Jülich - Jülicher hat große Ziele für die WM der Berufe in Abu Dhabi

Jülicher hat große Ziele für die WM der Berufe in Abu Dhabi

Von: Niklas Zehbe
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Jeder Handgriff muss sitzen: Bei der Europameisterschaft schaffte Philipp Winterscheid 2016 trotz zu kurzer Vorbereitung Platz acht. Jetzt trainiert er für die Weltmeisterschaft der Berufe. Foto: Niklas Zehbe

Jülich. Ohne große Erwartungen war Philipp Winterscheid im vergangenen Jahr zur Europameisterschaft der Berufe gereist, den „Euroskills“ in Göteborg. Im Gegensatz zu seinen Konkurrenten hatte der junge Mann aus Baesweiler erst vier Wochen vor Beginn des Wettkampfs von seiner Teilnahme erfahren, da sich zunächst zu wenige deutsche Betriebe angemeldet hatten.

Aus der vermeidlichen Notlösung ist eine Erfolgsgeschichte geworden, die der Elektroniker für Betriebstechnik in Ausbildung am Forschungszentrum Jülich im Oktober bei der Weltmeisterschaft in Abu Dhabi weiterschreiben kann.

In seiner Disziplin „Anlagenelektronik“ reichte es im vergangenen Jahr trotz eigentlich viel zu kurzer Vorbereitung für den neunten von zwölf Plätzen. „Ich hatte mit dem letzten Platz gerechnet, da sich die anderen Teilnehmer ein Jahr lang auf den Wettbewerb vorbereiten konnten“, sagt Winterscheid. Das positive Ergebnis trotz stark verkürzter Vorbereitung blieb nicht unbemerkt: „Hubert Romer von ,Worldskills Germany‘ hat gesehen, dass meine Leistung für diese Verhältnisse sehr gut war und hat mir deshalb die Chance gegeben, bei den kommenden „World-skills“ in Abu Dhabi teilzunehmen.“

Winterscheid wird im vierten Lehrjahr im Forschungszentrum Jülich (FZJ) zum Elektroniker für Betriebstechnik ausgebildet und ist der einzige Azubi aus der Region, der vom 15. bis 18. Oktober an den „Worldskills“ im Abu Dhabi National Exhibition Center (ADNEC) teilnimmt.

WM-Vorbereitung

Dieses Mal hatte der 19-Jährige mehr Zeit. Seit zehn Monaten bereitet Winterscheid sich intensiv auf die „Weltmeisterschaft der Berufe“ vor. In einem kleinen Raum im Berufsausbildungszentrum des FZJ hat sich der Deutsche Meister 2015 verschanzt und wiederholt die vier Aufgaben der „Worldskills“ immer wieder. Die Hauptaufgabe: An einer Schaltwand muss er unter anderem einen Backstein über ein Förderband laufen lassen und dessen Geschwindigkeit und Temperatur regulieren. 50 Prozent der Punkte gibt es für die Wand, für die er bei den „Worldskills“ insgesamt 18 Stunden Zeit hat – verteilt auf drei Tage.

Während Winterscheid diese Aufgabe löst, kann er jederzeit und ohne Vorwarnung für einen der anderen Tests abgeholt werden: 30 Prozent der Punkte gibt es dabei für das Programmieren der Anlage, die er an der Wand aufgebaut hat. Die restlichen 20 Prozent entfallen auf zwei weitere Aufgaben: Bei der Fehlersuche an einem Schaltschrank haben die Kandidaten eine Stunde Zeit, um fünf eingebaute Fehler zu finden. „Im Training habe ich immer alle Fehler gefunden und nur elf Minuten gebraucht“, sagt Winterscheid selbstbewusst.

Für die letzte Aufgabe geht es dann wieder an den PC. Hierbei sollen die Teilnehmer ein Ablaufdiagramm zeichnen, wofür sie ebenfalls eine Stunde Zeit haben. Im Anschluss wird ein langes oder ein kurzes Holzstück auf ein Förderband gelegt und fährt los. Die Anlage soll unter anderem erkennen, ob es sich um ein langes oder ein kurzes Stück handelt.

Hohe Ziele

Einstudieren muss Winterscheid die Abläufe alleine: „Viele Teilnehmer reisen zu einem Experten und üben dort zwei bis drei Monate. Da ich hier alleine trainiere, muss ich sehr selbstkritisch sein.“ In Abu Dhabi wird er nicht für sich allein werkeln. Viele Besucher beobachten und filmen die Teilnehmer, wie Winterscheid aus den vergangenen Wettbewerben weiß. „Ich versuche mich abzukapseln, dafür setze ich mir Kopfhörer auf und trage eine Brille mit Klappen an den Seiten.“

Der 19-Jährige ist also bestens vorbereitet auf die „Worldskills“ und hat sich dementsprechend hohe Ziele gesteckt. Mindestens 500 Punkte und damit eine „Medal of excellence“ möchte er mit nach Hause nehmen.

„Darüber hinaus hoffe ich auf eine Top-5-Platzierung.“ Nach den Wettkämpfen in Abu Dhabi warten gleich die nächsten Herausforderungen auf Winterscheid: Ende des Jahres steht seine Abschlussprüfung an, im Mai 2018 soll das Fachabitur folgen.

Wie es danach weitergeht, weiß er noch nicht. Eine Möglichkeit wäre ein Studium der Elektrotechnik mit dem Schwerpunkt Automatisierungstechnik. „Montieren, mechanische Arbeiten, Programmieren – das, was ich jetzt bei den ,Worldskills‘ vor mir habe, sind genau die Aufgaben eines Automatisierungstechnikers. Von daher würde es passen.“

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