Jülicher Crêpes-Maschine für die Energiewende

Von: Volker Uerlings
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Professor Olivier Guillon präsentierte im Forschungszentrum diese „wunderschöne Foliengießbank“, die in Jülich entwickelt und in Dresden gebaut wurde. Sie ist ein echter Hoffnungsträger bei der Herstellung von Energiespeichern. Foto: Uerlings
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Bei der Einweihung war die Freude groß – auch bei Professor Harald Bolt, Dr. Georg Menzen (v. l.) und Staatssekretär Thomas Rachel (4. v. l.).

Jülich. Mit der Begeisterung eines von der Grundlagenforschung faszinierten Wissenschaftlers präsentierte Professor Olivier Guillon am Dienstagvormittag „diese wunderschöne Foliengießanlage“. Was Laien die Fragezeichen ins Gesicht treibt und sich äußerlich mehr als ein zehn Meter langer Apparat aus Edelstahlblechen und Glas präsentiert, ist ein echter Hoffnungsträger für die Energiewende; nicht nur im Forschungszentrum Jülich.

Die Großmaschine macht die Herstellung und Erforschung von Brennstoffzellen und Festkörperbatterien erheblich schneller, günstiger und energieeffizienter.

Guillon – ein Franzose – erklärte bei der Einweihung zum Glück auch für Laien das grobe Prinzip: Die Foliengießanlage funktioniert wie eine Crêpes-Maschine. Sie stellt allerdings nicht nur einen der hauchdünnen Pfannkuchen automatisch her, sondern schafft drei auf einmal, die exakt miteinander verbunden sind.

Genau diese Technik wird nun eingesetzt, um die bislang teuren Brennstoffzellen in einem anderen Prozess herzustellen. Hier müssen laut Forschungszentrum „fünf Schichten aus unterschiedlichen Materialien hochgenau aufeinander aufgebracht werden“.

Die einzelnen Schichten haben sehr unterschiedliche Dicken und Strukturen und werden in einzelnen Schritten aufgetragen und fünfmal einer Hochtemperaturbehandlung unterzogen (bis ca. 1400 Grad Celsius). Das dauert Tage. In der neuen Anlage im Institut für Energie- und Klimaforschung, Werkstoffsynthese und Herstellungsverfahren geht das deutlich schneller und benötigt zwei Temperaturbehandlungen weniger.

Das leisten drei Gießköpfe in dieser Spezialkonstruktion, die von Jülicher Forschern konzipiert und dem Dresdener Unternehmen KMS Technology Center GmbH als Prototyp gebaut worden ist. Also „Made in Germany“ in Reinkultur. Die Köpfe sind übereinander angeordnet, so dass die Maschine namens „JuCast 3-500“ mehrere Etagen besitzt. Durch eine spezielle Mechanik werden die Folien, die sie durchlaufen, mehrfach umgelenkt, ohne dass aufgetragene Schichten beschädigt werden.

„Hier wird das Know-how mit der Kraft des Mittelstands kombiniert“, lobte Thomas Rachel (Düren), Parlamentarischer Staatssekretär im Forschungsministerium, die Jülich-Dresdener Koproduktion. Rachels Ministerium hatte mit der Förderung der neuen Gebäude des Instituts sozusagen den Grundstein gelegt.

Die Entwicklung der „JuCast 3-500“, die fast eine Million Euro teuer war, wurde vom Bundeswirtschaftsministerium unterstützt, das am Dienstag Referatsleiter Dr. Georg Menzen – früher selbst in Jülich tätig – repräsentierte. Zur Realisierung des Projektes gab es also auch eine ministerielle Unterstützung. Vorstandsmitglied Professor Harald Bolt attestierte dem Institut, das die neue Foliengießbank in Betrieb nahm, sich in zehn Jahren „hervorragend spezialisiert“ zu haben.

Es sei ein „Riesenerfolg der Mitarbeiter“, dass Jülich im Bereich der Feststoff-Brennstoffzellen und -Batterien weltweit eine führende Rolle spiele. Die neue Anlage ermögliche den „Schritt von kleinskaligen Experimenten“ in einen Prozess. An dessen Ende könnten laut Staatssekretär Rachel „industrietaugliche Komponentengrößen“ stehen.

Die „JuCast 3-500“ spielt auch eine wichtige Rolle bei der Produktion und Erforschung von Gastrenn-Membranen.

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