Jülich bekommt sechsten Rurtalbahn-Haltepunkt

Von: Volker Uerlings
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In den Bahnhöfen Krauthausen, Jülich (Bild) und Linnich rüstet die Rurtalbahn auf digitale Signaltechnik um und verändert teilweise die Gleisführung, um Zeit im Fahrplan zu gewinnen. Das ermöglicht den Bau eines sechsten Haltepunktes nahe des Jülicher Schulzentrums. Foto: Wolters

Jülich. Verspätungen sind der natürliche Feind von Verkehrsbetrieben. Aber die Nachricht, dass der für 2013 vorgesehene Bau des sechsten Rurtalbahn-Haltepunktes im Jülicher Stadtgebiet fünf Jahre später realisiert wird, löste am Donnerstag nur Freude aus. Politik und Verwaltung in der Herzogstadt hatten wohl angesichts ungewisser Finanzierung überhaupt nicht mehr damit gerechnet.

Doch die Verantwortlichen der Rurtalbahn blieben am Drücker, suchten nach Wegen und wurden fündig. Im Norden Jülichs sorgt der Haltepunkt „An den Aspen“ Mitte 2018 dafür, dass viele hundert Kinder und Jugendliche das Schulzentrum in der Linnicher Straße oder die Schirmerschule auch per Bahn erreichen können. Er wird zwischen Jülich-Nord und Broich eingerichtet.

Die frohe Kunde überbrachte Christoph Gödecke, Geschäftsbereichsleiter Planung bei der Rurtalbahn, im Fachausschuss: „Jetzt passt es. Der Halt ,An den Aspen‘ wird für uns auch betrieblich bedienbar.“ Der Fachmann nennt damit einen zweiten Grund neben der fehlenden Finanzierung durch die Nahverkehr Rheinland (NVR) GmbH, der den Bau dieses Bahnsteiges erschwert hat: Ein weiterer Stopp kostet nämlich im engen Fahrplankorsett der Rurtalbahn Zeit und gefährdet weitere Verbindungen. Die Integration von „An den Aspen“ in den Fahrplan wäre eine schwierige Übung geworden, wenn das Geld schon vor drei Jahren zur Verfügung gestanden hätte. Die Probleme wurden praktisch per Rundumschlag gelöst.

Auf dem Gleis-Ast im Norden des Kreises Düren – von Krauthausen bis Linnich – setzt der Verkehrsbetrieb an mehreren Bahnhöfen eine „signaltechnische Optimierung“ um, die am Ende bis zu drei Minuten Zeitersparnis pro Richtung bringt (siehe unten). Hierbei handelt es sich um ein laufendes und grundsätzlich genehmigtes Förderprogramm, mit dem auch der zusätzliche Halt „An den Aspen“ für geschätzte Gesamtkosten von 400.000 Euro zu stemmen ist. Die Stadt muss einen Eigenanteil von zehn Prozent aufbringen, also 40.000 Euro. „Wir können schon am Projekt arbeiten“, sagte Christoph Gödecke im Jülicher Rathaus. Der Zeitplan steht: Bis Mai sollen die Genehmigungsunterlagen beim RP eingereicht, bis Juni ein Vertrag mit der Stadt geschlossen und das Projekt im Oktober ausgeschrieben werden. „Wir wollen bis Mitte 2018 mit dem Haltepunkt in Betrieb gehen.“

Der für Laien schwer nachzuvollziehende Unterschied in der Finanzierung: Im ersten Anlauf galt der Bau des Bahnsteiges als neues Einzelprojekt, für das die Nahverkehr Rheinland GmbH vorläufig keine Mittel sah. Jetzt wird das Geld aus einem bereits bewilligten Maßnahmenpaket mitbezahlt. Aufgabe der NVR in Köln als eine Art Dachgesellschaft ist es, auch die Schienen-Infrastruktur bedarfsgerecht zu verbessern. „Wir mussten beim Nahverkehr Rheinland niemanden groß überreden“, sagte Christoph Gödecke im Gespräch mit unserer Zeitung, denn durch die in eine Optimierung eingebettete Maßnahme „An den Aspen“ erschließt die Rurtalbahn nebenbei neue Fahrgastpotenziale: Schüler.

Bislang gibt es in der Stadt die fünf Haltepunkte Selgersdorf, Forschungszentrum, Bahnhof, Jülich-Nord und Broich.

Sechs Millionen Euro teure Optimierung von Krauthausen bis Linnich

Hinter der Formulierung „signaltechnische Optimierung“ verbirgt sich die Umstellung von Relais- auf Digitaltechnik, die laut Christoph Gödecke (Rurtalbahn) in den Bahnhöfen Krauthausen, Jülich und Linnich vorgenommen wird. In Huchem-Stammeln sei das bereits 2009 passiert.

Diese Modernisierung sei fällig, da die Relais altersbedingt störanfällig geworden seien. Das Maßnahmenpaket ist insgesamt sechs Millionen Euro teuer und schließt auch Veränderungen „der Gleisgeometrie“ ein. So werden im Bahnhof Krauthausen Weichen verlegt, damit sich künftig auch längere Züge begegnen können. Im Niederzierer Ortsteil werde zudem der Bahnübergang Eilener Weg nunmehr technisch gesichert, wo bislang nur Andreaskreuze stehen.

Im Jülicher Bahnhof erfolgt eine Gleis- und Weichenneugestaltung, weil die Rurtalbahn derzeit bei jeder Einfahrt abbremsen muss und Tempo verliert. Die vielen kleinen Veränderungen summieren sich auf dem Nordast der Rurtalbahn pro Richtung auf bis zu drei Minuten. Dieser Puffer erlaube es einerseits, in Jülich einen weiteren Halt einzurichten und schaffe andererseits „mehr Anschlusssicherheit im Bahnhof Düren“, sagte Christoph Gödecke, Geschäftsbereichsleiter Planung bei der Rurtalbahn.

Ab Dezember sollen auf den Gleisen im Dürener Nordkreis neue Fahrzeuge eingesetzt werden.

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