Jülich - Jülicher Drogenszene ist nicht kleiner, aber stiller

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Jülicher Drogenszene ist nicht kleiner, aber stiller

Von: Volker Uerlings
Letzte Aktualisierung:

Jülich. Gleich zwei Hilfseinrichtungen in Jülich funkten im letzten Jahr SOS, weil ihnen die Zuschüsse von der Stadt gekürzt werden sollten: der Verein „Frauen helfen Frauen“ und die Drogenberatungsstelle. Bekanntlich wurde eine Zwischenlösung bis 2014 gefunden. Was danach geschieht, ist weiter unklar.

Entsprechend deutlich und drastisch schilderten die Helfer(-innen) nun im Jülicher Rathaus dem Fachausschuss, dass es sowohl bei der Betreuung von Drogenabhängigen als auch von Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt geworden sind, in Jülich zahlreiche „Klienten und Klientinnen“ gibt - leider. Vor allem die Zahlen der Drogenberatung schienen die Kommunalpolitiker doch ein wenig zu überraschen.

Wilfried Pallenberg, Leiter der Drogenberatung im Kreis, hatte dafür auch eine Erklärung: Die Drogenszene tritt nicht mehr oder kaum noch öffentlich in Erscheinung. Er hat das seit fast drei Jahrzehnten im Blick und kann zwischen der Jülicher Szene auf dem Schlossplatz und in Kneipen Mitte der 80er Jahre und dem Zustand heute gut vergleichen: „Das ist nicht mehr öffentlich, wie es einmal war - nicht annähernd!“ Was damals „in Jülich gelaufen ist, war schon sehr beeindruckend“ und habe die Notwendigkeit einer Anlaufstelle augenblicklich klar gemacht.

Wie aber sieht es im Moment aus? Im vergangenen Jahr hat es laut Drogenberatungsleiter 168 „Intensiv-Klienten“ gegeben und 349 insgesamt. Die größere Zahl beinhaltet auch Konsumenten legaler Drogen, die etwa 15 Prozent ausmachten.

2013 haben die Berater hier bis Oktober schon über 150 Intensivklienten gehabt. Laut Wilfried Pallenberg „nehmen 65 illegale Drogen wie Cannabis, synthetische Drogen oder Amphetamine“. Weitere 60 konsumieren Opiate, 27 seien Alkoholiker.

Vor allem im Bereich der Heroinabhängigen gibt es eine interessante Entwicklung. 55 von 60 würden „substituiert“, also unter medizinischer Aufsicht mit Methadon versorgt. Pallenberg: „Einige von ihnen können deshalb wieder ganz oder teilweise einer Arbeit nachgehen und ein normales Leben außerhalb der Kriminalität führen.“

Pallenberg fasste im Rathaus zusammen: „Das Suchtproblem ist nicht schwindend, sondern weiter fortschreitend.“ Allerdings werde es nicht mehr so wahrgenommen, weil der Konsum in aller Regel im Stillen passiert. Das Team der Drogenberatung weiß aus Erfahrung, dass es ein ortsnahes Hilfsangebot geben muss, weil „Jülicher nicht nach Düren fahren“. In der Kreisstadt seien zudem die Kapazitäten erschöpft, es gebe schon Wartezeiten. „Vom Kreis wird es keine zusätzlichen Gelder geben“, hat die „Drobs“ unmissverständlich erfahren. Von daher müsse für die Zeit ab 2015 eine Lösung gefunden werden, zumal laut Wilfried Pallenberg „70 Prozent der Klienten, die in Jülich betreut werden, auch aus Jülich kommen“. Zu den Drogenkonsumenten gehörten auch schon „13- und 14-Jährige“.

Einen Appell richteten auch drei Vertreterinnen des Vereins „Frauen helfen Frauen“ an die Jülicher Politik: „Wenn Sie künftig entscheiden, sollten sie wissen, dass es um die sichere Versorgung von Frauen und Mädchen geht, die die schwersten Verletzungen erlitten haben, die man erleiden kann.“ Das erklärte Maria Brenner vom Team der Jülicher Anlaufstelle, die es schon seit 26 Jahren gibt. „Sorgen Sie dafür, dass es die Stelle auch in Zukunft gibt.“

Auch „Frauen helfen Frauen“ legten im Fachausschuss ihre aktuellsten Zahlen dar, die in dieser Zeitung schon dargestellt wurden. 2012 seien genau 1508 Beratungsgespräche geführt worden. Thematisch ging es um Selbstwert (51 Prozent), physische und psychische Gewalt (43 ), Beziehungsprobleme (37 ), sexuelle Gewalt (27 ) und Essstörungen (24 ).

Ausschussvorsitzende Elfie Sauer (Jül) dankte den Berichterstattern aufrichtig, konnte aber nichts versprechen, weil die Haushaltslage für 2015 noch nicht absehbar sei.

In Rede stehen jeweils Zuschüsse im knapp fünfstelligen Bereich. Dass es einen Bedarf für beide Anlaufstellen gibt, konnte und wollte niemand bestreiten.

„Frauen helfen Frauen“ geht nun in die Offensive will noch breiter informieren. Der Verein lädt für Montag, 25. November, von 12 bis 18 Uhr zu einem Tag der offenen Tür ein – in die Beratungsstelle, Römerstraße 10 in Jülich.

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