Inden steht vor „wichtigen Entscheidungen“

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„Bürgermeister ist der beste Beruf, den ich bisher ausgeübt habe“: Indens neuer Verwaltungschef zieht nach 135 Tagen eine erste Bilanz nach seinem Amtsantritt im Oktober. Foto: Guido Jansen

Inden. Vor 135 Tagen ist aus dem Rechtsanwalt Jörn Langefeld der Bürgermeister Jörn Langefeld geworden. Die ersten Wochen und Monate des neuen ersten Bürgers der Gemeinde Inden waren geprägt von der Flüchtlingsthematik, dem Aufdecken von Unregelmäßigkeiten im Haushalt und einem ungewohnt harten Schlagabtausch, der in den Rats- und Ausschusssitzungen stattfindet.

Unser Redakteur Guido Jansen hat Jörn Langefeld nach einer ersten Bilanz gefragt.

Mit welchen neuen Herausforderungen haben Sie im Vorfeld gerechnet, die jetzt genau so eingetreten sind?

Jörn Langefeld: Zum Beispiel, dass ich sehr viele Außentermine haben werde. Ich reise sehr viel, bin fast zu 50 Prozent außer Haus, auch am Wochenende. Und dass ich ständig angesprochen werde, wenn ich in der Gemeinde unterwegs bin. Und ich habe damit gerechnet, dass ich einige Dinge ändern muss. Beispielsweise eine Dienstanweisung aus dem Jahr 1973, die nie geändert worden ist. Da stehen noch die Namen der handelnden Personen von damals drin.

Und womit haben Sie nicht gerechnet?

Langefeld: Dass ich direkt Gelder außerhalb des Haushalts finde. Das ist eine Sache, die das Verhältnis zwischen dem Rat und mir teilweise belastet. Für mich ist das abgeschlossen. Ich habe den Schaden der Versicherung gemeldet. Und ich habe dem Rat jetzt noch mal alle Unterlagen zur Verfügung gestellt. Aber da wird es sicher noch Fragen zu geben.

Sie sind auf finanzielle Mittel gestoßen, die unter Ihrem Vorgänger Ulrich Schuster neben dem Haushalt geparkt waren. Wie ist aktuell der Stand in dieser Sache?

Langefeld: Für mich sind die Ermittlungen abgeschlossen. Unsere Wirtschaftsprüfer haben das Gutachten noch mal kontrolliert. Die Sachen, die wir nachgebucht haben, stehen jetzt im Haushalt. Das waren etwas mehr als 225.000 Euro, die vorher nicht im Haushalt gestanden haben und jetzt zugebucht worden sind. Finanziell ist bis auf den Zinsschaden alles behoben. Wenn die Versicherung diesen Schaden übernimmt, dann ist alles gut. Wenn die Versicherung dann meint, sie müsste meinen Vorgänger in Regress nehmen, dann ist das nicht meine Baustelle. Wenn die Gemeinde entschädigt wird, habe ich kein Interesse daran, etwas von Herrn Schuster zu fordern. Den Ermittlungsstand der Staatsanwaltschaft kenne ich nicht.

Ganz allgemein, wie ist Ihr Berufsleben als Bürgermeister angelaufen?

Langefeld: Mir ist aufgefallen, dass ich hier eine ganz tolle Mannschaft habe. Die Belegschaft ist super. Mit der Politik ist es schwierig. Da läuft es immer noch nicht so, wie es unter vernünftigen Menschen handgehabt werden sollte. An mir liegt das meiner Meinung nach nicht. Ich biete immer die Hand an. Sie ist mehrfach weggeschlagen worden. Spaß macht es mir aber immer noch. Bürgermeister ist der beste Beruf, den ich bisher ausgeübt habe.

Geht es weiter mit Rats- und Ausschusssitzungen, die so wirken wie ein Boxkampf CDU und SPD gegen den Bürgermeister?

Langefeld: Im Grunde genommen kann man das auf zwei Personen reduzieren. Das sind Johann Josef Schmitz (SPD) und Reinhard Marx (CDU). Meiner Meinung nach ist das verletzte Eitelkeit oder das krampfhafte Bemühen, den Bürgermeister als schlechte Wahl der Bevölkerung darzustellen. Den Eindruck habe ich aber lange nicht von allen Ratsmitgliedern, sondern eigentlich nur von diesen beiden.

Häufiger war der Vorwurf zu hören, dass Sie sich früher in ihrer Zeit als Ratsmitglied so gut wie nie eingebracht haben.

