Jülicher Eigengewächs ist neuer „Herr der Knollen“

Von: Antonius Wolters
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Der neue „Herr der Rüben“: Heinz Leipertz, in der Zuckerfabrik neuer Leiter Landwirtschaft, zeigt Fäulnisansätze einer Pflanze, die unter den anhaltenden Niederschlägen leidet. Foto: Wolters

Jülich. Für Heinz Leipertz schließt sich der Kreis: Am 1. August 1989 hat der Diplom-Agraringenieur seine Arbeit als Anbauberater in der Landwirtschaftlichen Abteilung der Zuckerfabrik Jülich aufgenommen. Heute, gut 25 Jahre später, ist der 49-Jährige als Nachfolger von Dr. Willi Kremer-Schillings Leiter der Abteilung und damit gleichzeitig Botschafter der Fabrik, die nach der Übernahme inzwischen als Werk Jülich der Pfeifer&Langen GmbH & Co. KG firmiert.

Zwischenzeitlich hatte Leipertz Aufgaben in der Koordination Landwirtschaft in der Kölner Hauptverwaltung übernommen. „Ich komme von der Scholle“, betrachtet Leipertz die Landwirtschaft nicht allein aus der Perspektive der Zuckerfabrik, sondern auch als Praktiker, der in seiner knapp bemessenen freien Zeit einen eigenen Betrieb in Broich bewirtschaftet. Sein Vater hält ihm hier weitgehend den Rücken frei, und auch der Sohn, der noch in der Ausbildung ist, packt daheim kräftig mit an. Zudem werden weitere Arbeiten, die anfallen, mittels einer Betriebskooperation und bei darüber hinaus gehendem Bedarf durch Lohnunternehmer erledigt.

Nun ist Heinz Leipertz zu seinen beruflichen Wurzeln zurückgekehrt, die ihren Schwerpunkt bei den süßen Feldfrüchten haben. Doch die Landwirte – Leipertz bildet da keine Ausnahme – haben derzeit weniger die „Knollen“ im Sinn als die immer noch laufende Getreideernte. „Der Regen drückt auf alle Kulturen“, berichtet der Fachmann, dass im Jülicher Land 30 bis 40 Prozent des Korns noch nicht gedroschen ist.

Zudem seien hier mehr oder weniger große Ernteverluste zu beklagen, denn nach Pfingstorkan und den anhaltenden Regenschauern liegt oft nur noch Lagergetreide vor, das niedergedrückt worden und schwerer zu ernten ist. Zudem zieht der hohe Feuchtigkeitsgehalt eine zusätzliche Trocknung nach sich oder die Feuchtigkeit hat dazu geführt, dass die Weizenkörner schon in der Ähre mit dem Keimen beginnen. Das Getreide hat dann keine Brotqualität mehr und dient nur noch als Futter. Solche Einbußen schlagen sich auch in den Preisen nieder, zumal die Getreideernte deutschlandweit recht gut ausgefallen ist, was das Preisniveau weiter gesenkt hat.

Damit das Getreide endlich gedroschen und das Stroh gepresst werden kann, brauche es mindestens zwei bis drei trockene Tage plus Sonnenschein, schätzt der Agrarexperte, der auch die Auswirkungen auf die Zuckerrübe sieht: Da viele Getreidefelder noch nicht zur Verfügung stehen, können dort noch nicht die Zwischenfruchtkulturen ausgebracht werden, die den Boden für die Rübenaussaat im Frühjahr 2015 bereiten, indem sie den Acker durchwurzeln und dessen Nährstoffgehalt den Winter über anreichern und sichern.

Die vielen Niederschläge schlagen darüber hinaus nicht nur den Kartoffelanbauern aufs Gemüt, deren Pflanzen die Staunässe gar nicht mögen und von Fäulnis bedroht sind, sie stellen inzwischen auch für die „dollen Knollen“ einen Risikofaktor dar. „Die Zuckerrübe ist keine Reispflanze“, erinnert Heinz Leipertz an deren Ursprung aus dem Mittelmeerraum.

Die Rübe hat es gerne warm und sonnig, um über ihre großflächigen Blätter das pflanzeneigene Kraftwerk und die Zuckerproduktion anzuwerfen. Ausweislich der Ergebnisse der zweiten Proberodung ist diese Produktion etwas ins Stocken geraten, befindet sich gleichwohl aber noch auf Rekordniveau. Der Zuckergehalt von 14,8 Prozent ist unterdurchschnittlich, der Mengenertrag bei der Handernte mit 74 Tonnen pro Hektar weit über dem Durchschnitt. Unterm Strich ist ein Zuckerertrag von 11 Tonnen/Hektar zu erwarten, womit das Rekordjahr 2011 (10 Tonnen) übertroffen wäre.

„Wir haben zu viel Wasser“, gibt es Risikofaktoren, denn die Dauernässe – die Böden sind randvoll – begünstigt auch bei den Zuckerrüben die Fäulnis. Zudem bestehen aktuell beste Infektionsbedingungen für Pilzkrankheiten, die das Blattwerk bedrohen. Das Kraftwerk der Rübe wird gestoppt. Notwendige Pflanzenschutzmaßnahmen laufen auch ins Leere, wenn die aufgebrachten Mittel sogleich vom Regen abgewaschen werden. Nicht zuletzt ist die Rübenkampagne nicht mehr fern, bei der es möglich sein muss, die durchweichten Äcker mit den großen Erntemaschinen zu befahren. „Wir planen den Start am 15. September“, gibt Leipertz Einblick in die Vorbereitung der Rübenernte, die sich aufgrund der erwarteten Menge auf voraussichtlich vier Monate (120 Tage) ausdehnen wird.

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