Internationaler Museumstag: Spurensuche in dunkler Vergangenheit

Von: ptj/jago
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Lampenausstellung im Bergbaumuseum: Die Weiterentwicklung der „Sicherheitslampe“ demonstriert Hartwig von Hoym. Foto: Jagodzinska
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Viel Spaß hatten besonders die Kinder beim „verrückten Puppentheater“ und ließen sich von Christof Zielony zum Mitmachen animiere Foto: Jagodzinska

Aldenhoven/Linnich/Rödingen. Ein Geruch von Öl und Benzin lag am Museumstag in der Luft beim Betreten des Bergbaumuseums „Glück auf“ in Aldenhoven. Alle Grubenlampen in der Lampenausstellung brannten, vom einfachen „Frosch“ aus Ton oder Metall bis hin zum modernen Exemplar.

Gerne berichtete Hartwig von Hoyn über die Entwicklung der Sicherheitslampe, begonnen mit dem Prototyp mit Drahtkörbchen aus 144 Maschen pro Quadratzentimeter. Ein Highlight war 1882 die „Wolf‘sche Sicherheitslampe“, ausgestattet mit einer Skala, die den Grubengasgehalt anzeigte. „Ab einem Prozent durfte nicht mehr gearbeitet werden“, betonte Gerd Hartung, Vize-Vorsitzender des „Traditionsvereins für Stein- und Braunkohle“, der selbst 43 Jahre unter Tage war.

Mit viel Elan führte er die Besuchergruppen durch die „schönsten Schätze“ der Ausstellung, von der Gruft mit acht Skeletten aus dem ehemaligen Kloster durch die ansehnliche Mineralsammlung bis hin zu den Habits der Bergleute vom 16. bis 18. Jahrhundert. „Mal einen Einblick verschafft“ über den Alltag im Bergbau hatte sich unter anderem das „echte Bergbauarbeiter-Kind“ Theresia Derwall-Kühn, seit 18 Jahren wohnhaft in Hamburg. Ihr Vater und ihr erster Ehemann fuhren einst in die Siersdorfer Zeche „Emil Mayrisch“ ein.

Höhepunkt des Tagesprogramms im LVR-Kulturhaus Landsynagoge Rödingen war ein Mix aus Lesung und Gespräch mit dem Journalisten Lorenz S. Beckhardt, Autor seiner persönlichen Spurensuche „Der Jude mit dem Hakenkreuz“. Erst als 18-jähriger Messdiener erfährt Beckhardt auf einer Familienfeier von seiner jüdischen Vergangenheit. „Weißt du nicht, dass Kinder von Naziverfolgten keinen Zivildienst machen müssen“, lautete der verräterische Satz. Seine Eltern hatten ihn taufen und katholisch erziehen lassen, weil er „nicht als Jude in Deutschland aufwachsen sollte“.

Auf der Suche nach dem „Geheimnis des verstörenden Medaillons“ mit Hakenkreuzsymbol kam der Autor der militärischen Vergangenheit seines Großvaters Fritz Beckhardt auf die Spur, eines glühenden deutschen Patrioten und vielfach ausgezeichneten Fliegers im Ersten Weltkrieg. Er benannte sein Buch nach ihm. Beckhardt ließ sich als Erwachsener beschneiden und bettete in Eigenregie seine Großeltern „jüdisch korrekt“ um.

Dass auch ein Dorfrundgang eine sinnvolle Bereicherung des Museumstags sein kann, zeigte sich bei den angebotenen Führungen. So führte Maria Hintzen-Muckel eine überschaubare Anzahl von Interessenten über einige markante Standorte, deren geschichtsträchtige Vergangenheit durch drei Stelen belegt ist, zum Judenfriedhof.

Eine neue Errungenschaft im Hof des Kulturhauses ist eine von Dr. Alexander Schmalz erstellte Namenstafel mit der Schreibweise der beliebtesten Vornamen der letzten Jahrzehnte in deutscher und hebräischer Schreibweise. Im Linnicher Glasmalereimuseum hatte man bewusst ein sehr familienfreundliches Programm zusammengestellt. Wie in den Vorjahren wurden die einzelnen Angebote sehr positiv aufgenommen.

Christof Zielony begeisterte mit seinem „Verrückten Puppentheater“ auf der Freifläche vor dem Eingangsbereich mit seinem Raben „Roderick von Rabenstein“ die begeistert mitgehenden Kinder. Auch beim Museumsrätsel „Auf den Spuren des Glases“ stand der Spaß im Vordergrund.

Im Foyer zeigte Elzbieta Bullik die Technik der Glasgravur, ein Glas-Flohmarkt lockte mit außergewöhnlichen Glasobjekten. Glaskünstler Michael Scheu führte in der Museumswerkstatt ein interessiertes Publikum in die Geheimnisse perfekter Bleiverglasung ein. Kostenlose Führungen durch die Sammlung und die aktuelle Sonderausstellung von Jochem Poensgen fanden großen Zuspruch.

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