Langefeld: Das ist nun mal so, wenn man in der Opposition ist und die eigenen Anträge nicht durchgehen. Man kann nur sagen, dass man etwas anders machen würde. Aber man erzielt keine Resultate. Das ist auf Dauer frustrierend.

Liegt Inden politisch denn trotzdem auf dem richtigen Kurs?

Langefeld: Ja. Und es stehen jetzt wichtige Entscheidungen an, beispielsweise in der Flüchtlingsfrage. Wo bauen wir Wohnheime, wo schaffen wir vorübergehende Unterbringungen? Was mir nicht gefällt, ist, dass es jetzt etwas zögerlich läuft. In Schophoven könnten wir schon die Grundmauern stehen haben. Natürlich ist es wichtig, die Bedenken der Bevölkerung zu berücksichtigen. Aber jetzt müssen Entscheidungen getroffen werden, die nicht jedem gefallen. Das Schlimmste, was jetzt passieren kann, ist, dass wir entscheidungsunfähig werden.

Sehen Sie noch die Chance, dass Inden es verhindern kann, öffentliche Gebäude zu schließen zu müssen, um dort Flüchtlinge unterzubringen?

Langefeld: Ja. Im Augenblick kommen keine neuen Flüchtlinge. Keiner weiß, wie lange das hält. Das ist immer eine Gratwanderung. Deswegen müssen wir jetzt schnell entscheiden, wo wir neue Mobilheime bauen, um den nächsten Schwung aufzufangen und Planungssicherheit für mindestens drei, vier Monate zu haben. Im Moment könnten wir vielleicht einen Monat abdecken, wenn wir keine neuen Möglichkeiten schaffen. Dann müssten wir an öffentliche Gebäude ran.

Also besser vorsorglich bauen?

Langefeld: Das ist ein zweischneidiges Schwert. Bauen ist teuer. Ein Haus für vier Familien kostet uns eine Millionen Euro. Wir können nicht unbegrenzt bauen. Zwei, drei Häuser, dann sind unsere Möglichkeiten erschöpft. Wir sollten zumindest das Projekt bauen, das wir jetzt in Schophoven angedacht haben. Denn sonst müssen wir uns dafür rechtfertigen, dass wir bereits Geld für die Projektierung ausgegeben haben, das dann weg ist.

Welches Verhältnis baut man als Indener Bürgermeister zu RWE Power auf? Das Unternehmen wirkt derzeit angesichts des Themas Energiewandel wie ein schwankender Gigant.

Langefeld: Das war am Anfang ein Hoch und Tief, als es die Gerüchte gab, dass der Tagebau nicht fortgeführt wird. Das hat für Beunruhigung in der Bevölkerung gesorgt. Aber es gibt eine Einigung, dass der Tagebau und das Kraftwerk bis 2030 laufen. Da hat die Sache beruhigt. Das Verhältnis ist gut, alle maßgeblichen Leute von RWE Power haben sich bei mir vorgestellt. Wir arbeiten gerade an einer Rahmenvereinbarung für die Zeit nach dem Tagebau. Darüber sprechen wir bald im Rat.

Inden ist eine Kommune auf der Suche nach Menschen. Womit kann Inden werben, um neue Einwohner zu finden?

Langefeld: Wir haben eine tolle Schule, die vorbildlich eingerichtet wird. Ich war wirklich positiv überrascht, wie die Goltsteinschule aufgestellt ist. Das gilt auch für die anderen Schulen und Kindergärten. Das ist alles sehr familienfreundlich. Wir haben alles, was man an Infrastruktur für junge Familien braucht. Und wenn wir mal den See haben, dann wird es noch attraktiver.

Das Wellpappenwerk Eichhorn prüft derzeit einen neuen Standort in Inden, falls es seine Pläne für das Hochregallager in Kirchberg nicht umsetzen kann. Wie oft haben Sie darüber schon mit dem Unternehmen gesprochen?

Langefeld: Ich wusste, dass diese Frage kommt. Ich habe mit Herrn Eichhorn noch gar nicht gesprochen. Es gibt einen Termin im April. Mit RWE als Grundstückseigentümer gab es seitens Eichhorn Gespräche. Es ist nichts konkretisiert. Das geht auch nicht hopplahopp bei 300 Arbeitsplätzen. Natürlich sage ich nicht Nein, wenn die Firma nach Inden kommen will. Hier könnten sie ihre Lagerhalle so hoch bauen, wie sie wollen. Aber ich werbe das Unternehmen bestimmt nicht aus Jülich ab. Und ich stehe da auch im Kontakt mit Jülichs Bürgermeister Axel Fuchs.

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