Jülich wird zur Metropole der Sonnenenergie

Von: Volker Uerlings
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Der Jülicher Solarturm: Uber 2000 Spiegel zu seinen Füßen können punktgenau ausgerichtet werden, um an der Spitze heiße Luft zu erzeugen. Das Rechteck in der Mitte ist die Forschungsplattform. Foto: Volker Uerlings

Jülich. Der Jülicher Solarturm hat eine ziemliche Strahlkraft. Wer den schmalen weißen Zweckbau mit der leuchtenden Spitze bei Sonnenschein betrachtet, ist sogleich geblendet. Das dortige Solarthermische Demonstrations- und Versuchskraftwerk erzeugt kohlendioxidfrei Energie und leuchtet deswegen auch weit in die Zukunft.

Viele, die vom Fach sind, suchen die Nähe der klimafreundlichen Anlage. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) will künftig mit den Turm-Architekten vom Solarinstitut Jülich zusammenarbeiten. Die Kooperation im neuen Institut für Solarforschung macht aus der alten Herzogstadt künftig die Metropole der Solarthermieforschung in Europa. Das Land fördert den Aufbau mit 27 Millionen Euro, verteilt auf fünf Jahre.

„Das Interesse an dieser Technologie ist weltweit enorm. Mit dem Forschungsinstitut kann sich Nordrhein-Westfalen wichtige Anteile am boomenden Exportmarkt sichern”, sagte Forschungsminister Andreas Pinkwart zum von ihm forcierten Projekt.

Faktisch soll es so laufen: Das DLR gründet das neue Institut und fasst darin seine solarthermischen Aktivitäten zusammen, die bislang auf drei Standorte verteilt sind: in der Zentrale in Köln, in Stuttgart und im spanischen Almeria. Jülich wird der vierte Baustein mit dem in Mitteleuropa einzigen Versuchskraftwerk. Auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigte der Leiter des Solarinstitutes Jülich (SIJ) der Fachhochschule Aachen, Bernhard Hoffschmidt, die Pläne. Die Vertragsbesiegelung steht allerdings noch aus. „Es ist auch der Bau eines Institutsgebäudes beabsichtigt, in dem das DLR und wir Seite an Seite arbeiten.” Der Ableger der Kölner Großforschungseinrichtung wird zunächst im Technologiezentrum Jülich unterkommen, das sich nur einen Steinwurf entfernt vom Turm befindet. Das Solarinstitut Jülich versteht sich laut Hoffschmidt als Partner des DLR, bleibe unabhängig und unter dem Dach der FH Aachen. So könne das SIJ weiter seine schnelle und flexible Rolle spielen.

Mit den Geldern, die von Düsseldorf über Köln nach Jülich fließen, sollen vor allem neue Versuchsreihen mit teuren Aufbauten im Solarturm realisiert werden.

Am technischen Prinzip besteht großes Interesse. Wie berichtet, wird nach Jülicher Vorbild ein Kraftwerk in Algerien entstehen. Inzwischen haben auch Marokko und Libyen Interesse an der Technik und dem Kooperationsmodell signalisiert, informierte Bernhard Hoffschmidt. Doch die Konkurrenz schläft nicht. So hat US-Präsident Obama Gelder für ein gigantisches Solarthermie-Forschungsprojekt bereit gestellt. Hoffschmidt: „Wir müssen unsere Technologie voranbringen und aus einem Otto- einen Ferrari-Motor machen.” Dabei gehe es nicht nur um die Erzeugung von Energie, sondern auch um solare Treibstoffe für Fahrzeuge der Zukunft.

Der Turm ist umringt von über 2000 Spiegeln (Heliostaten), die das Sonnenlicht zur Spitze reflektieren. Dort oben entsteht 700 Grad Celsius heiße Luft, die eingesaugt und in einen Kreislauf geleitet wird. Am Ende treibt sie eine Turbine an. Sie ist - im weitesten Sinne - eine hypermoderne Dampfmaschine.
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