Jülich lebt von 110.000 Volt Spannung

Von: Thomas Mauer
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Hier herrscht strenge Sicherheit, das Umspannwerk der Stadtwerke Jülich ist kein Spielplatz, denn Strom in dieser Stärke ist lebensgefährlich. Foto: Mauer
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Auch der Leiter Netzbetrieb, Willi Blick, hat Respekt vor der Elektrizität. Dennoch muss der Kontrollblick sein im Umspannwerk in Jülich. Foto: Maurer
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Zwischenstation: Blick in eine Umspann-Station in der Stadt.

Jülich. Unser Strom rieselt nicht aus der Steckdose, auch wenn dieser Scherz landauf, landab die Runde macht. Spätestens wenn die Sicherung auslöst, tauchen zwangsläufig Fragen zur Herkunft des Stroms und seiner Wirkung auf. Elektrizität ist stark. Spätestens beim nächsten Gewitter, wenn Blitze über den Himmel zucken, wird dies jedem Menschen bewusst. Wie aber kommt dieser Strom nun bis in die Steckdose?

In Jülich sorgen dafür die Stadtwerke. An ihrer Spitze „herrscht“ Willi Blick, der Leiter Netzbetrieb. Den Titel hört er nicht so gern und bekennt freimütig: „Ich habe Respekt vor dem Strom.“ Immerhin versorgt Willi Blick mit seinen Mitarbeitern die gesamte Stadt mit Strom, 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Schaltjahre auch.

Unser Strom kommt zunächst aus den Hochspannungs-Leitungen von Westnetz (110.000 Volt) im Umspannungswerk an. Das steht am Rand der Stadt. Über armdicke Leitungen fließt der Strom mit einer Spannung von 110.000 Volt (110 Kilo-Volt) in die Umspannanlage. Zwei Transformatoren regeln diese Spannung auf 10 kV (Kilo-Volt) herunter. Das Forschungszentrum benutzt eigene Hochspannungs-Einspeisungen und Transformatoren. Die Arbeitsweise dieser Transformatoren ähnelt der eines Reglers bei einer elektrischen Hobby-Eisenbahn.

Aus dem Umspannwerk geht es dann in die Stadt. Wie ein Aderwerk durchziehen die Versorgungsleitungen das Stadtgebiet, immer wieder unterbrochen durch kleinere Umspann-Stationen. Die Stromkabel sind unter dem Straßenbelag verlegt und ringförmig miteinander verknüpft. „Wenn eine Station ausfällt, können wir aus einer anderen Richtung die Häuser mit Strom versorgen und müssen dazu nicht ganze Straßenzüge lahmlegen“, erklärt Willi Blick. Das System ist so ausgeklügelt, dass innerhalb kürzester Zeit der „Störenfried“ ausgemacht und isoliert wird. Dann können die Reparaturtrupps den Schaden beheben.

Hohe Sicherheitsstandards

Überwacht wird dieser elektrische Fluss an zentraler Stelle. Auf einem Leitstellen-System kann Willi Blick schnell erkennen, wenn eine Störung auftritt und sofort reagieren.

Von den Umspann-Stationen in den Straßen geht es schließlich bis zu den einzelnen Häusern. Die Sicherheit wird überall groß geschrieben. Deshalb ist an allen technischen Einrichtungen viel Isolierung zu erkennen.

„Alle unsere Mitarbeiter sind gut ausgebildet und haben ihre persönliche Schutzausrüstung immer dabei.“ Bislang ist es erst zu einem Unfall bei Reparaturarbeiten gekommen.

Am Hausanschlusskasten, beziehungsweise am Stromzähler, endet schließlich die Zuständigkeit der Stadtwerke. Sie bauen die Zähler ein und verplomben sie. Bei der Hausinstallation muss dann der Elektriker ran. Der hat es dann allerdings nur mit einer Spannung von 240 Volt zu tun. Alle Arbeiten am Strom bergen Gefahren und müssen mit großer Sorgfalt und Vorsicht behandelt werden.

Wenn also der Toaster kaputt geht, lösen beim Verbraucher die Sicherungen aus. Wenn der Bagger beim Ausschachten an der Straße versehentlich ein Stromkabel erwischt, fliegt die Sicherung ebenfalls raus, diesmal allerdings bei den Stadtwerken. Damit in diesem Fall nicht die ganze Stadt betroffen ist, haben die Stadtwerke ein filigranes Versorgungsnetz aufgebaut, so dass immer nur einzelne Straßenbereiche betroffen sind.

Erst wenn das Umspannwerk selbst Schaden nehmen würde, wäre ganz Jülich betroffen. „Und die Wahrscheinlichkeit dafür ist extrem gering“, betont Willi Blick.

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