Jülich ist 308 Millionen wert

Von: Volker Uerlings
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Kämmerer Andreas Prömpers bedient den Scanner, der einen Barcodes ausliest. Das Finanzteam begutachtet den Chef fachkundig, denn die Mitarbeiter mussten 20 000 dieser Aufkleber anbringen. Foto: Uerlings

Jülich. Gut Ding will Weile haben. Und so hat die Stadt Jülich die „Eröffnungsbilanz zum 01.01.2009” leicht verspätet vorgelegt: mit dem „Segen” des Stadtrates am 5. Juli 2012, also gut zweieinhalb Jahre danach.

Kämmerer Andreas Prömpers und sein Team standen vor einer Mammutaufgabe, denn sie hatten sämtlichen Besitz der Herzogstadt aufzulisten und nach einem komplizierten Verfahren zu bewerten. Das Ergebnis liest sich beeindruckend: Jülich ist rund 308 Millionen Euro „wert”. Auf diese Summe addieren sich alle Besitztümer, die auf der Aktiva-Seite der Eröffnungsbilanz zu finden sind.

Das Zahlenwerk liefert wichtige Erkenntnisse und listet neben dem Haben auch die Soll-Seite auf, die Schulden. Zieht man die eine von der anderen Seite ab, ermittelt man das „Eigenkapital”. Hier bringt es Jülich auf 108 Millionen Euro.

Das ist zwar eine „Buchungsgröße”, aber doch von Bedeutung, denn wenn eine Kommune mehr ausgibt als sie einnimmt, dann verringert sich das Eigenkapital. Das geht auch im Falle der Herzogstadt rasant. „Unser gesamtes Kapital wird schon in Bälde aufgezehrt sein”, bekennt Andreas Prömpers. Ganz genau lässt es sich nicht sagen, aber in sechs Jahren, 2018, könnte das der Fall sein.

Wenn es so kommen sollte, ist die Stadt überschuldet und muss selbst ihre Pflichtaufgaben wie etwa die Kinderbetreuung (U 3) mit Krediten finanzieren. „Ein Gegensteuern ist somit dringend erforderlich. In weiten Teilen sind allerdings die Faktoren, die zu diesem Defizit führen, nicht zu beeinflussen. Selbst wenn alle so genannten freiwilligen Ausgaben gestrichen würden, würden die Einsparungen nicht zum Erreichen eines Haushaltsausgleichs ausreichen”, heißt es in der 160 Seiten starken Eröffnungsbilanz, die von Bürgermeister Heinrich Stommel und dem Kämmerer unterzeichnet ist.

Trotz dieser düsteren Aussichten ist das Team der Kämmerei wohl erst einmal erleichtert, den überfälligen Kraftakt auch geschafft zu haben. Die Politik war daran beteiligt. Von November 2011 bis letzte Woche tagte allein wegen der Bilanz achtmal der Rechnungsprüfungsausschuss.

Dass die Aufgabe äußert umfangreich war, verdeutlichen ein paar Zahlen: Die Beschäftigten der Verwaltung mussten allein 20.000 Barcodes auf Gegenstände der Betriebs- und Geschäftsausstattung kleben, vom Stuhl über den alten Schrank und Maschinen im Bauhof bis hin zu Kleinteilen. Das Inventar lässt sich so bei einer Inventur relativ leicht mit einem Handscanner erfassen.

Wie opulent ist aber nun der Besitz der Stadt? Die Bilanz weist 3600 Grundstücke aus. „Das kleinste ist weniger als einen Quadratmeter groß, das größte sicher das Gelände rund um den Barmener Baggersee”, berichtet Prömpers. Zum 1. Januar 2009 nannte die Stadt 120 Gebäude ihr eigen, einige davon sind inzwischen an die Stadtentwicklungsgesellschaft übergegangen.

Beim Vermögen stechen drei Positionen hervor: das Straßennetz mit Wegen und Plätzen wird mit 68,67 Millionen Euro bewertet, die städtischen Schulen mit 54,1 Millionen Euro und die Grünflächen mit 31,4 Millionen Euro.

Mit dieser großen Liste liegen nun übrigens auch genaue Abschreibungswerte vor. Sie waren nach der alten (kameralen) Haushaltsführung „unschädlich”, werden nun aber in die Bilanz eingearbeitet.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel: Bei aller Erleichterung, rechtzeitig vor der Sommerpause das Großprojekt abgeschlossen zu haben, ist für mehr als eine kleine schöpferische Verschnaufpause keine Zeit. Mit dem Fertigstellen der Eröffnungsbilanz liegen nun alle Zahlen dafür vor, die seit 2009 offenen Jahresabschlüsse fertigzustellen.

Der Stadtrat hat das Zahlenwerk einstimmig „festgestellt”, wie es offiziell heißt. Sechs Mitglieder enthielten sich.
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