Ist Kleinstgeldverzicht auch ein Beispiel für Jülich?

Von: Daniela Mengel-Driefert
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Kleinstgeldverzicht Jülich
Wolfgang Hommel sieht im Buchhandel noch keine Chance zum Kleingeldverzicht. Foto: dmd

Jülich. Das Kleingeld abschaffen? Kleve macht es vor. Die Händler wollen auf fünf Cent runden und den Handel mit Ein- und Zwei- Cent Münzen abschaffen – auf freiwilliger Basis. Was sagen die Jülicher Geschäftsleute dazu? Was spricht dafür und was dagegen?

„Ich würde das als Erleichterung sehen“, sagt Stefanie Schagen-Voswinkel, Mitinhaberin der Metzgerei Schagen. Vorausgesetzt es wird einheitlich geregelt. In der Metzgerei sei viel Kleingeld im Umlauf. Gerade ältere Menschen hätten Probleme damit, reichten das Portemonnaie über die Theke, weil es für sie schwierig ist, die richtigen Münzen herauszusuchen. Auch persönlich stört sich Schagen-Voswinkel daran, dass der Geldbeutel mit dem Kleingeld voll ist. Sie findet aber auch, dass die Preisgestaltung geregelt werden soll. „Gut wäre ein Gesetz, dass keiner benachteiligt wird.“

Wolfgang Hommel, Inhaber der Buchhandlung Fischer, weist darauf hin, dass der Buchhandel einer Preisbindung unterliege. Die Verlage setzen die Preise fest. Nach dem Komma stehe häufig eine 99. „Wir müssen das kassieren, was drauf steht“, so Hommel. „Wer möchte, kann den einen Cent für den Brückenkopfverein spenden“. Eine entsprechende Spendenbox steht an der Kasse. Das werde in seinem Geschäft schon längere Zeit so gehandhabt. Mit Blick auf das Klever Modell fragt er sich: Wie wird das steuerlich gesehen?

Andreas Muth, Inhaber Modehaus Röttgen, denkt ebenfalls an die steuerliche Problematik und fragt sich: „Ist das dann ein Rabatt, den ich dem Kunden gewähre?“ Setzt sich das Modell durch, müssten auch die elektronischen Kassen geändert werden, merkt er an. Andererseits sieht er, dass es für ältere Menschen schwierig ist, das richtige Kleingeld ohne Brille aus der Geldbörse zu holen. „ Das hält natürlich an der Kasse im Supermarkt auf.“ In seinem Modegeschäft sei das jedoch kein Problem. Insgesamt möchte Muth die Erfahrungen von Kleve abwarten und keinen Schnellschuss machen. Zudem müsste auch die Werbegemeinschaft in Jülich dahinter stehen.

Ute Werner (Strumpf- und Hutmoden) praktiziert das Klever-Modell schon lange. Die Preise enden bei ihr auf 95. Preise mit 99 oder 98 hinter dem Komma gibt es in ihrem Geschäft nicht. Liegt ein Artikelpreis höher, rundet sie ab. Liebend gerne würde sie auf das Kleingeld verzichten. Trotzdem habe sie am Ende des Tages Ein- und Zwei- Cent Münzen in der Kasse. Die Kunden zahlten natürlich auch mit Kleingeld, was sie ihnen nicht abschlagen möchte. Letztlich gibt sie zu bedenken, dass der Geschäftskunde bei der Bank für die Einzahlung der Münzen eine Gebühr entrichten muss. „Ich zahle 2,50 Euro pro Einzahlung, egal wie viele Münzen es sind“, informiert Werner und ärgert sich darüber. Sie würde das Geld lieber der Deutschen Krebshilfe zukommen lassen.

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