Jülich klärt bald auch für Aldenhoven

Von: Volker Uerlings
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Optisch und technisch in hervorragendem Zustand, gelegentlich eine Herausforderung für den Geruchssinn: die Kläranlage Jülich. Foto: WVER

Jülich/Aldenhoven. Das Vorhaben ist nicht neu, nimmt nun aber konkrete Formen an. Neben den Abwässern aus Jülich und Titz soll die Kläranlage der Herzogstadt in absehbarer Zeit auch das aus der Gemeinde Aldenhoven reinwaschen. Das kann und wird Folgen haben für viele tausend Gebührenzahler im Nordkreis.

Technisch ist das machbar und zudem im Vergleich die für alle günstigste Lösung. Diese Rechnung macht der Wasserverband Eifel-Rur (WVER) auf, dessen Vertreter Thomas Rolfs im Jülicher Planungsausschuss das Vorhaben vorstellte. Kurzum: Die Haushalte in Jülich und Titz würden entlastet, die in Aldenhoven nicht so stark belastet wie bei einer Sanierung der dortigen Aufbereitungsanlage.

Das Klärwerk der Merzbachgemeinde ist Auslöser der Überlegungen, denn es „steht vor einer Welle an Erneuerungen“. Es sei „klein und alt, Genehmigungen sind abgelaufen“, sagte Thomas Rolfs im Jülicher Rathaus. Um nur einen ordentlichen Zustand zu erreichen, wären „enorme Investitionen notwendig“: 10,4 Millionen Euro.

Noch „Luft nach oben“

Der WVER denkt weiter und hat die Jülicher Kläranlage ins Auge gefasst, die „unterlastet“ sei. Ihre Kapazitäten sind für 83.000 Einwohner-Einheiten ausgelegt, was allerdings nicht nur die Haushalte, sondern auch die gewerblichen und industriellen Abwässer umfasst. Dieser Wert ist hoch gegriffen. Nach neuesten Erkenntnissen rechnet der Wasserverband für Jülich nun mit nur knapp 59.000 Einheiten. Hierin enthalten ist noch „Luft nach oben“ in Höhe von 10000 Einwohnereinheiten.

Einige Titzer Ortsteile nehmen die Anlage mit 8000 Einheiten in Anspruch. Kämen die 16600 aus Aldenhoven hinzu, könnte die Wasseraufbereitung in Jülich maximal ausgelastet werden. Thomas Rolfs mit Blick auf die im Vergleich zu den Alternativen wesentlich günstigeren Kosten: „Alle wären Gewinner.“

Das Abwasser aus Aldenhoven müsste per Druckleitung nach Jülich transportiert werden. Auch das kostet Geld, nämlich geschätzt 3,5 Millionen Euro, aber erheblich weniger als eine Komplettsanierung der Kläranlage Aldenhoven. Die unter Kostengesichtspunkten wichtigste Frage für den WVER war laut Rolfs: Ist in Jülich nun der Neubau eines weiteren Nachklärbeckens notwendig? Die Experten glauben, dass das nicht der Fall ist, sondern eine „Optimierung“ ausreichen sollte. Davon geht der Verband nach intensiver Prüfung aus, sagte Thomas Rolfs im Jülicher Fachausschuss.

Unter dem Strich müssen auch diese Pläne bezahlt werden und sorgen für eine Erhöhung der Beiträge der Kommunen an den Wasserverband Eifel-Rur, die über die Abwassergebühren auf alle Zahlungspflichtigen umgelegt werden.

Jülich/Titz sparen 270.000 Euro

Nach einer Prognose profitieren aber die Haushalte und Betriebe in Jülich und Titz, weil die Kläranlagenkosten nicht mehr nur von zwei, sondern von drei Kommunen genutzt und finanziert werden. In Zahlen: Die Stadt Jülich könnte 175.000 Euro pro Jahr sparen, die Gemeinde Titz 93.000 Euro, wie Thomas Rolfs im Ausschuss darlegte. Auf die Gemeinde Aldenhoven kämen Mehrkosten von 803.000 Euro zu, was aber viel weniger wäre als bei einer Kläranlagensanierung. Zieht man von diesem Betrag die bisherigen Beiträge (rund 225.000 Euro) ab, verbleiben effektive Mehrkosten von 570.000 Euro. Bei einer Kläranlagensanierung in Aldenhoven wären eine Million Euro Mehrkosten fällig geworden. Wenn das so eintritt, wären tatsächlich alle Kommunen und Gebührenzahler „Gewinner“.

Die Jülicher Politiker hatten eine Sorge: Sind alle geplanten Projekte – Gewerbegebiet Merscher Höhe, mögliche neue Baugebiete – in den Berechnungen enthalten? Darauf Rolfs: „Die Merscher Höhe ist drin. Hier passiert nichts, was die Entwicklungsmöglichkeiten in Jülich beschränkt.“

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