Jülich - Jülicher Gymnasien müssen zwischen G8 und G9 wählen

Jülicher Gymnasien müssen zwischen G8 und G9 wählen

Von: Volker Uerlings und Antonius Wolters
Letzte Aktualisierung:
14752575.jpg
Das Abitur nach acht Jahren (G8) hat Spuren hinterlassen, die so leicht nicht auszuwischen sind: Die Jülicher Gymnasien müssen sich demnächst entscheiden, ob sie dabei bleiben – oder zu G9 wechseln, das wieder die Regel sein soll.
14750858.jpg
Schulleiterin Dr. Edith Körver (Gymnasium Zitadelle) bedauert ein wenig, dass es weiterhin Unruhe geben wird. Foto: Uerlings
14750859.jpg
Thorsten Vogelsang, Leiter des Gymnasiums Haus Overbach Jülich-Barmen in freier Trägerschaft, ist in Sachen G8 und G9 nicht festgelegt. Foto: Uerlings
14750860.jpg
Christiane Clemens, Leiterin des Mädchengymnasiums Jülich in freier Trägerschaft, kann für ihre Schule noch keine klare Position bei der Wahl zwischen G8 und G9 ausmachen. Foto: Wolters

Jülich. Der Streit um das Abitur nach acht oder neun Jahren an Rhein und Ruhr ist ein beinahe ideologischer. Er bewegt viele Menschen. Eine halbe Million Unterschriften hat die Initiative gesammelt, die zum G9 zurückkehren will.

CDU und FDP haben bei den Koalitionsverhandlungen in Düsseldorf diesem offensichtlich starken Wunsch entsprochen. Sie wollen G9 wieder zur Regel machen – es sei denn, Schulen erklären ausdrücklich, dass sie beim Abi nach acht Jahren bleiben wollen: beginnend mit den Fünftklässlern 2019/2020.

Damit müssen sich auch das Städtische Gymnasium Zitadelle Jülich, das Mädchengymnasium Jülich (MGJ) und das Gymnasium Haus Overbach in Barmen positionieren; an den Gesamtschulen bleibt mit G9 schließlich alles beim alten. Die ersten Einschätzungen der Verantwortlichen fallen eher abwartend aus:

Schulleiterin Dr. Edith Körver (Gymnasium Zitadelle) bedauert ein wenig, dass es weiterhin Unruhe geben wird: „Das ständige Hin und Her ist kontraproduktiv. Benötigt wird Verlässlichkeit.“ Nun komme es wieder zu Diskussionen. Körver möchte auf jeden Fall nun die „hervorragenden Konzepte“ zur Hausaufgabenbetreuung und zur individuellen Förderung, die nach den Empfehlungen des „Runden Tischs“ zu G8 für die Zitadelle erstellt wurden, einem Belastungstest unterziehen.

Zeit für Vereine und Hobbies

„Es greift hier das erste Jahr, das würden wir nach der Vorarbeit auch gern zur Umsetzung bringen“, um eine seriöse Bewertung vornehmen zu können. Das städtische Jülicher Gymnasium sei wahrscheinlich das einzige linksrheinische, dass G8 ohne Ganztagsbetrieb „sozialverträglich hinkriegt“. In den Jahrgangsstufen 5 und 6 der Zitadelle gebe es gar keinen Nachmittagsunterricht, in den Stufen 7 und 8 an einem Tag und in Stufe 9 an zweien. „Unsere Schülerinnen und Schüler haben also durchaus Zeit für Vereine, Sport und Hobbies. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal.“

Die Gremien der Schule müssten sich natürlich mit der Thematik ausführlich befassen, aber für Edith Körver „gibt es keinen zwingenden Grund, von G8 abzukehren.“

Thorsten Vogelsang, Leiter des Gymnasiums Haus Overbach Jülich-Barmen in freier Trägerschaft, ist nicht festgelegt: „Im Prinzip sind wir offen.“ Die Konzeptionen in der Schule mit Blick auf G8 „laufen gut, unsere Eltern und Schüler spiegeln wider, dass hier gute pädagogische Arbeit geleistet wird“. Sollte es zurück zum Abitur nach neun Jahren gehen, wünscht sich Vogelsang allerdings „einen kommunalen Schulterschluss“. „In Kleinstädten wie Jülich sollten alle an einem Strang ziehen und zu einem Konsens kommen.“

Das sei aus seiner Sicht auch mit Blick auf die Durchlässigkeit zwischen den Schulen wichtig. Eine Profilierung durch ein bewusst eigenes Angebot im Unterschied zur „Konkurrenz“ sei etwas für Großstädte. Er werde der Eltern- und Schülerschaft in Overbach den Dialog anbieten, um eine Entscheidung zu treffen, und hofft ebenso auf einen Dialog unter den Jülicher Schulen.

Christiane Clemens, Leiterin des Mädchengymnasiums Jülich in freier Trägerschaft, kann für ihre Schule noch keine klare Position bei der Wahl zwischen G8 und G9 ausmachen. „Wir müssen abwarten, wie das neue G9 aussieht“, sollen zunächst die künftigen Rahmenbedingungen unter die Lupe genommen werden, um deren Auswirkungen auf den Schulbetrieb am MGJ überhaupt abschätzen zu können.

„Erst mal sehen, was kommt“, sei deshalb das Gebot der Stunde, setzt Clemens auf den Faktor Zeit. Zumal das Thema zunächst noch alle Gremien des Mädchengymnasiums beschäftigen werde. Persönlich hat die Schulleiterin zwar eine klare Präferenz, die sie nur ungern in der Zeitung lesen würde, ist aber ansonsten vor allem „mal ganz gespannt, wie am Ende die Entscheidung ausfällt“.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert