Jülich - Jülicher Castoren rollen nach Ahaus

Jülicher Castoren rollen nach Ahaus

Von: Volker Uerlings
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Sollen 2011, spätestens 2012 auf die Reise nach Ahaus geschickt werden: 152 Castor-Behälter aus dem Forschungszentrum Jülich. Foto: Volker Uerlings

Jülich. Das Forschungszentrum Jülich (FZJ) will sich seines nuklearen Erbes entledigen. Eventuell schon 2011, spätestens aber 2012 sollen 152 Castor-Behälter mit den Brennelementen des 1988 stillgelegten Kugelhaufenreaktors AVR vom Zwischenlager auf dem Gelände des FZJ in das Zwischenlager im münsterländischen Ahaus transportiert werden.

Die Genehmigung für das Depot im Nordkreis Düren läuft 2013 aus. Dort lagern im Hochsicherheitsbereich die Castoren, die 300.000 Kugeln mit hochradioaktivem Kern beinhalten.

Darüber unterrichtete der Vorstand des Forschungszentrums am Dienstagabend den Jülicher Stadtrat bei einem Ortstermin. Schon diese Maßnahme ist Ergebnis eines Sinneswandels in der Führungsetage einer der größten europäischen Forschungseinrichtungen, die einmal als Kernforschungsanlage gegründet wurde.

„Wir ändern die Strategie und informieren aktiv - nicht reaktiv”, kündigte Vorstandsvorsitzender Prof. Achim Bachem an. Über die Medien und auch die Internet-Homepage des Zentrums im Stetternicher Forst solle größtmögliche Transparenz geschaffen werden.

Der Vertrag mit dem Betreiber des Zwischenlagers Ahaus steht, berichtete Vorstandsmitglied Dr. Ulrich Krafft. Ursprünglich hatte das Forschungszentrum beantragt, die Zwischenlagerung in Jülich fortzusetzen, aber zugleich die Option einer Auslagerung prüfen wollen. Die Genehmigungsbehörden hätten dann zu verstehen gegeben, dass das Lager in bestehender Form in Jülich nicht fortgeführt werden dürfe.

Das Depot sei auf der Basis der Sicherheitsbestimmungen von 1993 genehmigt worden. Fast 20 Jahre später gebe es andere Anforderungen, die aber nicht die baulichen Bedingungen oder auch die Lüftungsanlage betreffen („Das Gebäude ist in einem sehr guten Zustand.”), sondern in erster Linie die elektronische Überwachung. Und der Neubau eines Zwischenlagers würde gut 40 Millionen Euro kosten, wie der Vorstand informierte.

Wenn aber auch die Jülicher Altlasten in Ahaus deponiert würden, wo bereits Kugelbrennelemente untergebracht sind, ergeben sich laut FZJ-Vorstand erhebliche Kostenvorteile, da nur noch ein Überwachungs- und damit ein Kostenapparat anfalle.

Die 152 Castoren sind jeweils 27 Tonnen schwer (mit Schutzplatte und Stoßdämpfern bei einem Transfer 32 Tonnen). Zwei Transportmöglichkeiten sind denkbar: Entweder über die Straße oder über die Schiene, denn das Forschungszentrum verfügt über einen Gleisanschluss. Im ersten Fall müssten gewichtsbedingt 152 Einzel-Transporte rollen, während die Bahn 6 der Spezialbehälter gleichzeitig bewegen kann und darf. Die Entscheidung trifft die Genehmigungsbehörde - das Bundesamt für Strahlenschutz - auf der Basis eines vorliegenden Gutachtens.

Protest gegen die geplanten Transporte kam von den Grünen. „Atomtransporte sind immer gefährlich. Sie sind der Bevölkerung nicht zuzumuten. Das Material sollte in Jülich bleiben”, sagte der Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer.

Zudem soll, wie bereits bekannt, in den nächsten zehn Jahren schwächer strahlender Müll aus abgebauten Atomanlagen, Bauschutt, Putzlappen und Metallschrott nach Ahaus transportiert werden. Bei etwa 1800 Gebinden (Abfallpaketen) sei nach Betreiber-Angaben „realistisch im Mittel von ca. zwei Transporten pro Woche auszugehen”, so die Bundesregierung.

Sonstige schwach- und mittelradioaktive Abfälle des Forschungszentrums, die sich in Zwischenlagern am Standort Jülich befänden, sollten ins Endlager Konrad (bei Salzgitter) verfrachtet werden, sobald dieses „annahmebereit” sei.

Der Atomversuchsreaktor (AVR) in Jülich selbst wird seit März 2009 unter schwierigsten Bedingungen wieder abgebaut. Die Bundesregierung bestätigte, dass das Gelände um das Reaktorgebäude herum und unter den Fundamenten radioaktiv verseucht ist. Die Kontaminationen reichten zwar ins Erdreich und ins Grundwasser. Nach Gutachten - darunter eins des Bundesumweltministeriums - sei aber „im Zusammenhang mit den Abbaumaßnahmen eine Gefährdung des Anlagenpersonals sowie der Umwelt ausgeschlossen”.
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