Jülicher Bestsellerautor steht unter Strom

Von: Volker Uerlings
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Christoph Buchal aus Jülich mit seinem neuesten Buch: „Strom – Die Gigawatt-Revolution“. Startauflage: 25 000 Exemplare. Foto: Uerlings

Jülich. Christoph Buchal aus dem Jülicher Stadtteil Barmen darf man mit Fug und Recht als Bestsellerautor bezeichnen. Seine Bücher bringen es inzwischen auf eine Gesamtauflage von über 300.000 Exemplaren. Davon träumt so mancher Regionalkrimi-Schriftsteller. Der 66-Jährige ist aber nicht in der Belletristik zu Hause, darauf deutet schon sein Beruf hin: Er ist Physiker und mithin Faktenfreund.

Seine Sachbücher allerdings sind nicht staubtrocken – sonst wären sie auch nicht so erfolgreich. Das jüngste Werk Buchals ist vor wenigen Tagen erschienen: „Strom – Die Gigawatt-Revolution“. Weil das 226 Seiten starke Buch alle relevanten Fakten zur Energiewende zusammenträgt und in Teilen bewertet, ist es hochaktuell. Die „Gigawatt-Revolution“ beschreibt dabei nicht mehr und nicht weniger als eine „vollkommen andere Stromwelt“.

Buchal erklärt das so: „Bis in die Gegenwart hatten wir eine 20-/80-Welt. 20 Prozent des erzeugten Stroms werden durch die Erneuerbaren Energien gewonnen, 80 Prozent stammten aus regelbarer Produktion. Das kehrt sich um in 80/20!“ Das hört sich prima an, bleibt aber nicht folgenlos.

Strom zu verschenken?

Es kommt möglicherweise zu kuriosen und erschreckenden Konsequenzen: Auf der einen Seite steigen die Stromkosten für die Verbraucher immer weiter und sind von manchen – zum Beispiel den Ärmsten der Gesellschaft – nicht mehr bezahlbar. Im Extremfall muss der Strom abgestellt werden. Auf der anderen Seite produzieren die erneuerbaren Quellen zeitweise und schwer kalkulierbar so viel Strom, dass er verschenkt werden muss. Fragt sich nur, an wen.

Die Deutschen sind im Bereich der „Erneuerbaren“ buchstäblich auf den Geschmack gekommen – und das seit nun vielen Jahren, also auch „nachhaltig“. Professor Buchal: „Keiner hat geglaubt, dass der Ausbau der Photovoltaik so rapide vonstatten geht. Im Jahr 2010 waren 40 Prozent aller PV-Module auf der Welt bei uns verbaut.“ Damit war nicht zu rechnen, auch der Ausbau der Windenergie trägt sein Scherflein dazu bei, dass „Strom in Überschüssen erzeugt wird, der aber nicht in Batterien gespeichert werden kann.

Das ist viel zu teuer“, weiß und beschreibt der Physiker aus Jülich, Wissenschaftler im Forschungszentrum und Professor für Physik an der Uni Köln. Was aber tun? „Unser Land wird sich bemühen, mit Strom in den Wärmemarkt zu gehen. Das ist machbar, indem zum Beispiel Wasser in Wasserstoff aufgespalten und ins Erdgasnetz eingespeist wird.“

Als Wissenschaftler sind Buchal Denkverbote ein Gräuel, gleichwohl stellt er fest, dass viele Fakten missachtet oder diskreditiert werden – zum Beispiel mit Blick auf das Weltklima und dessen Wandel. Beides steht in Zusammenhang mit der Art der Stromerzeugung. „Das Weltklima ist generell kaum zu beeinflussen. Was wir an Kohlenstoff einsparen, verbrauchen andere.“ Das sei Heuchelei im Spiel. Um wirklich etwas zu bewegen, müssten den „sehr verschiedenartigen Ländern der Welt attraktive und vor allem bezahlbare Wege“ zur CO2-Vermeidung aufgezeigt werden. „Aber daran hapert es.“

Buchal will in seinen Büchern belastbare und aktuelle Fakten spannend und verständlich darstellen, „ohne Lobby, ohne Ängste, ohne Panikmache“. Seine Überzeugung: „Faktenwissen gibt es nur über Gegenwart und Vergangenheit, aber manche Trends kann man deutlich erkennen.“ Eine „Sünde“ ist nach seiner Auffassung offensichtlich – Buchal übt scharfe Kritik: „Die subventionierte Stromerzeugung aus Mais-Monokulturen ist skandalös und muss beendet werden.“

Diesen „größten Irrweg“ versucht der Physiker aus Jülich mit Zahlen zu belegen: Auf einem Hektar Fläche könnten mittels Photovoltaik etwa 1,5 Megawatt Strom erzeugt werden; Windkraft auf der gleichen Fläche brächte sieben Mal mehr. Der Anbau von Biomasse aber, die zu Strom verarbeitet wird, komme gerade auf ein Hundertstel des Photovoltaik-Ertrages. „Dann muss man schlussfolgern, dass die Subventionierung unbegründbar ist“, sagt Christoph Buchal, zumal sich die Lebensmittel auch verteuern.

Das „Strom“-Buch widmet sich dem Thema von vielen Seiten, beleuchtet natürlich die Energiewende. Wichtig ist dem Autor, dass „es ganz unpolitisch geschrieben wurde“. In einem Vorwort würdigt der Jülicher Physik-Nobelpreisträger Peter Grünberg die Lektüre: In einer „verwirrenden Situation ist es höchst verdienstvoll“, wenn unabhängige Wissenschaftler Zusammenhänge und die Faktenlage „ehrlich, verständlich, fair und sachgerecht“ darstellten. Das ist Intention von Christoph Buchal, dessen Bücher auch in Schulen eingesetzt werden (Normalpreis 15,90 Euro/Schulpreis 7 Euro).

„Strom“ enthält auch Prognosen. So sieht Buchal etwa im Jahr 2100 eine weitere Verwendungsmöglichkeit des Stroms: zur Treibstoffproduktion zum Beispiel in Form transportabler Energieträger wie Methanol und Diesel. Grundsätzlich gelte schon jetzt: „Strom wird ständig noch wichtiger.“

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