Jülich - Juan Fernandez Madonna: Wiedersehen braucht keine Worte

Juan Fernandez Madonna: Wiedersehen braucht keine Worte

Von: Christina Diels
Letzte Aktualisierung:
Juan Fernandez / Salesmadonna
Sieht nach acht Jahren sein Kunstwerk „Salesmadonna” wieder: Im Bild greift Juan Fernandez mit seiner Hand nach den Figuren seiner Halbplastik aus Bronze in der Jülicher Kirche St. Franz Sales. Das Werk hat er im Auftrag des früheren Pfarrers Günter Esters geschaffen. Foto: Christina Diels

Jülich. Ja wo ist sie denn? Juan Fernandez steht im Eingangsportal von St. Franz Sales und lässt seinen Blick schweifen. Er schaut nach links. Keine Salesmadonna. Fernandez dreht irritiert den Kopf nach rechts. Auch keine Salesmadonna. Der 71-jährige Künstler geht einen Schritt in das Kirchenschiff und entdeckt rechts hinter dem Altar seine Salesmadonna.

Jetzt erinnert er sich, dass seine Halbplastik aus Bronze vorne an der Wand der Kirche hängt.

Das Werk, umrahmt von blauen Emaille-Steinen, wirkt ein bisschen verloren an der hohen weißen Front aus Kalk-Sandstein. Neben einer Kerze ist sie das einzige Schmuckstück. Etwa 1,20 Meter hoch und einen knappen Meter breit ist es.

Fernandez geht ganz nah an die Halbplastik heran. In den Mittelpunkt hat der Künstler mit chilenischen Wurzeln die Gottesmutter mit Kind gerückt. Unterhalb der beiden kommen Franz von Sales und eine Gruppe Menschen aus dem Bild hervor. Fernandez fasst mit seiner linken Hand ihre Köpfe an.

Dann schweigt er eine Weile. Schließlich sagt er: „In der Kunst kann man Inhalte mitteilen, die in Worten nicht beschrieben werden können.” Darin sieht er die Chance der Kunst. „Diese Art der Mitteilung hat viel von einem Geheimnis”, sagt er. Und dann schweigt der Künstler, der seit 40 Jahren in Deutschland lebt, wieder.

Acht Jahre war er nicht in der Kirche im Jülicher Nordviertel. Was denkt er, wenn er nach so langer Zeit wieder einen Blick auf sein Kunstwerk wirft. „Ich musste daran denken, wieviele Werke mit religiösen Bezug ich seitdem geschaffen habe”, verrät er später. 20 bis 30 Werke werden es sein. Mal hat er ein Jahr Arbeit investiert, mal auch drei Jahre.

An der Salesmadonna saß er ein knappes Jahr, erinnert sich der Künstler. Wann genau das war, weiß er nicht. „Meine Frau hat mit mir geschimpft”, erzählt der Mann mit weißem Bart. Weil er weder Initialen noch Jahreszahl auf der Plastik hinterlassen hat. Fernandez muss lachen. Und dann strahlen seine blauen Augen.

Fernandez setzt sich auf eine Kirchenbank und schaut von der Seite auf die Salesmadonna. Er überlegt. Es muss mehr als 15 Jahre her sein, schätzt er, dass er im Auftrag des damaligen Pfarrers Günter Esters das Werk geschaffen hat.

Fernandez, Vater zweier Töchter und Großvater eines Enkels, findet, dass die Menschen heute weniger Sinn für die Kunst haben. „Heute ist alles plakativ”, sagt er. „Auf einem Plakat wird ein Inhalt sofort verständlich vermittelt. Kunst ist der genaue Gegensatz. Für sie muss man sich öffnen”, sagt Fernandez.

Um dem Betrachter zu helfen, sein Kunstwerk zu verstehen, könne er auf die Erdkugel aufmerksam machen, die das Jesuskind in seiner Hand hält. „Man kann versuchen, die Menschen anzuleiten, damit sie das Signal des Werkes aufnehmen”, sagt er. „Aber ich kann das Werk nicht restlos thematisieren.”

Was die Erdkugel bedeutet, muss jeder Besucher in St. Franz Sales für sich interpretieren.
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