Innovative Gebäudetechnik: Jülicher Steuerung ist ein Heizkostenkiller

Von: Volker Uerlings
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Glasflächen wie über dem Palmengarten des Technologiezentrums Jülich sind von größter Bedeutung bei der Berechnung, wie ein Gebäude beheizt oder gekühlt werden muss, sagt Dr. Stefan Hardt, Geschäftsführer der Meteoviva GmbH. Foto: Uerlings
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Mit diesen kleinen Kästchen „made in Jülich“ werden größte Heiz- und Kühlanlagen gesteuert.

Jülich. Das Jülicher Unternehmen Meteoviva GmbH hat nicht nur Freunde. Die Hersteller und Verarbeiter von Gebäude-Dämmungen zum Beispiel sehen die Technik aus der Herzogstadt beizeiten mit Argwohn. Die Rundum-Verpackung von Mauerwerk und Dächern ist zweifelsfrei auch ein Baustein, um den Energieverbrauch zu senken. An die Werte von Meteoviva aber reichen sie bei weitem nicht heran.

Ein kleines Kästchen mit Verbindung zur Außenwelt sorgt dafür, dass Verbräuche und CO2-Erzeugung um 20 bis 40 Prozent reduziert werden. Einfach mit einer vorausschauenden wetterabhängigen Steuerung der Gebäudetechnik. 70 Großobjekte in Deutschland werden hiermit geheizt oder gekühlt: vom DHL-Tower in Bonn über die EZB-Zentrale in Frankfurt bis zum BMW-Hauptsitz in München. Und natürlich die Heimat des Jülicher Unternehmens: das Technologiezentrum.

Wer jetzt an einen schnöden Heizungs-Außenfühler denkt, der Gleiches leistet, der irrt. Die Meteoviva-Steuerung („Climate“) folgt einer vollkommen anderen Philosophie. „Die alten Systeme reagieren auf Zustände, die schon eingetreten sind“, sagt Geschäftsführer Dr. Stefan Hardt über die „Außenfühler“.

Und bei sehr unterschiedlichen Temperaturen „kühlen sie mittags gegen eine Wärme, die sie morgens teuer bezahlt haben“. Die letzten Tage lieferten prächtige Beispiele: morgens 9 Grad, nachmittags bis 25 Grad. „Das ist unser Wetter, denn viele Gebäude werden unnötig aufgeheizt“, erklärt der Meteoviva-Chef lachend. Das Jülicher System geht anders vor und bezieht mit ein, dass Hallen oder Häuser auf Wetterveränderungen meist sehr unterschiedlich und vielfach träge reagieren.

„Die Daten wissen ja nicht, wie lange ein Gebäude braucht, um sich aufzuheizen oder abzukühlen“, sagt Stefan Hardt. Ein anschauliches Beispiel: Ein Bunker mit dicken Wänden ohne Fenster braucht auch bei intensiver Sonneneinstrahlung sehr viel länger als ein Glashaus, um auf Temperatur zu kommen. Im Glaspalast geht das beinahe blitzfix.

Meteoviva schaut also ganz genau hin und analysiert die Immobilien und die vorhandene Technik. Dann werden die Wetterdaten ortsgenau einbezogen (3-Tage-Vorhersage). Aus diesen Daten errechnet die Software den optimalen Zeitpunkt fürs Kühlen oder Heizen in jedem Flügel oder Raum eines Gebäudes.

„Man muss gar nicht so viel in Material investieren“, erklärt der Geschäftsführer des Jülicher Unternehmens, das vor zehn Jahren mit vier Beschäftigten startete und inzwischen auf 22 Leute gewachsen ist – plus Tochterunternehmen in der Schweiz und in den USA. Der kluge Einsatz der vorhandenen Technik reicht aus.

Das Geschäftsmodell ist so revolutionär, dass manch neuer Kunde erst mal den Haken sucht. Mit Ausnahme einer überschaubaren Anfangszahlung für die Ingenieurleistung finanziert sich die Jülicher Gebäudesteuerung aus den Einsparungen: „Wir sagen den Kunden: Gib uns ein Drittel von dem, was Du einsparst.“

Das funktioniert und ist für alle Beteiligten eine Situation, die nur Gewinner hervorbringt. „Wir sind zwar relativ klein, aber gut ausgelastet“, erklärt der Meteoviva-Geschäftsführer. In den Massenmarkt will das Unternehmen gar nicht vorstoßen, der ist viel zu groß, „das schaffen wir gar nicht“. Langfristig setzt das Team um Dr. Stefan Hardt darauf, dass die Jülicher Firma einen eigenen Markt kreiert hat.

„Wir wollen zu einem Selbstverständnis, dass vorausschauende Gebäudesteuerung selbstverständlich wird. In 20 Jahren geht keiner mehr hin und installiert Außenfühler.“ Davon ist er überzeugt, und das – siehe oben – schmeckt manch „Altgedientem“ nicht. Er ist nicht allein mit seiner Einschätzung.

Experten wie die Wirtschaftsprüfer von Deloitte trauen Meteoviva ein hohes „Disruptionspotenzial“ zu – sie glauben, dass die Jülicher Steuerung andere Produkte und Dienstleistungen eventuell komplett verdrängt und hat sie für einen Preis nominiert. Stefan Hardt: „Der Schneeball kommt ins Rollen.“

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