Jülicher Forscher: Mit Tönen gegen das Pfeifen im Ohr

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Jülich. Ein neu entwickeltes Gerät soll mit Tönen den Lärm im Ohr von Tinnitus-Patienten dauerhaft reduzieren. Jülicher Forscher haben ein Verfahren entwickelt, mit dem die Fehlsteuerung im Gehirn korrigiert werden kann.

Die Patienten tragen dazu ein Gerät im Ohr, dass akustische Signale aussendet und die krankhafte Gleichschaltung der Nervenzellen aus dem Takt bringt. Der Tinnitus-Neurostimulator wird derzeit in einer klinischen Studie getestet und soll im nächsten Jahr auf den Markt kommen, teilte das Forschungszentrum Jülich am Freitag mit.

Rund fünf Prozent der Bevölkerung leide an einem Tinnitus. Die Mehrheit habe einen dauerhaften Ton im Ohr. „Wenn das Innenohr nicht richtig funktioniert, dann spielt die Hirnrinde etwas verrückt und verfällt in einen Synchronrhythmus”, sagte der Projektleiter Prof. Peter Tass. Nervenzellen feuern übermäßig synchrone Signale, die mit Hilfe des Gerätes aus dem Takt gebracht werden sollen.

Das Verfahren wurde von Jülicher Forschern entwickelt. Die technische Umsetzung lag bei einem Unternehmen, das aus dem Forschungszentrum heraus gegründet wurde.

Bei jedem Patienten wird die jeweils stärkste Frequenz ermittelt, unter der er leidet. Um diese Frequenz herum werden Töne gruppiert, die der Betroffene über das Gerät hört, das äußerlich einem Hörgerät ähnelt. „Durch die Stimulation bauen sich die Nervennetzwerke im Hirn wieder um”, sagte Tass. Dadurch werde eine dauerhafte Linderung erreicht. Bei mehr als 70 Prozent der Probanden seien die Symptome „signifikant” und dauerhaft zurückgegangen.

Je genauer die peinigende Frequenz identifiziert werde, desto angenehmer empfinde der Patient die darauf abgestimmte Tonfolge. Der Patient beginne mit einer zunächst vierstündigen Anwendung. Die meisten empfänden das als sehr angenehm. „Es gibt Leute, die wollen ohne Gerät nicht mehr aus dem Haus gehen”, sagte Tass.
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