Jülich: Putzkolonne gegen braunes Geschmiere in der Mache

Von: Guido Jansen
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Tipps gegen braunes Reviermarkierungsverhalten: Patrick Fels referierte über den Wandel in der rechten Szene. Offenkundig erkennbar sind Gruppen wie die NSJ heute nur noch selten. Foto: Guido Jansen

Jülich. Springerstiefel, Bomberjacke, Glatze: fertig ist der Rechte. So war´s vor zehn Jahren. Einfaches Weltbild, eindeutiges Erscheinungsbild, „das funktioniert in NRW heute nicht mehr“, sagte Patrick Fels von der Info- und Bildungsstelle gegen Rechtsextremismus (ibs) in Köln.

„Viele Rechte heute tragen das, was junge Menschen so tragen. Sie sehen aus wie Skater, Punks oder Stinknormale.“ Fels war der Einladung der Jülicher und Linnicher Jungsozialisten und der Jülicher SPD gefolgt und hielt im Kulturbahnhof einen Vortrag über aktuelle Tendenzen in der Rechten Szene, auch mit Blick auf die in jüngster Zeit aufgetretenen Schmierereien in Jülich. An vielen Stellen taucht neben Hakenkreuzen immer wieder der Schriftzug NSJ auf, also Nationale Sozialisten Jülich. Kernfrage seines Vortrags und der anschließenden Diskussionsrunde: Was kann die Gesellschaft tun, um rechten Tendenzen entgegenzutreten?

Mit bloßen Auge zu erkennen seien Gruppen wie die NSJ nicht mehr. Spätestens seit dem Verbot der Kameradschaft Aachener Land hätten rechte Gruppen ihre Taktik geändert. Sie verwenden Symbole und Namen, die auf den ersten Blick unverdächtig seien, wie die Marke Rheinland, die als Schriftzug häufig auf T-Shirts zu finden sei. Der Schriftzug Rheinland sei oft in Kombination mit dem Wappen der preußischen Rheinprovinz vor der deutschen Reichsgründung 1871 zu sehen. Nicht verboten, aber eine Tendenz ist trotzdem zu erkennen.

Auch für den Referenten endete der Abend mit neuen Erkenntnissen. Beispielsweise was die Größe der NSJ-Gruppe angehe. Vier bis fünf, so die Schätzung bei der ibs. Aus der Reihe der rund 100 Zuhörer war zu hören, dass es einen Kern von einer Hand voll Aktivisten gebe, dazu etwa zehn Handlanger. Die Namen seien bekannt. „Deswegen verstehen wir nicht, warum die Polizei da nicht durchgreift.“ Dieser Tenor war aus den Reihen des Publikums häufiger zu hören. Zur Taktik der Polizei machte Fels keine Angaben. Aber er gab Hinweise, wie die Jülicher selbst entgegenwirken könnten. Beispielsweise mit groß angelegten, öffentlichen Putzaktionen, mit denen die Stadt von radikalen Schmierereien befreit werde.

„Es ärgert solche Gruppen, wenn sie immer wieder Aufwand betreiben müssen, um ihr Revier zu markieren“, sagte Fels. Je öffentlicher diese Aktionen stattfänden, desto mehr Aufmerksamkeit würde entstehen. Und desto riskanter werde es für die NSJ, immer wieder mit Schmierereien auf sich aufmerksam zu machen. Deswegen sei es auch sinnvoll, das Thema in der Öffentlichkeit zu diskutieren, statt es totzuschweigen; trotz der Nebenwirkung, dass die Rechten so kurzfristig mehr Aufmerksamkeit erhalten. Genau das sei ein probates Mittel, um zu verhindern, dass die Gruppe mit ihrem Reviermarkierungsverhalten Zulauf erhält.

Die Bereitschaft, eine Putztruppe gegen braune Schmierereien zu bilden, war groß. Als David Merz am Ende der Diskussion fragte, wer dabei sei, gingen alle Hände im Kulturbahnhof nach oben. Die Schlange derer war lang, die sich spontan auf einer Kontaktliste zwecks Rekrutierung der Putzkolonne eingetragen haben.

Die Unterschriftenliste der Jülicher Erklärung gegen Rassismus, die schon am Donnerstagmittag auf dem Jülicher Markt signiert werden konnte, wurde im Kulturbahnhof noch einmal länger, unter anderem mit der Unterschrift von Bürgermeister Heinrich Stommel. „Hier in Jülich passieren viele gute Sachen“, lobte Patrick Fels das Engagement schon zu Beginn seines Vortrags.

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