Jack Aldewereld in der Realschule: Erschütternder Bericht eines Zeitzeugen

Von: Kr.
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Das einzige was von Jack Aldewerelds Familie erhalten ist, sind drei Teile vom Besteck seiner Eltern. Foto: Kròl

Linnich. „Es war eine Ehre für mich, hier stehen und zu euch über mein Leben und meine Familie sprechen zu dürfen. Wir werden in der Welt nicht mehr viel verändern, aber ihr könnt das noch“, gab Jack Aldewereld seinen jungen Zuhörern mit auf den Weg.

Er sieht mittlerweile seine Aufgabe darin, jungen Menschen aus der Zeit der Judenverfolgung und des Naziregimes zu berichten und sie somit gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus zu sensibilisieren.

„Wenn ihr hört, dass jemand auf Ausländer schimpft, macht sie doch einmal darauf aufmerksam, dass es reine Glücksache ist, wo man geboren wird“, riet er ihnen Er selbst war am 2. März 1943 in Amsterdam als Sohn jüdischer Eltern geboren worden und damit in der Zeit der ärgsten Judenverfolgung in den Niederlanden. Sein Vater und seine beiden Brüder waren zu diesem Zeitpunkt schon abtransportiert.

Als sich seine Schwester Fanny nach einem kleinen Unfall im Krankenhaus befand, wurde die Mutter aus dem Kindbett heraus deportiert. Einer Nachbarin gelang es den Säugling zu verstecken, der später durch die „Group NV“ eine Widerstandsbewegung nach Brunssum zu Pflegeeltern gelangte. Dort lebte er bis nach dem Krieg und macht sich in den 90er Jahren auf, seine Familiengeschichte zu erkunden.

Er berichtete den Linnicher Schülern und Schülerinnen von den Gräueltaten der SS, von ihrem Einfall in den Niederlanden, von der Verschleppung von Juden, Sinti, Roma, Homosexuellen und all den anderen, die nicht in ihr Weltbild passten. Er berichtete aber auch von Niederländern, die ebenfalls der SS angehörten, von Juden, die ihre jüdischen Mitbürger für 7,50 Gulden verrieten und von Widerstandskämpfern, die sich weigerten für die Deutschen zu arbeiten. Er berichtete vom Abtransport der niederländischen Juden erst nach Drente und dann nach Polen, wo auch seine Familie in den Gaskammern ums Leben kam.

Er berichtete außerdem von seiner Spurensuche in Uithoorn, dem Heimatort seiner Familie. 1994 reist er dorthin, um Genaueres zu erfahren, und kehrte mit einem Vorlegebesteck, das Nachbarn für seine Familie aufgehoben hatten, und der Mitgliedskarte seines Bruders vom örtlichen Sportverein nach Brunssum zurück. Bei seinem Besuch erfuhr er auch, dass der Mann, der seine Eltern verriet 14 Tage zuvor gestorben war.

Er berichtete auch von den Schrecken der Konzentrationslager und meinte: „Eigentlich müsste ein Besuch in Auschwitz verpflichtend für Schulen sein. Wer da war, kehrt als ein anderer Mensch zurück.“ Und so fühlt er sich verpflichtet, seine Geschichte zu erzählen, hat dies häufig an niederländischen Schulen und auch im Fernsehen getan und war vor einiger Zeit erstmals in Gangelt an einer deutschen Schule zu Gast.

Durch seinen Freund Josef Backhaus, ehemaliger Geschichtslehrer in Gangelt und Kollege des Schulleiters in Linnich und Gangelt, Thomas Hoppe-Leifgen, kam sein Besuch zustande. Eine Stecknadel hätte man in der Aula der Linnicher Realschule fallen hören, erschüttert lauschten die jungen Zuhörer dem Bericht des niederländischen Gastes. Am Ende meinte Josef Backhaus: „Eine solche Schilderung hinterlässt mehr Spuren als jede Geschichtsstunde.“

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