Informationen über das Leben mit Diabetes

Von: ptj
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Die Veranstalterkooperation: (
Die Veranstalterkooperation: (v.l.) Thomas Prell (AOK), Diätassistentin Nicole Rouwe-Brunschön, Diabetesassistentin Marion Straka-Schmitz, Diabetologe Dr. med. Frank Engelmann und der Kaufmännische Direktor Jann Habbinga (Krankenhaus Linnich). Foto: Jagodzinska

Linnich. „Diabetiker-Lebensmittel sind für die Ernährung von Diabetikern nicht notwendig und werden vom Markt genommen.” Diese revolutionäre Entdeckung in der Medizin verkündete Nicole Rouwe-Brunschön, Diätassistentin im St. Josef-Krankenhaus Linnich beim Medizinforum im Linnicher Rathaussaal.

„Leben mit der Krankheit - gesunde Ernährung und Diabetesschulung” war das Forum zum Thema Diabetes überschrieben, eine Kooperationsveranstaltung der AOK Düren-Jülich und des St. Josef-Krankenhauses Linnich. Das leger-sportliche Auftreten von Dr. med. Frank Engelmann, Oberarzt der Inneren Medizin und Diabetologe, deutete sogleich auf die erste der fünf wichtigen Säulen für Diabetiker hin, die Bewegung: Dreimal wöchentlich eine halbe Stunde Ausdauertraining, etwa vom Gehen zum Walken und Joggen, empfahl Engelmann.

„Wenn ich nicht sporte, kann ich mein Gewicht nicht halten, kann ich nicht abnehmen.” Denn Gewicht und Diabetes hängen eng zusammen: Bei hohem Gewicht wird mehr Insulin benötigt, um den Blutzuckerspiegel auf guten Werten zu halten.

Engelmanns Hauptanliegen war Säule drei, ein durch gezielte Schulung informierter Patient. Noch werden in St. Josef intensive Einzelschulungen in kleinen Zeiteinheiten praktiziert. Avisiert werden Schulungen in Kleingruppen, „hybrid”, also ambulant und stationär im Wechsel, und gemeinsames Erarbeiten in Modularschulungen. Bereits zertifiziert sei St. Josef für das Programm „Medias 2”, das für „Mehr-Diabetes-Selbstmanagement” steht. Es beinhaltet Lehr-, Arbeits- und Selbstkontrollhefte, Kalorienbausteintabellen und Ernährungsspiele.

Als „Kernthema” bezeichnete der Diabetologe Säule vier, die Selbstmessung, ohne die es keine gut eingestellten Patienten gäbe. „Wir können unsere Therapie dem Patienten anpassen. Verbote sind verboten”, ermutigte Diabetesassistentin Marion Straka-Schmitz Patienten zu gezielter Information und Eigenverantwortung. Sie legte ihnen ans Herz, Bilanz zu ziehen und Etappenziele im Alltag zu setzen. Wichtig seien die Stoffwechselkontrolle, die (richtige) Blutzucker- und Blutdruckmessung sowie Fußbeobachtungen und Fußpflege.

Rouwe-Brunschön thematisierte schließlich als Säule zwei das sensible Thema „Diät”. Sie riet Diabetes mellitus-Patienten zu bedarfsgerechter Energiezufuhr, bestimmt aus den Werten Alter, Geschlecht und körperliche Tätigkeit. Mit zunehmendem Alter reduziere sich der Energiebedarf, ab 60 Jahren sogar um 20 Prozent. Empfohlen wird eine tägliche Fettzufuhr von 60 bis 80 Gramm und eine Eiweißzufuhr von 60 Gramm. Kohlenhydrate sollten täglich 45 bis 60 Gramm zugeführt werden.

Schießen und sickern

Fett und Eiweiß lassen den Blutzucker aber nicht ansteigen. Wichtig für den Diabetiker sei eine ballaststoffreiche Ernährung. Rouwe-Brunschön zählte Produkte auf, die den Blutzucker erhöhen, und nannte Kohlenhydratarten und ihre Geschwindigkeit, ins Blut zu gelangen. Zucker, Süßgetränke und Süßwaren etwa „schießen”, Gemüse und Hülsenfrüchte „sickern ins Blut”.

In diesem Zusammenhang wurde der in Prozent ausgedrückte „Glykämische Index” (GI) vorgestellt, der anzeigt, wie schnell Kohlenhydrate ins Blut gelangen: Eine Berechnungseinheit (BE) Traubenzucker etwa hat 100 Prozent GI. Wichtig für Diabetiker: Der zweitgrößte Kalorienträger Alkohol „bremst die Zuckerausschüttung der Leber”, es droht Unterzuckerung. So sollten Diabetiker alkoholische Getränke nicht in Berechnungs- oder Kohlenhydrateinheiten bewerten und bei Alkoholgenuss kein Insulin spritzen.

Da kleine Mengen an Zucker den Blutzuckerspiegel nicht wesentlich ansteigen lassen, sind auch bei Diabetikern zehn Prozent der gesamten Tageskalorienmenge in Form von Zucker akzeptabel, vorzugsweise über den Tag verteilt und in „verpackter Form” wie in Schokolade oder Speiseeis.

Zum Schluss des interessanten Vortrags benannte die Referentin acht in Lebensmitteln „versteckte” Zuckerarten von Dextrose bis Saccharose und stellte die gut verträgliche mediterrane Kost vor.

Das Thema „Medikamente”, egentlich die Säule fünf, wurde nach dem Referat auf Wunsch in persönlichen Einzelgesprächen behandelt.
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