungshof, jeweils mit Mitarbeiterverantwortung. Vor dem Hintergrund habe er Respekt vor dem Job und der großen Mannschaft im Rathaus, traue sich die Aufgabe aber zu.

Ullrich ist seit 23 Jahren Mitglied der SPD und kündigte an, dass er diese im Fall einer Wahl „natürlich ruhen lassen wird“. Inhaltlich wurde deutlich: Der Mann ist Haushaltsexperte und setzt auf seine Kernkompetenzen – „wir müssen die wirtschaftliche Erfolgsgeschichte der Stadt fortschreiben“. Er sieht Jülich als „Motor des Nordkreises“. Er will sicher auch die Verwaltung flotter machen – sie habe „auffallend viele Stabsstellen“. Gleichwohl liegen dem Vater von zwei Töchtern und seiner Frau die Themen Familie, Schule und Bildung am Herzen. Der Dürener ist auch Vereinsmensch und bekennender Karnevalist.

Ullrich erhielt bei der SPD 91,1 Prozent und bei der CDU 52,8 Prozent (56 von 106 Stimmen). In der Union gab es mit Helmuth Hoen (24 Stimmen), Michael Lingnau (15) und Heinz Peter Braumöller (11) drei weitere Bewerber, die sich passabel präsentierten. Allen war gemein, dass sie ihre Herkunft aus Jülich und ihre CDU-Mitgliedschaft in den Vordergrund stellten. Dafür erhielten sie in Summe über 47 Prozent Zustimmung, doch keine Mehrheit.

Die Erleichterung in beiden Führungsetagen war nach dem geglückten Coup groß. Schließlich hatte CDU-Chef Elmar Fuchs sein Schicksal als Vorsitzender an einen Erfolg Ullrichs geknüpft. Und die große Koalition wäre bei einem Scheitern beschädigt gewesen, was in der SPD Nervosität verursacht hatte. Jetzt ist ein Zwischenziel erreicht. Aber noch keine Bürgermeisterwahl gewonnen.

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