Jülich ist mit seiner Mauer zur Stadt gereift

Von: Guido Jansen
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In einem Hinterhof an der Poststraße ist die einstmals knapp 1000 Meter lange Jülicher Stadtmauer noch weitgehend erhalten; beziehungsweise der innere Teil der zweischichtigen Mauer. Foto: Jansen
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Bekanntester Teil der alten Stadtmauer und ein Jülicher Wahrzeichen: der Hexenturm.

Jülich. Der Jülicher Hexenturm ist das bekannteste Bauwerk der Stadt aus der Zeit vor der Renaissance. Entstanden ist das Tor im 14. Jahrhundert, also im späten Mittelalter. Er hat seinem Namen alle Ehre gemacht, weil er zeitweilig ein Gefängnis war, in das Menschen eingesperrt waren, die der Hexerei bezichtigt wurden. Aber warum steht der Hexenturm da, wo er steht?

Um das zu beantworten, muss man zurückblicken in die Bauzeit des Turms und ein Stück weiter in die Vergangenheit. Neben vermutlich wenigstens drei anderen Toren war der Hexenturm Teil der mittelalterlichen Stadtmauer, die in leicht ovaler Form mit einem Radius von 150 bis 200 Meter rund um den heutigen Marktplatz verlief. „Dazu muss man wissen, dass da, wo heute der Marktplatz ist, früher das römische Kastell gestanden hat, das später den Jülicher Grafen als Burg gedient hat“, sagt Marcell Perse vom Museum Jülich.

Das Kastell erklärt viel, beispielsweise auch, warum die Propsteikirche weder die typisch christliche Ostausrichtung hat, noch ins Raster der Stadtplanung passt, die Alessandro Pasqualini im 16. Jahrhundert im Rahmen des Zitadellenbaus und der Umstrukturierung Jülichs in eine Idealstadt der Renaissance vorgenommen hat. Das Kastell ist der Grund, warum die Propstei vermeintlich schief im Stadtbild steht.

Die Mauer war eine Folge des Handelns von Graf Wilhelm IV., der Jülich im frühen 13. Jahrhundert das Stadtrecht verlieh. Dazu war er eigentlich nicht befugt, heute würde man von Amtsanmaßung sprechen. Im Mittelalter sind Adelshäuser auch oft gewachsen, weil sie Dinge getan haben, die eigentlich eine Liga zu hoch waren für sie, die aber trotzdem Bestand hatten. So wie das Jülicher Stadtrecht und die Tatsache, dass die Herren von Jülich ein solches vergeben konnten.

Dem Anspruch, Stadt zu sein, folgte ein Jahrhundert später die Tat mit dem Bau der Mauer. „Eine Mauer war damals ein unbedingt notwendiges Kennzeichen einer Stadt“, sagte Perse. Und natürlich diente sie auch dem Schutz und der militärischen Befestigung; auch wenn es zur Bauzeit im 14. Jahrhundert keine Wikinger, Hunnen oder andere Angreifer gab.

Die Mauer hat ihre Bedeutung nach zwei Jahrhunderten wieder verloren. Den Geschützen, mit denen Kaiser Karl V. im Krieg um Geldern auf Jülich vorrückte, konnten die Mauern nicht standhalten. Das hatte der Jülicher Herzog Wilhelm V. zuvor 1543 schon schmerzlich in Nideggen oder Düren festgestellt. Also öffnete er dem Kaiser die Tore, um die Stadt zu verschonen.

Wenige Jahre später hat Pasqualini dann die Stadtmauer einfach überplant. Da, wo sie nicht ins Konzept passte, verschwand sie. „Die Steine sind damals natürlich auch dankbares Baumaterial gewesen“, erklärt Perse. So waren weite Teile der Mauer schon verschwunden, bevor der Zweite Weltkrieg tobte.

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