Jülicher City größte ÖPNV-Problemzone im Nordkreis

Von: Antonius Wolters
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Der Verkehrsplaner empfiehlt am Bahnhof Jülich Taktknoten in jeder Stunde zu den Minuten 15 und 45 für Busse. Foto: Jansen

Jülich. Auf der Sondersitzung des Jülicher Planungs-, Umwelt- und Bauausschusses wurde auch der Vortrag zur Neuaufstellung des Nahverkehrsplan des Kreises Düren nachgereicht. Den Stand der Arbeiten referierte Kai Pachan vom Büro für Verkehrs- und Stadtplanung (BVS) in Kamp-Lintfort.

Zuvor berichtete Beigeordneter Martin Schulz, dass sich die Ortsvorsteher auf einer Zusammenkunft einstimmig für den Bürgerbus ausgesprochen hätten. Der Vorstoß für die Einführung eines Stadtbusses solle zurückgestellt werden.

Auf die (scheinbare) Konkurrenz zwischen Stadt- und Bürgerbus ging Verkehrsexperte Pachan später noch näher ein, der den Nahverkehrsplan als Rahmen beschrieb, um Verkehrsangebote zu realisieren. „Wir haben viele Veränderungen vor“, kündigte er an, auch wenn er bislang erst im Vorentwurfsstadium vorliege.

Eines der neuen Prinzipien lautet: „Nahverkehr aus einer Hand.“ So werden die Angebote von RVE und Dürener Kreisbahn künftig komplett durch die DKB angeboten. Das gewährleiste Innovationen sowie die wirtschaftliche Umsetzung der Verkehrs, begründete er die Direktvergabe an die DKB.

Grundlage für weitere Neuerungen ist die Haushaltsbefragung, an der sich 6458 Personen beteiligt haben, auch wenn die Altersverteilung leicht in Richtung der älteren Semester verschoben ist. Erfasst wurden mit der Umfrage mehr als 18.000 Wege.

Die Ergebnisse legen eine Dreiteilung des Kreises in Nordkreis, Mitte und Südkreis nahe, wobei die Ausrichtung auf Düren und Jülich auffällt, die wie Spinnen im Liniennetz sitzen. Während von Düren aus gute Verbindungen nach Aachen und Köln über die Schiene bestehen, fehlt solch eine vergleichbare Anbindung im Nordkreis Richtung Mönchengladbach und Düsseldorf, wonach im Ausschuss gefragt wurde.

Die am stärksten frequentierten Ziele sind von Jülich aus Inden, Niederzier und Titz. Defizite gibt es offenbar bei den Verbindungen nach Aldenhoven und Langerwehe. Die Herzogstadt hat überdies mit sieben Prozent den schlechtesten ÖPNV-Anteil und den besten Rad-Anteil bei den Verkehren insgesamt. Ein Reisetempo von 18,5 km/h beim Linienbus „fördert nicht gerade den Umstieg“, kann Pachan verstehen, dass der eigene Wagen dem öffentlichen Verkehr vorgezogen wird.

Deshalb soll auch im Nordkreis ein Netz exklusiver Verbindungen mit Direktlinien und Schnellbussen etabliert werden, die zur Beschleunigung beitragen und einen Umstieg attraktiver erscheinen lassen. Das Schnellbus-Angebot zielt insbesondere in Richtung der Gemeinden, die nicht an das Schienennetz (Rurtalbahn) angeschlossen sind. So sollen insbesondere die Verbindungen Jülich-Titz und Jülich-Inden beschleunigt werden.

Ein weiteres Stichwort, das der Verkehrsexperte ansprach, war die intermodale Mobilität. Gemeint ist damit die Nutzung mehrerer Verkehrsmittel, um kostengünstig und schnell von A nach B zu gelangen. Hier sei es wichtig, Umstiegsmöglichkeiten zu schaffen sowie auch Verkehrsmittel wie Elektrofahrräder und -autos oder Leihfahrzeuge einzubeziehen. Das gelte auch für Jülich als Car-Sharing-Stadt.

Als Ergebnis einer Erreichbarkeitsanalyse empfiehlt der Verkehrsplaner Taktknoten, etwa am Jülicher Bahnhof, der jede Stunde zu Minute 15 und 45 von den Buslinien erreicht wird. Als Beispiel stellte er eine Linie von Aldenhoven über Ederen nach Jülich vor, die im 30-Minuten-Takt fährt. Mit einer weiteren Linie zwischen Aldenhoven und Jülich könnte sogar ein 15-Minuten-Takt zwischen den Nachbarorten angeboten werden.

„Das größte Defizit sehe ich im Jülicher Stadtkern“, identifiziert Kai Pachan insbesondere im nordöstlichen Teil eine innerstädtische Erschließungslücke, wo der Bür-gerbus „eine hochwillkommene Ergänzung“ wäre, der sich eine Lösung des Problems zur Aufgabe gemacht habe. Aus diesem Grund empfiehlt er die Einpassung des Bürgerbusses in die Gesamtstruktur.

Gleichzeitig, so Pachan, sollte man den Stadtbus als Option in der Hinterhand behalten. Aufgrund der bestehenden Defizite in der Jülicher Kernstadt hält der Planer den Erfolg des Bürgerbusses für einigermaßen sicher. Es könne sogar die Situation entstehen, dass die Nachfrage größer sei als die Kapazität der Achtsitzer, die der Bürgerbusverein einsetzen wird, so dass die Erweiterung durch einen wie auch immer gearteten Stadtbus ergänzend möglich erscheine.

„Wir sind reduziert auf die Innenstadt“, ergänzte Klaus Krüger, Vorsitzender des Jülicher Bürgerbusvereins. Krüger führte weiter aus, dass der Starttermin September noch fraglich sei, da für die bestellten Fahrzeuge eine Lieferzeit von vier bis fünf Monaten bestehe.

Derzeit verfüge der Verein über etwa 30 Fahrer und sei dabei, Linienführung und Fahrplan zu erarbeiten. „Der Verein wird sehr erfolgreich sein“, zeigte sich Kai Pachan zuversichtlich, dass alle Ziele erreicht werden. Der Ausschuss fasst am Ende den Beschluss, dass der Bürgerbus „elementarer Bestandteil des Nahverkehrsplanes ist“.

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