Linnich - Investoren werben für ihre Windkraftriesen

Investoren werben für ihre Windkraftriesen

Von: Otto Jonel
Letzte Aktualisierung:
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Bei Körrenzig stehen die Windkraftanlagen, deren große „Verwandtschaft“ die Gemüter erregt.
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Auge in Auge: Vorhabenträger Oliver Seidel von JUWI Wind (stehend links) und Bernward Fladung (stehend rechts) von der BI Hottorf.

Linnich. Es hatte etwas von einem Déjà-vu: Wieder das Thema Windkraftanlagen in der Aula der Linnicher Realschule, wieder mit Investoren, Planern, Verwaltung und Mitgliedern des Ausschuss es für Stadtentwicklung, wieder knapp 100 Zaungäste im Saal, und selbst das Team um Professorin Katharina Seuser vom Lehrstuhl Journalistik und Medienproduktion der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg war wieder in Linnich, um jedem einen Fragebogen zum Thema „Erneuerbare Energie in den Medien“ in die Hand zu drücken.

 Diesmal bestritten die Vorhabenträger der geplanten Windparks auf Linnicher Stadtgebiet den Vortragspart – allerdings nicht in der reinen Monologform. Die Bürgerinitiative Hottorf war gut vorbereitet erschienen, im Köcher die Argumenten gegen die 200-Meter-Windkraftgiganten in direkter Nachbarschaft zu den Bewohner der Ortschaften Körrenzig, Kofferen und Hottorf, übertragbar auf die Windparks vor Gereonsweiler und Boslar. Ihre Kernaussagen seit der Anhörung Ende Oktober 2012 hatte die BI in einem Faltblatt noch einmal aufgeführt und fett gedruckt hervorgehoben: „Unsere Argumente gegen die Planung wurde nicht widerlegt.“

Mit der Planung im Bereich Körrenzig/Kofferen/Hottorf traf Oliver Seidel von der JUWI Wind auf den stürmischsten „Gegenwind“. Er stellte die vorgesehenen Anlage – den REpower-Typ 3.2M mit einer Leistung von 3,2 Megawatt, den als 200- und las 180-Meter-Turm gibt, und den etwas kleineren Enercon-Typ – vor, betonte, dass standortgenau alle erforderlichen Gutachten nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz erbracht würden, bis die Entscheidung über der Realisierung des Windparks erfolge. Baubeginn könne seiner Rechnung nach frühestens Frühjahr 2014 sein.

Seidel ging in seinem Vortrag insbesondere auf die Abstände ein. Der Moderator der Anhörung, Otto von der Heide vom Büro VDH, griff diesen Punkt auf. Im Planbereich Körrenzig/Kofferen/Hottorf sei von vorneherein ein 1000-Meter-Abstand zum Siedlungsbereich gewählt worden. Im Kreis Düren seien 800 Meter Abstand zum Siedlungsbereich nicht unüblich.

Alle Beteuerungen der Investoren und des Planungsbüros, die gesetzliche Vorgaben einzuhalten, hoben den Eindruck der Hottorfer nicht auf, „dass wir zu den Versuchskaninchen werden sollen“, wie Bernward Fladung einwarf. Ebenfalls aus dem Publikum wurde die Kritik laut, warum es denn so große und so viele Anlagen sein müssten. Aus Investorensicht sei es Ziel, so Seidel, ein vorgegebenes Gebiet effizient und mit Anlagen nach dem Stand der Technik auszunutzen. Kritik kam an dieser Stelle auch von Körrenzigs Ortsvorsteher Wilfried Meisen (CDU). „Die Höhe der Anlagen war zum Zeitpunkt der Flächen nicht bekannt.“ Die Politik sei von den bestehenden kleineren Anlagen ausgegangen.

Bezweifelt wurde mehrfach, dass der ökologische Ausgleich für die in Anspruch genommenen Flächen tatsächlich ortsnah und durch regionale Betriebe erfolgt. Dass die Stadt über Gewerbesteuer- und Pachteinnahmen, andererseits Bürger über Beteiligungsmodelle von den Windkraftanlage profitieren, wurde von den Kritikern in Abrede gestellt. Vornehmlich Klaus Schulze-Langenhorst von der SL-Windenergie, Gladbeck, die gemeinsam mit WWU-Wind, Münster, der BMR, Hückelhoven, und der REA, Düren, den Windpark Gereonsweiler plant, hatte diesen Wirtschaftsaspekt für die Stadt betont. Schulze-Langenhorst hielt im übrigen eine Höhenbegrenzung von Windkraftanlagen unter 180 für nicht rentabel. Die Belastung würde dadurch nicht geringer.

Den geringste Widerstand verspürte Guido Rulands von BMR, Hückelhoven, die „fünf bis sechs Windkraftanlagen“ bei Boslar plant. Die Berechnungen dort gingen zwar vom den 200 Meter hohen REpower-Anlagen aus, aber er „nehme die Stimmung hier auf“. Mit dem 180 Meter hohen Windflügler würden dort alle Richtwerte definitiv eingehalten.

Auch nach diesem Abend, den Moderator von der Heide als sachlich und außergewöhnlich einstufte, bleibt die BI bei der Forderung nach mehr Abstand – 1500 Meter – und nach einer Höhenbegrenzung auf 150 Meter. Nicht ausgeschlossen wurde von Oetjen, dass es weitere Anhörungen dieser Art geben könne. Denn, so wurde mehrfach betont: „Es ist noch nichts entschieden.“

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