Whatsapp Freisteller

Indeland-Geschäftsführer Jens Bröker: „Ich kann keine Kaninchen aus dem Hut ziehen”

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
„Indeland steht für Regional
„Indeland steht für Regionalentwicklung und Wirtschaftsförderung”, sagt Jens Bröker, der erste hauptamtliche Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft im Interview mit unserer Zeitung. Foto: Johnen

Kreis Düren. „Ich bin kein Zauberer, der ein Kaninchen aus dem Hut ziehen kann”, sagt Jens Bröker, der erste hauptamtliche Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Indeland. Die Gestaltung eines Strukturwandels sei vielmehr die Politik der kleinen Schritte.

Was kommt nach dem Tagebau? Antworten auf diese Frage zu finden und Weichen für die Zukunft zu stellen, ist Aufgabe der Entwicklungsgesellschaft. Unsere Zeitung hat sich mit Jens Bröker über Erwartungen, Ansprüche und Zielvorstellungen unterhalten.

Herr Bröker, wo steht das Indeland?

Bröker: Dem Kreis Düren steht in den kommenden Jahren ein tiefgreifender Wandel bevor. Das Ende des Braunkohleabbaus zieht nicht nur landschaftliche, sondern auch wirtschaftliche Veränderungen in der Region mit sich. Bis zu 10 000 von der Kohle abhängige Arbeitsplätze gehen nach RWE-Schätzungen in der Region verloren. Daher gilt es schon heute, zukunftsfähige Konzepte für einen Strukturwandel zu entwerfen, damit wir das auffangen können.

Haben wir den Einstieg in diesen Prozess nicht bereits verschlafen?

Bröker: Bei der Steinkohle haben wir den Prozess verschlafen. Dort war es ein Bruch, kein Strukturwandel. Unser Vorteil ist es, dass wir genau wissen, wie lange in den Tagebauen gefördert wird. Wir kennen den Zeitplan. Das ist unsere Chance, sich auf diese Ereignisse vorzubereiten.

Aber wer will heute schon über die Jahre 2030 und 2045 reden? Die Menschen haben andere Probleme, die Schuldenkrise beispielsweise.

Bröker: Die Zukunft beginnt heute. Es wird uns gelingen müssen, dieses Bewusstsein bei den Menschen zu wecken. Nur auf einem guten Fundament kann man stabil bauen. Initiativen für eine nachhaltige und klimafreundliche Energieversorgung zum Beispiel sparen Kosten, sichern Arbeitsplätze, schaffen Umsätze und sichern damit Zukunft. Auch in anderen Bereichen gilt es jetzt schon, solche Felder zu bestellen.

In der Wahrnehmung vieler Menschen steht vor allem der Indemann für die Indeland-Gesellschaft...

Bröker: Seit ihrer Gründung war die Verfüllung des Restsees Inden ein wichtiges Thema für die junge Gesellschaft. Mit euregionalen Projekten wie dem Indemann wurde die Marke „Indeland” platziert. Es ging auch um die Begleitung eines Sees. Aber Indeland ist mehr als Tourismus und die Frage, wo wir einen Jachthafen bauen. Die Klärung der wichtigen, landschaftsgestaltenden Fragen wird immer konkreter. Indeland steht in Zukunft vor allem für Regionalentwicklung und Wirtschaftsförderung. Vielleicht ist es uns noch nicht gelungen, die ganze Breite der Aufgaben darzustellen.

Braucht die Gesellschaft deswegen einen hauptamtlichen Geschäftsführer? Wie läuft es denn so?

Bröker: Derzeit schaffen wir die Voraussetzungen, um arbeiten zu können. Das ist nicht in drei Monaten zu schaffen. Es geht ja angesichts der Komplexität der Aufgaben auch nicht darum, monatliche Wasserstandsmeldungen zu verfassen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass das Indeland es schaffen wird, die Kraft zu wecken, die hier steckt, und wir uns in der Region gut aufstellen. Wenn das alle Verantwortlichen wirklich wollen.

Könnten Sie denn bisher eine Erfolgsmeldung absetzen?

Bröker: Wir haben einen Antrag auf Förderung beim Land gestellt, um eine zukunftsfähige Projektskizze Indeland zu entwickeln. Eine Art Fahrplan sozusagen. Wo sind unsere Stärken? Was müssen wir heute anstoßen, damit wir morgen profitieren können? Dazu gehört es auch, als Indeland im Rheinischen Revier stärker erkennbar zu werden. Es sind vielleicht kleine Schritte, aber sie bringen uns ans Ziel.

Die Menschen erwarten, dass der Geschäftsführer sein Gehalt wert ist. Daran werden Sie sich messen lassen müssen.

