Jülicher Drucker verleiht Augustus ein Gesicht

Von: Guido Jansen
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Hand angelegt am großen Kaiser: Eine der Augustus-Büsten wird für einen Scan mit dem Streifenlichtprojektor vorbereitet. Foto: G. Jansen
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Dietrich Faidel hat schon viel eingescannt und ausgedruckt.

Jülich. Dietrich Faidel hat schon viel eingescannt und ausgedruckt. Kugellager, Motorenteile oder Scharniere. Nichts davon auf Papier, alles dreidimensional und zum Anfassen, alles im Namen der Wissenschaft. „Aber so ein altes Teil hatte ich noch nie“, sagt der Mann, der als Doktor-Ingenieur für Lasertechnik am Forschungszentrum arbeitet.

Derzeit beschäftigt er sich mit einer Büste des ersten römischen Kaisers Augustus. Eine über 2000 Jahre alte Vorlage hat der Wissenschaftler noch nie vor dem Scanner gehabt. Jetzt schon. Denn Faidel unterstützt die Vicus-AG, einen Zusammenschluss von Historikern aus Jülich, Aachen, Maastricht und Heerlen, die die Ausstellung „Fahndung nach Augustus“ organisiert.

Die Ausstellung ist im Januar in das Jülicher Museum zurückgekehrt. Und die soll ein neues Exponat beinhalten. Dafür ist Faidel zuständig, der Mann, der da arbeitet, wo es die komplexesten Drucke der Region gibt. Dreimal hat er gescannt, jeweils einmal des großen Kaisers Gesicht, wie es auf einer Büste im Pariser Louvre zu finden ist, und einmal eine Büste aus dem Römisch-Germanischen Museum in Köln. Der dritte Scan war der des sogenannten Augustus-Köpfchens, das im 19. Jahrhundert in Stolberg gefunden wurde.

Die Büste stammt aus Ägypten, das lässt sich aufgrund des seltenen Basmid-Steins bestimmen, aus dem sie gemacht ist und den es nur in Ägypten gibt. Allerdings fehlt dem Köpfchen das Gesicht. Und da kommt Faidel ins Spiel mit seinen Scannern und Druckern. Am Computer verheiratet er die Gesichter aus Köln und Paris mit dem (Hinter)Köpfchen. „Mit den Bauteilen, die wir sonst nachbauen, geht das auch. Dann sollte das auch mit Augustus möglich sein“, sagt Faidel.

Bis zu 50 Mal gescannt

Vor der neu kombinierten Büste steht die Arbeit. Faidel scannt die Vorlagen mit einer Kamera ein, indem er sie mit einem Streifenlicht-Projektor anstrahlt. 52 verschiedene Muster wirft der Projektor auf die Büste für einen Scan. Dann dreht Faidel die Büste leicht zur Seite und scannt wieder. Mit einem Programm schiebt er die gescannten Bilder übereinander und löscht überflüssige Details. Bis zu 60 Mal wiederholt er diesen Schritt, auch, weil die Büste aus einer tieferen Position gescannt werden muss. Denn sonst fehlt die untere Seite der Nasenspitze.

Die so entstehende Datei ist bis zu zwei Gigabyte groß, wenn sie an den Drucker geschickt wird. Wann genau die zwei neu kombinierten Augustus-Köpfe gedruckt werden, kann Faidel noch nicht sagen. Denn die dreidimensionalen Drucker im Forschungszentrum arbeiten auf Hochtouren, beispielsweise an Kugellagern oder Motorenteilen. „Wir bauen hier alles nach, damit die Konstrukteure die Modelle, die sie sich vorstellen, in die Hände nehmen und beurteilen können, ob sie sich das so vorgestellt haben“, sagt Faidel.

Die Kugellager, die am Ende nach mehreren Stunden in nur einem Produktionsschritt aus dem Drucker rauskommen, sind voll funktionsfähig. Vom Material einmal abgesehen. Das sind Thermoplast-Stoffe, Plastik also, das sich bei Hitze verformt und so nicht verbaut werden kann.

Fertig sind die Thermoplast-Modelle nicht, wenn sie aus dem Drucker kommen. Auch die neuen Augustusbüsten müssen zuerst für einige Stunden in einer Lauge gebadet werden. Die sorgt dafür, dass sich die weniger dichten Bestandteile auflösen und nur das gewünschte Resultat übrigbleibt.

Frisch gebadet wird der Kaiser dann in ein paar Wochen seiner Bestimmung zugeführt: als neue Attraktion in der Ausstellung „Fahndung nach Augustus“.

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