Rödingen - Judaistin referiert in Rödingen über „Jüdische Presse im Rheinland”

Judaistin referiert in Rödingen über „Jüdische Presse im Rheinland”

Von: ptj
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Vom „Kuriösen Antiquarius” zu „Hagalil”: Judaistin Dr. Ursula Reuter zählt zu den Referenten im LVR-Kulturhaus Landsynagoge, die „die Themen der Ausstellung vertiefen”. Foto: Jagodzinska

Rödingen. Was ist eine jüdische Zeitung? Nach Definition einer jüdischen Journalistin schreiben in diesem Medium jüdische Autoren für jüdisches Publikum über jüdische Themen - „aber nicht nur”. Antworten auf Fragen wie diese hat die Kölner Judaistin Dr. Ursula Reuter im LVR-Kulturhaus Landsynagoge in Rödingen in ihrem informativen Referat über die „Jüdische Presse im Rheinland” gegeben.

Die erste jüdische Zeitung wurde 1672 in Amsterdam gedruckt. In Deutschland erschien 1752 in Neuwied im „toleranten Rheinland” das erste jüdische Blatt in jiddischer Sprache: „Der kuriöse Antiquarius”, der wahrscheinlich nur ein einzige Mal erschien, war in hebräischen Lettern gedruckt, weil viele Juden die lateinische Schrift nicht lesen konnten. Kurios war auch der Ort, wo ein Fragment des Journals aufgefunden wurde: ein jüdischer Lagerraum für religiöse Literatur in Freudental.

„Der große Schauplatz”

Die zweite jüdische Zeitung „Der große Schauplatz” sollte halbjährig erscheinen, „wenn sie das Interesse des geneigten Publikums trifft”. Diese geschickte Bemerkung des Herausgebers trifft den Kern des Problems: „In Deutschland erschien keine jüdische Tageszeitung wie in Polen oder den USA. Die jüdische Zeitung war immer die zweite oder dritte, die man kaufte”, sagte die Referentin, die mit ihrem Vortrag laut Judaistin Monika Grübel „zu ihren wissenschaftlichen Wurzeln zurückkehrte”.

Den numerisch größten Teil der jüdischen Presse machten die Wochenblätter wie Fach- und Vereinszeitschriften aus, mit deren jeweiliger Weltanschauung sich der Leser identifizierte. „Eine Leserforschung, wie Juden damals Zeitung gelesen haben, ist in diesem Fall nicht zu leisten”, bedauerte Reuter. Ihr goldenes Zeitalter erreichte die jüdische Presse mit mehr als 100 verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften um 1930 in der Weimarer Republik. 1928 war die internationale Presse-Ausstellung (Pressa) auf dem Kölner Messegelände auch mit einem jüdischen Pavillon ausgestattet, wo die deutsche und die zionistische Flagge wehten und 1000 jüdische Zeitungen und Zeitschriften in etwa 30 Sprachen offeriert wurden.

Meist waren die Blätter stark von den differierenden religiösen Weltanschauungen geprägt, wie „Der Israelit” (1860 bis 1938), für thoratreue Juden oder die „C.V.-Zeitung” (1922 bis 1938) für deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens. Mit dem Aufkommen des Antisemitismus und Zionismus wurden die Inhalte mehr und mehr politisch wie „Im Deutschen Reich” (1895 bis 1922).

Um 1875 konkurrierten in Bonn die beiden Blätter „Reform” (für der Reform zugewandte Juden) und „Israelitischer Bote” (für die Landjuden) heftig miteinander. Wegen der „sehr großen Bandbreite auseinander driftender Meinungen” waren im 20. Jahrhundert die meist zweisprachigen Gemeindeblätter (russisch/deutsch) relativ stark verbreitet, in denen „man durchaus kritisch sein konnte”.

In der NSDAP-Zeit herrschte nämlich die Nachzensur, nach Erscheinen eines Berichts konnte das Blatt verboten werden. „Fritz Neuländer hat das mutig ausgetestet”. Er wurde aufgrund von Artikeln aus seiner Feder verfolgt. „Die Allgemeine Jüdische Wochenzeitung” war die meist gelesene jüdische Zeitungen nach der Shoa.

Heute heißt sie „Jüdische Allgemeine”, ist die einzige überregionale jüdische Wochenzeitung und das Organ des Zentralrats der Juden. Im digitalen Zeitalter verfügt sie über einen großen Internetauftritt. Doch mitten in der unbegrenzten Verfügbarkeit des Internets entwickelt sich laut Reuter eine „Rückbesinnung auf Orte”, die einen „gewissen Aufbruch zu neuer Lokalpresse” entstehen lässt. „Wo das genau hingehen wird, wird sich zeigen”, schloss Reuter ihren Vortrag.
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