Jülich ist hungrig auf die Tischtennis-Sensation im Pokal

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Miroslav Broda (v.l.), seit Sommer Trainer des Tischtennis-Zweitligisten TTC Indeland Jülich, mit seinen beiden Spielern Yoshihiro Ozawa und Hermann Muehlbach. Mannschaft, Coach und Verein fiebern schon der Pokal-Finalrunde am Wochenende in Fulda entgegen. Foto: Kròl

Jülich. Frisch gestärkt durch den hart erkämpften 6:4-Heimerfolg über den ärgsten Verfolger Borussia Dortmund freut sich Tischtennis-Zweitligist TTC Indeland Jülich auf ein ganz spezielles Wochenende, denn die Herzogstädter treten am Samstag um 17 Uhr im Viertelfinale der Deutschen Pokalmeisterschaft gegen den 1. FC Saarbrücken TT an – Tabellendritter der Bundesliga und amtierender Europacup-Gewinner.

Vor der mit Spannung erwarteten Pokalpartie in der Fuldaer Esperantohalle sprach unser Redakteur Antonius Wolters mit TTC-Trainer Miroslav Broda über die Hinserie in der 2. Tischtennis-Bundesliga und die Aussichten des einzigen Zweitligisten in der Finalrunde des Pokals.

Herr Broda, Sie waren während Ihrer aktiven Zeit ein erfolgreicher Spieler und sind heute ein erfolgreicher Trainer. Was machen Sie lieber?

Broda: Beides hat seine Reize. Ich hab gerne gespielt und auch gute Ergebnisse gehabt und mir dann vor viereinhalb Jahren eine Knieverletzung zugezogen, so dass ich da nichts mehr machen kann. Sonst könnte ich in Jülich noch in der 2. Mannschaft spielen, aber ich kann nicht mehr spielen, weil ich mich nicht mehr richtig bewegen kann, dann geht das nicht. Die Trainerarbeit jetzt mache ich sehr gerne. Für mich ist jedes Spiel so wie ein Schachspiel. Jeder Gegner in der 2. Bundesliga, gegen den wir gespielt haben, hat Schwächen, die muss man nur anspielen. Dazu braucht man auch das technische Know-how, dass man sie so anspielen kann. Das waren für die Jungs hier in Jülich am Anfang noch neue Ideen, die sie normalerweise nicht machen, und sie fangen langsam an, das zu verstehen und sehen: Ja, das sind gute Ideen und das muss ich mir in meinem Training anarbeiten. Aber sie trauen sich das im Moment noch nicht ganz zu. Wenn das dann noch mehr funktioniert, glaube ich, haben wir noch bessere Ergebnisse.

Die neue eingleisige 2. Bundesliga war für alle Neuland. Was haben Sie von der Liga erwartet?

Broda: Für mich war das auch ganz neu. Ich kann nicht vergleichen wie zum Beispiel Johannes Dimmig, der hier zehn Jahre lang Trainer war. Ich habe die Mannschaften auch persönlich nicht gekannt. Ein paar Namen, natürlich, da spielen auch ein paar Leute aus Tschechien. Für uns war zunächst einmal das Ziel, nicht abzusteigen und irgendwo gut in der Mitte zu spielen. Dass wir jetzt Erster sind ist natürlich erfreulich und ich hoffe, dass nach dem letzten Spiel, in dem auch unser Holländer wieder so gut gespielt hat, dass er wieder da ist. So sind wir als Vierer-Mannschaft wieder sehr gefährlich.

Was hat Sie denn am meisten überrascht in der Halbserie?

Broda: Dass wir Erster sind.

Wie sind denn jetzt die Chancen gegen Saarbrücken?

Broda: Gering, natürlich. Die sind jetzt Dritter in der Bundesliga, spielen Champions League, haben eine sehr gute Mannschaft, alle sind international sehr erfahren. Es wird sehr schwer, einen Punkt zu holen bei denen. 1:3 wäre schon ein sehr gutes Ergebnis. Aber wir fahren da nicht hin, um einfach nur mitzuspielen. Wir sind alle hungrig, die Jungs freuen sich sehr und ich auch und ich hoffe, dass wir gegen Saarbrücken gewinnen.

Worauf kommt es beim Coaching der Mannschaft an?

Broda: Ich sitze nicht beim Coachen, ich stehe. Und wenn ich stehe, dann bewege ich mich auch. Ich muss es sehen, wie als Spieler, aus meiner Perspektive. Ich gucke mir das Spiel von links, von rechts an, dann sehe ich die Aufschläge, wie die kommen. So kann ich das Spiel besser lesen. Vor allem ist es das Aufschlag- und Rückschlag-Spiel, das entscheidet. Ich habe keinen Abwehrspieler gesehen bei uns in der 2. Liga, der einfach nur passiv spielt und damit gewinnt. Das geht nicht. In der 2. Liga ist das Niveau schon so hoch, das Tempo so hoch, dass man einen da gleich angreifen muss. Wenn ich aber die Mittel nicht habe, dann kann ich nicht zum Punkt kommen. Beim Aufschlag-Rückschlag-Spiel ist es erfolgversprechender, die Ecken anzuspielen, die der Gegner nicht kann. Ich kenne in der 2. Bundesliga keinen Gegner, von dem ich sagen könnte, da ist keine Schwäche. Jeder Spieler hat Schwächen, deshalb spielt er 2. Liga und nicht erste.

Wie viel Prozent macht die Psychologie aus für den Ausgang des Spiels?

Broda: Sehr viel. Das sieht man bei unserem Holländer Ewout Oostwouder, wie der jetzt am Anfang der Saison sehr gut gespielt hat und dann ein Spiel verloren hat – dann war der mental total down, obwohl der im Doppel immer gut gespielt hat. Fast jedes Spiel war er im Doppel besser als unsere Nummer Eins Jean Lauric, denn dann wird die Verantwortung ja geteilt. Ich wusste, dass er spielen kann, er hatte eigentlich kaum Schwächen, nur mental klappte es nicht. Das weiß jeder, der Tischtennis gespielt hat: Wenn man im Kopf nicht klar ist, dann kann man machen, was man will. Irgendwann muss der Knackpunkt kommen. Ich bin mir sicher, wenn der jetzt gegen Dortmund sein erstes Einzel verloren hätte, dann hätten wir wahrscheinlich auch verloren. Aber so hat er gewonnen und war mit dem Kopf da. Der Chinese bei Dortmund hat zuerst gegen unseren Japaner Yoshihiro Ozawa gewonnen, spielt hoch positiv. Doch dann hat er keine Chance gehabt gegen Ewout. Er war da, ich habe es gesehen, seine Körpersprache, er hat gewusst, dass er gewinnt. Das war so sicher. Der hat keine leichten Fehler gemacht und schwere Bälle gespielt. Das hat viel Spaß gemacht zuzuschauen.

Wie sind die Voraussetzungen des TTC für die Pokal-Meisterschaft?

Broda: Wir können da kurz vor Weihnachten unbeschwert aufspielen, mit den Zuschauern essen gehen, fast alle schlafen da, locker aufspielen, aber: Ich war selbst Sportler und die Jungs sind hungrig genug, und es ist alles möglich.

Im Fußball heißt es: Der Pokal hat seine eigenen Gesetze. Ist das auch im Tischtennis so?

Broda: Es ist nur ein Spiel. In einem anderen Wettbewerb kann man das Ergebnis noch korrigieren, aber hier gilt: Wer verliert, fährt nach Hause. Wenn Hermann Mühlbach gesund bleibt und das erste Spiel gewinnen sollte, dann sind wir dabei. Der Hermann muss spielen. Wenn nicht, dann sieht es schlecht für uns aus.

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