Bröker: Naherwartung ist sicher ein großes Problem. Ich bin nicht engagiert worden, um spektakuläre Erwartungen zu befriedigen. Ich bin kein Zauberer, der ein Kaninchen aus dem Hut ziehen kann. Wenn man die Aufgabe ernst nimmt, dann muss man jeden Tag seine Arbeit tun und damit dafür sorgen, dass wir auf das Jahr 2030 vorbereitet sind. Daran lasse ich mich gerne messen.

Warum braucht das Indeland eine Entwicklungsgesellschaft?

Bröker: Investoren schauen nicht auf kommunale Grenzen. Sie schauen in Räume. Sie interessiert, ob es dort ausreichend Gewerbeflächen gibt, wie die Infrastruktur aussieht, wie eine Region eingebunden und angebunden ist. Noch sind zu viele Einzelkämpfer unterwegs. Das hat aber keine Zukunft. Die grundsätzlich gute Kooperation im Indeland und die Koordinierung gemeinsamer Interessen ist ein echter Standortvorteil, den wir weiter ausbauen wollen.

Die Stadt Düren beispielsweise schaut derzeit lieber noch vom Rande aus zu.

Bröker: Düren gehört dazu. Zum wechselseitigen Nutzen! Die Mehrwerte für eine Mitgliedschaft liegen auf der Hand: Die Stadt ist Schwerpunkt des produzierenden Gewerbes - und sie wird vom Wandel ebenso betroffen sein. Düren ist keine Insel, keine Metropolregion, die von sich aus genug Kraft für einen Strukturwandel hat. Andererseits kann man die Wirtschaftsregion nicht ohne Düren denken.

Wie lauten die Zukunftsthemen?

Bröker: Wie gesagt, es gibt kein Patentrezept, aber es gibt Leitthemen. Wir brauchen eine strategische Orientierung auf unsere Kompetenzen in den Bereichen Logistik, Papierindustrie, Gesundheits- und Seniorenwirtschaft und die Weiterentwicklung im Transfer aus Forschung und Entwicklung. Sicher sind auch die Themen Klimaschutz und Energieeffizienz von Bedeutung. Warum sollen wir nicht mit Finanzierungsprogrammen Hausbesitzern helfen, ihre Häuser zu dämmen? Das nutzt dem Handwerk und schont zugleich die Ressourcen. Aber selbst die Gastronomie am Indemann ist ein kleiner, aber wichtiger Baustein, der die Attraktivität dieses Mosaiksteinchens erhöht. Wir müssen das, was vorhanden ist und wofür es Potenzial gibt, aktivieren.

Wie darf man das verstehen?

Bröker: Das beginnt hier im eigenen Haus. Es gibt viele gute Konzepte und Masterpläne. Nur liegen sie in unterschiedlichen Schubladen. Ich sehe es auch als meine Aufgabe an, diese Konzepte zusammenzuführen, Ideen mit Leben zu füllen, alle in ein Boot zu holen und beispielsweise Projekte, an denen derzeit viele einzeln arbeiten, gemeinsam zu priorisieren und umzusetzen. Das ist nicht immer spektakulär, es gibt nicht immer nur Knaller. Aber ich bin ja auch kein Konzert-Veranstalter.

Sie wurden kurz nach Ihrer Bestellung einmal als als Tür-Öffner bezeichnet. Wie klappt es denn mit der Akquise von Fördermitteln?

Bröker: Wie gesagt, die Arbeit hat gerade erst begonnen. Unser Antrag auf finanzielle Förderung der erwähnten Projektskizze wird beim Land zur Zeit geprüft.

Wieviel Geld ist denn noch in der Kasse? Wie hoch war die Startfinanzierung?

Bröker: Ich kann an dieser Stelle kaum aus den Verträgen zitieren. Aber es gibt nennenswerte Verträge. Die Frage aber ist, ob dies reichen wird, um die anstehenden Herausforderungen zu meistern.

Beteiligt sich RWE nicht ausreichend an diesem Prozess? Die Seen-Lösung dürfte doch günstiger sein als eine Verfüllung und Rekultivierung, oder?

Bröker: Ich glaube, dass diese Lösung auch einen positiven betriebswirtschaftlichen Effekt hat. Nehmen wir das Bild einer Ehe. In der Beziehung von Indeland zu RWE wird es darauf ankommen, dass RWE noch einmal einen Impuls gibt, um die Beziehung zu beleben. Jeder Tagebau ist ein enormer Eingriff in die Region. Und es entsteht auch eine enorme Abhängigkeit vom Berbautreibenden. Der Bergbautreibende trägt deswegen auch eine Verantwortung für die Zeit nach den Tagebauen.

Wie könnte ein solcher Impuls aussehen?

Bröker: RWE könnte noch stärker in die Region investieren. Warum sollte es keine neuen Betriebsstandorte im Indeland geben? Beispielsweise von der Tochter Innogy. Warum sollte RWE nicht neben anderen Akteuren auch nach dem Jahr 2030 eine Rolle spielen?
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert