Gevelsdorf - Infizierte Rinder stellen keine Gefahr dar

Infizierte Rinder stellen keine Gefahr dar

Von: Antonius Wolters
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Keine Angst vor starken Tieren: Heinz-Gerd Erven, seit 40 Jahren Rinderzüchter, posiert mit seinem Zuchtbullen Ricky vor der Kamera. Foto: Wolters
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Gamaschen müssen Besucher übers Schuhwerk streifen, die den Sperrbetrieb betreten. Foto: Wolters

Gevelsdorf. Wer den Hof von Heinz-Gerd und Monika Erven in Gevelsdorf betritt, muss zunächst Gamaschen über seine Fußbekleidung ziehen. Die Vorsichtsmaßnahme ist notwendig, denn der Besucher befindet sich in einem Sperrbetrieb. Von der 98-köpfigen Rinderherde sind 95 Tiere mit dem Bovinen Herpesvirus Typ 1 (BHV-1) infiziert.

Gegen die Ordnungsverfügung des Kreisveterinäramtes, die infizierten Rinder aus dem Bestand zu entfernen, hatte das Züchterehepaar Widerspruch eingelegt und ein Eilverfahren beim Verwaltungsgericht Aachen angestrengt, das indes die 7. Kammer abgewiesen hat. Rechtsanwalt Michael Ophei aus Viersen, der sich auf juristische Fälle in der Landwirtschaft spezialisiert hat und das Züchterpaar vertritt, kündigte am Freitag auf Anfrage unserer Zeitung an, dass er gegen den Beschluss des Verwaltungsgerichtes Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster einlegen wird. Mit einer Entscheidung des OVG rechnet er in drei bis vier Wochen.

Heinz-Gerd Erven, der seit 40 Jahren Rinder züchtet, war bislang stolz darauf, dass sein Hof vom Tiergesundheitsdienst als Vorzeigebetrieb in Tierhaltung und -gesundheit eingestuft worden ist. Zur Herde gehören Fleckvieh, Limousin-Rinder sowie Tiere der Rasse Blonde d‘Aquitaine, die bis auf wenige Ausnahmen im eigenen Stall geboren und aufgezogen worden sind. Die BHV-1-Infektion, von den Züchtern auch „Rindergrippe“ genannt, ist den Tieren nicht anzumerken und für den Menschen ungefährlich. Das Problem: Infizierte Tiere sind lebenslang Träger dieses Virus und verbreiten diesen weiter.

Der Grund für die Anzeigepflicht und die Bekämpfung mit dem Ziel der BHV-1-Freiheit ist nach Angaben des Kreisveterinäramtes der Erhalt der Konkurrenzfähigkeit beim Handel innerhalb und außerhalb der europäischen Gemeinschaft. So hat NRW unlängst mit mehr als 90 Prozent BHV-1-freiden Beständen beantragt, die Anerkennung als BHV-1-freie Region zu erhalten. Dazu bräuchte NRW nun eine stringente Sanierung der Bestände, wozu auch Ervens Herde in Gevelsdorf steht.

Da das Virus die Fleischqualität nicht beeinträchtigt, wird in den Nachbarländern Belgien und Niederlande nicht auf die BHV-1-Freiheit gepocht – im Gegenteil: Fast täglich rufen Kollegen aus den Niederlanden bei Hans-Peter Erven an, die ihm gerne die komplette Herde abkaufen würden.

Doch trennen will sich der 58-Jährige nicht von seinen Tieren. „Das ist unsere Existenz“, sagt Ehefrau Monika, die ihren Gatten im Betrieb unterstützt. Der hatte mit 18 Jahren, nachdem er von seinem Vater angestellt worden war, mit seinem ersten selbstverdienten Geld vier Limousin-Mutterkühe gekauft. In seiner aktuellen Herde sind etliche Rinder hochtragend. Sechs haben in den vergangenen Tagen in speziellen Boxen gekalbt, weitere werden folgen und dürften jetzt ohnehin gar nicht geschlachtet werden.

In der Ordnungsverfügung der Kreisveterinäre ist übrigens keine Anordnung zum Schlachten der Rinder enthalten, sondern es wird das Entfernen aus der Herde gefordert. Diese Formulierung ist vor allem wichtig bei einer möglichen Auseinandersetzung mit der Tierseuchenkasse, einer Art Pflichtversicherung der Züchter. Die müsste pro Tier eine Entschädigung zahlen, wenn die Schlachtung verfügt wird. Da von den Tieren keine Gefahr ausgeht, ist auch ein Verkauf möglich – beispielsweise ins Ausland. Oder die Herde darf im gewohnten Stall bleiben, was den Eheleuten Erven wohl am liebten wäre und vielleicht vor dem OVG erstritten wird.

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