„Jerusalem in der jüdischen Kunst“ im LVR-Kulturhaus Landsynagoge

Von: ptj
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Rödingen. Ein hoher Gast im LVR-Kulturhaus Landsynagoge in Rödingen war die renommierte Judaistin und Kunsthistorikerin Dr. Naomi Feuchtwanger-Sarig aus Jerusalem. Sie ist Dozentin für jüdische Kunst an der Tel Aviv University und gleichzeitig Projektleiterin der Abteilung „Jüdische Kunst und Visuelle Kultur“ am Goldstein-Goren Diaspora Research Center der Tel Aviv University.

„Jerusalem aus Gold – die heilige Stadt in der jüdischen Kunst“ war Thema ihres anspruchsvollen Fachvortrages, den die Hebräischsprachlerin in deutscher Sprache hielt.

Zusammengefasst waren die Juden aus der Diaspora nach der Vertreibung aus dem Heiligen Land und der Zerstörung des Tempels 70 n. Chr. stets von „messianischer Sehnsucht und der Wiedereinstellung des heiligen Dienstes im Tempel“ getrieben. Ihren geplatzten Traum von der Rückkehr nach Zion, dessen Symbole Bundeszelt und Tempel sind, setzten sie stattdessen in Gebete, Poesie und bildliche Kunst um. Dabei verlor die Goldene Stadt in den Augen der meisten Künstler seine reale Existenz, sondern nahm die Aura mystischer Unerreichbarkeit an.

Ein Beispiel ist das Bild „Heavenly Jerusalem“, das Reuven Rubin 1956-67 malte. Die Mauern der in Weißtönen gehaltenen Stadt mit blauen Felsendom, der als Symbol des Tempels gilt, sind nicht zu durchdringen. Marc Chagall malte 1931 die Steine der „Wailing Wall“, der Klagemauer, die einen „berechtigten Stellenwert in der jüdischen Kunst hat“, groß, Raum und Betende hielt er klein und unklar, er betonte das Mystische. Salvador Dali malte 1968 sein gleichnamiges Bild in warmen Farben, seine Aussage ist tröstlich.

Einige Darstellungen zionistischer Vision thematisieren das alte Judentum mit stilisiertem Stacheldraht und den langen Weg ins golden aufstrahlende neue Jerusalem, in der einen oder anderen Ausführung beackert zudem ein Bauer das neue Land. Seit dem Mittelalter ruht jüdische Kunst auf dem beiden Pfeilern Synagogenbau und Buchmalerei, die sich durch eine immer wiederkehrend Symbolik auszeichnen.

So sind etwa Malereien des siebenarmigen Leuchters Menora und des Toraschreins schon in den römischen Katakomben zu finden. „Glanzvollste mittelalterliche Kunst waren tatsächlich die Handschriften“, betonte die Referentin. Frühe Handschriften aus Spanien wiesen allerdings so gut wie keine figürlichen Darstellungen auf. Hier griff das islamische Bilderverbot der Mauren, nicht das jüdische. Als 1892 die Eisenbahnstrecke nach Jerusalem eingeweiht wurde, startete eine „Massenwallfahrt ins Heilige Land“.

Jüdische zukunftsbezogene Kunst sei zu sehr vom Christentum beeinflusst, so sparte die Referentin sie aus. Ebenso ging sie der Frage nach heutigen Visionen nicht nach. Sie wollte „mit Absicht nicht in die Politik gehen“.

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