Jülich - Integration ist Schützen wichtiger als Formalismus

Integration ist Schützen wichtiger als Formalismus

Von: Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
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Kein Problem mit einem andersgläubigen König: Brudermeister Christian Klems. Foto: Jansen

Jülich. Alle Jahre wieder sorgen Schützen für Schlagzeilen, die der Dachverband Bund der Historischen Schützenbruderschaften (DHSB) gerne offenbar vermeiden will. Mehrfach ist in den vergangenen Jahren diskutiert worden, ob ein Mann, der Männer liebt, Schützenkönig sein darf, mit unterschiedlichen Ergebnissen. Jetzt ist die nächste hitzige Diskussion entbrannt.

Im westfälischen Werl hat Mithat Gedik am besten gezielt und wurde zum König der St. Georg-Schützen gekrönt. Er sollte seine Bruderschaft beim Bezirkskönigsschießen vertreten. Doch der DHSB sagt Nein. Gedik ist Moslem. Und da nach DHSB-Statuten nur Christen Könige der Schützen sein dürfen, soll Gedik zurücktreten. Ungedachtet der Tatsache, dass er bestens in das Ortsleben integriert ist, eine katholische Frau hat und die vier Kinder katholisch erzogen werden. Dürfen Moslems Schützenkönig sein? Die Frage wird auch im Jülicher Land diskutiert.

„Wenn jemand, der kein Christ ist, bei uns König wird, dann mache ich da einen Haken dran. Bei uns ist das in Ordnung. Integration ist schließlich eine ganz wichtige Sache für Schützen“, sagt Christian Klems, der Brudermeister des Bezirksverbandes Jülich. Dass ein solcher König nicht um die Bezirksschützenkönigswürde schießen könne, liege am Formalismus. Oder präziser gesagt an einem Formular.

Dem Formular, das der König ausfüllen und in dem bestätigen muss, dass er Christ ist. „Glaube, Sitte, Heimat – so lauten unsere Leitmotive“, sagt Klems. Die Ausrichtung der Schützen ist christlich. Deswegen hat er Verständnis für die Haltung des DHSB. Aber er teilt sie nicht. „Für mich ist Integration wichtiger als Formalismus.“

Auch Klems Stellvertreter im Jülicher Bezirksverband spricht von zwei Seelen, die im Bezug auf diese Diskussion in seiner Brust schlagen. Mit einer, die lauter spreche. Es gebe Regeln. „Aber ich sehe Schützen ganz anders“, sagt Helmut Vonderbank. Schließlich gebe es nicht mehr nur Gesellschaften, die ausschließlich Christen aufnehmen. „Ich habe überhaupt kein Problem mit einem nicht-christlichen König. Dann muss allen vorher nur klar sein, dass ein solcher König nicht am Bezirksschießen teilnehmen kann, so lange sich oben nichts ändert.“

Da schließt sich Heinrich Oidtmann von der St. Sebastianus-Schützengesellschaft, einer drei Vereinigten Gesellschaften in Linnich, an. „Losgelöst von dem aktuellen Fall könnte man solche Dinge für die Zukunft überdenken“, sagt er.

Die Linnicher Lösung

In Linnich gibt es eine Lösung für Schützenkönige, die keine Christen sind. Sie heißt Linnicher Schützengilde, gehört nicht dem DHSB an, ist aber trotzdem eine tragenden Säulen des Schützenwesens in der Stadt – neben den anderen, die klassisch geprägt sind. Früher gab es in Linnich sehr viele jüdische Bürger, die Interesse am Schützenwesen hatten. Um zu ermöglichen, dass sie dazugehören, wurde die Gilde gegründet, bei der die Mitgliedschaft nicht an eine Religion geknüpft ist.

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